Corona-Tagesimpulse

Tagesimpuls Matthäus, 16. Januar 2021

Angebot ohne Nachfrage

Es gibt im 5. Buch Mose einen ganz interessanten Textabschnitt, den ich mit etwas moderneren Worten wiedergeben möchte. Dort heißt es (5. Mose 6,20-25): „Wenn eure Kinder euch einmal fragen: Was sollen eigentlich all diese Berichte, Vorschriften und Gebote, die Gott euch in seinem Wort gegeben hat? Dann antwortet ihnen: Als wir in Ägypten versklavt waren, hat Gott uns machtvoll daraus befreit. Er überzog das ganze Land, auch den Pharao mit seiner Familie, mit Plagen, für das Land Ägypten schreckliche Zeichen, in unseren Augen Wunder Gottes. Und wie er es schon unseren Urvätern geschworen hatte, brachte er uns dann von dort in dieses Land. Eins hat Gott uns dabei ans Herz gelegt, damit es uns so gut geht, wie wir es heute erleben: wir sollen ihn dadurch ehren, dass wir seine Vorschriften befolgen. Wenn wir all das täten, würden wir genau so leben, wie es Gott gut findet.“

Ein langer Bibeltext heute einmal im Tagesimpuls, und das gleich am Anfang! Zwei Dinge fallen daran auf. Wenn man den Schluss noch im Ohr hat, könnte man meinen: Unser Leben ist dann vor Gott in Ordnung, wenn wir möglichst penibel seine Anordnungen beachten, die wir in der Bibel nachlesen können. Da drängt sich sofort die Frage auf: wer kann das schon?! Wenn das die Voraussetzung ist, in Gottes Augen OK zu sein, bleiben wir alle weit unter Gottes Maßstab. Die Antwort, die Eltern ihren Kindern geben sollen, um ihnen zu erklären, was all die Gebote Gottes eigentlich sollen, beginnt aber ganz anders. Es wird nicht gesagt, was wir für Gott tun sollen, sondern was Gott für uns getan hat. Für Israeliten damals war es die Befreiung aus der ägyptischen Sklaverei, für uns als Christen ist es die Befreiung aus der Sklaverei der Sünde. Diese Parallele wird mehrfach im Neuen Testament gezogen. Am Anfang steht, was Gott aus Liebe für uns getan hat. Die eine Sklaverei soll nicht durch eine andere ersetzt werden. Gott möchte, dass es uns gut geht, dass wir frei sind. Auch frei, ihm zu vertrauen, dass seine Vorstellungen für unser Leben besser sind als unsere eigenen. Durch so ein Vertrauen ehren wir Gott.

Das ist also das eine, um das es geht. Die Antwort, die Eltern ihren Kindern geben sollen. Und die kann ich eigentlich sehr gut nachvollziehen. Das ist gewissermaßen das Erklärungs-Angebot für die nächste Generation. Irritierend ist allerdings, dass hier mit großer Selbstverständlichkeit davon ausgegangen wird, dass unsere Kinder uns nach diesem vertrauensvollen Lebensstil im Respekt vor Gottes Wort fragen. Passiert das eigentlich noch? Wer fragt heute überhaupt noch nach Gott, Glauben und Bibel? Wenn wir als Christen nicht mehr auf unseren alternativen Lebensstil angesprochen werden, woran liegt das? Eine von Gottes Wort inspirierte Lebenshaltung ist weithin in unserer Gesellschaft wortwörtlich nicht mehr gefragt. Christen beklagen das manchmal, bis hin zur Mutmaßung, dass das christliche Abendland untergehe und das Land der Reformation immer gottloser werde.

Könnte es aber sein, dass das Problem weniger die anderen sind, sondern eher die Christen? Dass deren Leben mittlerweile so wenig von Gottes guten Ideen für unser Leben geprägt ist, dass weder die eigenen Kinder noch andere danach fragen? Dann würden wir als Christen selbst einen großen Anteil daran haben, wenn die beste Botschaft der Welt zu einem Angebot ohne Nachfrage wird. Ganz abgesehen davon, dass wir uns selbst um das bestmögliche Leben betrügen.

Tagesimpuls Matthäus, 15. Januar 2021

Geteilte Freude …

Ein golfbegeisterter Pastor in Florida möchte sich einmal ein freies Wochenende gönnen. Also meldet er sich krank. Ein Kollege übernimmt den Gottesdienst für ihn. Klammheimlich fährt der Pastor am Sonntag noch vor Sonnenaufgang los, fast 200 Kilometer weit bis zu einem Golfplatz, an dem sicher kein Gemeindeglied ihn zufällig treffen wird. Tatsächlich ist er am Sonntagmorgen ganz allein dort. Scheinbar sind alle anderen Golfer noch irgendwo im Gottesdienst. Er packt seine Golftasche aus, zahlt die Gebühr für eine 18er-Runde und holt zum ersten Abschlag aus. Im Himmel sieht Petrus diesem Treiben kopfschüttelnd zu. Gott beruhigt ihn und sagt: „Lass mich nur machen!“ Der Pastor schlägt eine Spielbahn nach der anderen in persönlichem Rekord. Nie hat er einen Golfparcours auch nur annähernd mit so wenigen Schlägen bewältigt. Petrus bekommt vor Ärger einen hochroten Kopf und beschwert sich bei Gott: „Warum hast du diesen pflichtvergessenen Kerl nun auch noch die Runde seines Lebens spielen lassen?“ „Lass nur“, meint Gott, „was glaubst, wie es ihn wurmen wird, niemandem davon erzählen zu können!“

Eine der bittersten Freuden ist die, die man mit niemandem teilen kann. Vor allem, wenn man selbst daran schuld ist. Umgekehrt ist es aber ungeheuer erfüllend, wenn man zum Beispiel einen wunderbaren Film gemeinsam sieht, einen herrlichen Sonnenuntergang zusammen erlebt oder einen außergewöhnlichen Urlaub miteinander verbringt und dann darüber redet und die Erinnerungen daran teilt.

Ähnlich ist es mit dem Lesen der Bibel. Es ist sicher nicht bitter, wenn man das allein tut. Denn in der persönlichen Stille kann Gott auch sehr persönlich mit uns reden. Aber es ist bitter, wenn man es sich grundsätzlich nicht gönnt, Gottes Wort mit anderen zu teilen. Weil uns dann viel von dem vorenthalten bleibt, womit Gott uns eigentlich bereichern möchte. Im Brief an die Gemeinde in Philippi drückt Paulus gleich am Anfang seine Dankbarkeit für die Christen dort aus. Und er bringt dabei einen besonderen Dankbarkeits-Aspekt ins Spiel: „Ich danke meinem Gott, sooft ich euer gedenke, für eure Gemeinschaft am Evangelium vom ersten Tage an bis heute“ (Philipper 1,3+5). Dass Paulus die gute Nachricht von Jesus Christus nicht für sich allein behalten muss, sondern mit den Christen in Philippi teilen kann, erfüllt ihn mit großer Freude.

Wieviel weiter wird mein Horizont, wenn ich nicht auf meine eigenen Erkenntnisse aus Gottes Wort beschränkt bleibe. Wieviel tiefer wird mein Verständnis von Gott, wenn ich es von anderen korrigieren und ergänzen lasse. Wieviel größer wird das Staunen über Jesus, wenn ich höre, wie auch andere ihn in ihrem Alltag erleben. Wieviel kraftvoller wird mein Glaube, wenn ich sogar mit meinen Zweifeln durch diese „Gemeinschaft am Evangelium“ getragen werde.

Darum möchte ich nicht auf diese Gemeinschaft verzichten, weder im Gottesdienst noch in unseren Hauskreisen rund um die Bibel. Und darum wünsche ich mir sehr, dass wir beides möglichst bald wieder ganz normal erleben können. Denn geteilte Freude, auch an Gottes Wort, ist doppelte Freude.

Tagesimpuls Matthäus, 14. Januar 2021

Unwiderstehlich!

Als die Mauer von diesem Foto gebaut wurde, wirkte sie sicherlich sehr massiv. Mit reiner menschlicher Kraft kaum einzureißen. Aber in einem kleinen Riss in dieser Mauer oder vielleicht auch einfach direkt hinter ihr nistete sich ein winziger Baum-Samen ein. Niemand bemerkte es. Niemand verhinderte es. Niemanden störte das zunächst. Aber dieser Same schlug Wurzeln, trieb aus und wuchs langsam, aber kontinuierlich. Der kleine, putzige Baum, der daraus wurde, beanspruchte nach und nach immer mehr Platz – und trieb irgendwann die Steine dieser so massiven Mauer unwiderstehlich auseinander.

Ein ähnliches Bild wird im Alten Testament benutzt, um deutlich zu machen, welche Sprengkraft Gottes Wort hat. In Jesaja 55 lässt Gott durch den Propheten Jesaja sagen: „Wenn Regen oder Schnee vom Himmel fällt, kehrt er nicht wieder dorthin zurück, ohne dass er etwas bewirkt: Er durchfeuchtet die Erde und macht sie fruchtbar, sodass sie Korn für das tägliche Brot hervorbringt und Saatgut für eine neue Ernte. Genauso ist es mit dem Wort, das ich spreche: Es kehrt nicht unverrichteter Dinge zu mir zurück, sondern bewirkt, was ich will, und führt aus, was ich ihm auftrage“ (Jes. 55,10+11). Unwiderstehlich!

So war es schon am Anfang der Schöpfung: Gott spricht – und es geschieht! Auch wenn die Bibel ganz sicher von Menschen geschrieben und formuliert wurde, auch wenn sie hier und da scheinbar Widersprüche enthält, auch wenn sich heute einzelne Aussagen ziemlich überholt anhören: Gott spricht nach wie vor durch dieses Buch. Daher bin ich davon überzeugt, dass die Bibel das zwar meistgedruckte, verkaufte, verschenkte, gelesene, aber auch meistunterschätzte Buch der Welt ist.

Ich erlebe es persönlich ja immer wieder, wie Gott es schafft, mich durch sein Wort wachzurütteln und zu hinterfragen. Und an entscheidenden Stellen in meinem Leben habe ich erfahren, wie ein einziger Vers der Bibel es schaffte, mein zu der Zeit ziemlich aufgewühltes Herz wie durch ein Wunder ruhig zu machen. Erklären kann ich die Kraft des Wortes Gottes nicht wirklich, aber ich erlebe sie.

Und immer wieder kann man Berichte lesen, was sie bewirkt. Wie hartgesottene Verbrecher, die von allen als hoffnungslose Fälle abgeschrieben wurden, angefangen haben, in der Bibel zu lesen – und dadurch von Grund auf verändert wurden. Wie ein vielbeschäftigter Geschäftsmann bei einem Krankenhausaufenthalt auf eine Bibel der Gideons im Nachtschrank stieß, aus Langeweile darin blätterte, von diesen Worten gefesselt wurde – und sein Leben umkrempelte. Wie Eheleute, die schon die Scheidung eingereicht hatten und längst getrennt wohnten, unabhängig voneinander die Bibel entdeckten und dies zur Initialzündung für sie wurde, es noch einmal miteinander zu versuchen.

Gottes Wort ist unwiderstehlich in seiner verändernden Kraft. Weil Gott selbst dahinter steht. Diese Kraftquelle nicht zu nutzen wäre so töricht, als würden wir ein Auto mit leerem Tank permanent schieben, obwohl wir es einfach an der Tankstelle auftanken und dann mit ganz neuer Energie fahren könnten.

Tagesimpuls Matthäus, 13. Januar 2021

Dann tu’s doch!

Das Thema dieser Woche ist das Thema der weltweiten Allianzgebetswoche: „Lebenselixier Bibel“. Wie geht es Ihnen mit der Bibel? Gehören Sie auch zu denjenigen, die so ihre Schwierigkeiten damit haben? Vielleicht weil sie meinen, vieles darin nicht zu verstehen.

Mark Twain, der bekannte scharfzüngige und scharfsinnige amerikanische Schriftsteller, hat sich viel mit der Bibel beschäftigt. Er kommt dabei zu folgendem Schluss: „Die meisten Menschen haben Schwierigkeiten mit den Bibelstellen, die sie nicht verstehen. Ich für meinen Teil muss zugeben, dass mich gerade diejenigen Bibelstellen beunruhigen, die ich verstehe.“

Ein Beispiel: Bernd ist seit gerade erst vier Wochen Auszubildender in einer Tischlerei. Gemeinsam mit dem Gesellen Gerd soll er Schubladen passgenau für eine Kommode zimmern. Als der Meister sich die Ergebnisse der beiden ansieht, lobt er Bernd, der sich wirklich bemüht hat, obwohl seine Schubladen eher misslungen aussehen. Gerd dagegen bekommt eine Standpauke zu hören. „Warum denn“, will er vom Meister wissen, „Bernds Schubladen sehen doch genauso aus wie meine!“ „Eben“, antwortet der Chef, „aber Bernd hat es noch nicht besser gewusst, du schon, aber du hast trotzdem schlampig gearbeitet.“

Nicht nur Adel, auch Wissen verpflichtet. Was ich von der Bibel verstehe, fordert mich heraus. Nicht nur zum inneren Nicken, sondern zum richtigen Handeln. Das macht den Umgang mit Gottes Wort manchmal so unbequem, dass offensichtlich viele es einfacher finden, sich erst gar nicht mit der Bibel zu beschäftigen.

Der Schriftgelehrte, von dem wir vorgestern bereits gehört hatten, kannte sich in der Bibel gut aus. Er wusste genau: was vor Gott zählt, ist Liebe, Gott und dem Nächsten gegenüber. Und an dieser Stelle tut er plötzlich unwissend: „Wer ist denn mein Nächster?“ Daraufhin erzählt Jesus die Geschichte vom barmherzigen Samariter. Und am Ende fragt er den Bibelfachmann: „Welcher von diesen dreien ist deiner Meinung nach nun der Nächste dem gewesen, der unter die Räuber gefallen ist?“ Der Schriftgelehrte antwortete: „Der, der ihm gegenüber Barmherzigkeit geübt hat.“ Da sprach Jesus zu ihm: „Dann geh du hin und handle ebenso!“ (Luk. 10,36+37)

Die Worte der Bibel können die Welt verändern – und haben das an vielen Stellen auch getan. Dazu müssen sie zwei wichtige Wegstrecken zurücklegen: von den Ohren oder den Augen in unser Herz, aber dann auch von unserem Herz in unsere Hände und Füße, in unseren Lebensalltag hinein. Das ist die Herausforderung, die so beunruhigend sein kann. Das ist die Wegstrecke des Wortes Gottes, an der es auch in meinem Leben am ehesten stecken und damit letztlich wirkungslos bleibt. Weil ich vielleicht zu ängstlich, zu bequem oder zu egoistisch bin.

Deshalb trifft mich der letzte Satz, den Jesus diesem Schriftgelehrten sagt, auch: „Wenn du schon erkannt hast, was das Richtige ist, dann tu’s doch auch!“ Wie gesagt: die schwierigsten Bibelstellen sind gerade die, die wir verstehen!

Tagesimpuls Matthäus, 12. Januar 2021

Das kann ja jeder behaupten!

Wussten Sie, dass blinde Menschen viermal häufiger Albträume haben als Menschen mit normaler Sehkraft? Das glauben Sie nicht? Sie meinen: das kann ja jeder behaupten! Aber wie bekommen Sie heraus, ob diese Behauptung stimmt oder nicht? Genau: Sie recherchieren, in Fachbüchern vielleicht, wahrscheinlich aber im Internet. Und werden feststellen: es stimmt tatsächlich, nachgewiesen in einer dänischen Studie aus dem Jahr 2014.

Eine völlig unglaubliche Behauptung war zur Zeit des Apostels Paulus auch für die allermeisten Menschen, dass Jesus Christus von den Toten auferstanden sei. Ganz besonders Juden hielten das für skandalös und reagierten darauf extrem gereizt. So erlebte Paulus das mit seinem Begleiter Silas zum Beispiel in der griechischen Metropole Thessalonich. Also zogen sie weiter gen Westen nach Beröa und gingen auch dort mit der Auferstehungsbotschaft in die dortige Synagoge. In Apostelgeschichte 17, Vers 11 lesen wir dann folgendes: „In Beröa waren die Juden aufgeschlossener als in Thessalonich. Sie nahmen die Botschaft mit großer Bereitwilligkeit auf. Täglich überprüften sie an den Heiligen Schriften, ob das, was Paulus sagte, auch stimmte.“

Denn das kann ja jeder behaupten, dass Jesus auferstanden ist. In den Ohren von Abermillionen klingt das nach wie vor völlig unglaublich. Was mich wundert ist, dass die meisten Menschen es heute anders machen als die Juden in Beröa. Sie prüfen diese unglaubliche Behauptung von der Auferstehung nicht, sondern gehen völlig unkritisch einfach davon aus, dass so etwas nicht sein kann.

Wie kann man herausfinden, ob diese Behauptung stimmt? Die Menschen in Beröa befragten die „Heiligen Schriften“, also gewissermaßen das Alte Testament. Die hatten sich für sie bewährt und waren vertrauenswürdig. Je mehr sie nachforschten, umso wahrscheinlich wurde es für sie offenbar, dass Jesus der Messias und seine Auferstehung sehr wahrscheinlich war. Auf jeden Fall heißt es, dass viele zum Glauben an Jesus fanden. Waren das lauter arme Naive? Nein, ausdrücklich wird erwähnt, dass sich darunter viele einflussreiche Männer befanden.

Kritisch, aber mit offenem Herzen in der Bibel zu lesen, hilft damals wie heute weiter, wenn man der Wahrheit auf die Spur kommen will. Sie zeigt uns den Weg zu dem auferstandenen Jesus, der sich dann selbst beweist, wenn man ihm die Chance dazu lässt. Paulus hatte das erlebt: Jesus stand eines Tages überraschend vor der Tür seines Lebens. Nicht als Traum, schon gar nicht als Albtraum, sondern auferstanden und völlig real. Deshalb wollte Paulus seitdem diese unglaubliche Botschaft anderen weitersagen, überall, wohin er kam.

Und wenn jemand ihm dann zweifelnd erwiderte: „Das kann ja jeder behaupten“, hat er wahrscheinlich einfach herzlich eingeladen: „Dann prüf es doch nach und überzeug dich selbst!“ Das Ergebnis ist bekannt, nicht nur aus Beröa.

Tagesimpuls Matthäus, 11. Januar 2021

Der rote Faden

Fast jeder kennt sie: die Beispielgeschichte vom barmherzigen Samariter, die Jesus erzählt. Sie ist so bekannt, dass der Ausdruck „Samariter“ geradezu sprichwörtlich geworden ist und für gute Taten steht. Dabei war es eigentlich nur der Angehörige einer Volksgruppe, wie etwa Bayern, Sachsen oder Ostfriesen. Beheimatet allerdings im heutigen Israel und zur Zeit von Jesus mit zweifelhaftem Ruf. Wie gesagt: seine Geschichte, die Jesus erzählt, ist bekannt. Weniger bekannt ist dagegen der Anlass, dessentwegen Jesus sich dieses Gleichnis ausdachte. Einer, der sich recht gut im Wort Gottes auskannte, ein sogenannter Schriftgelehrter, steht eines Tages vor Jesus und stellt ihm eine große Frage, eine, die heute die allerwenigsten Menschen noch stellen: „Was muss ich eigentlich tun, damit ich ewiges Leben bekomme?“ – Stellen Sie sich vor, morgen würde Sie jemand völlig unverhofft mit dieser Frage überrumpeln: „Was muss ich tun, damit ich in den Himmel komme?“ „Na ja“, würden wir vielleicht stottern, „das kann man so pauschal nicht sagen, das kommt ja immer darauf an, und letztendlich weiß man so etwas ja auch nicht wirklich sicher.“ Jesus dagegen antwortet – wie so oft – mit einer klugen Gegenfrage: „Du kennst dich doch in den heiligen Schriften aus. Was liest du denn dort?“ Der Schriftgelehrte atmet tief durch und auch innerlich auf, denn auf dem Gebiet kennt er sich ja aus. Und so kommt die Antwort auch wie aus der Pistole geschossen: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all deiner Kraft und deinem ganzen Verstand, und deinen Nächsten wie dich selbst.“ Nachlesen kann man das alles übrigens in Lukas 10 ab Vers 25. War Jesus damit zufrieden? Offenbar sogar sehr, denn er sagt dem Schriftgelehrten nur: „Das war die richtige Antwort. Wenn du das tust, wirst du leben!“

Mit dieser Antwort hat jener bibelfeste Mann also den roten Faden der Bibel beschrieben. Viele meinen, ein bestimmtes Verhalten sei nötig, um in den Himmel zu kommen. Im Gespräch zwischen Jesus und dem Schriftgelehrten wird aber deutlich, dass es um Liebe geht. Und Liebe ist ein Verhältnis-Wort. Es beschreibt das intakte Verhältnis zwischen Gott und uns und zwischen uns und unserem Nächsten. Jesus vertraut darauf, dass unser Verhalten in Ordnung sein wird, wenn es von Liebe, also dem richtigen Verhältnis gekennzeichnet ist. Es geht in der Bibel nicht in erster Linie um das richtige Tun, sondern von der ersten bis zur letzten Seite um Liebe. Die ganze Schöpfung ist in ihrer Genialität schon eine einzige Liebeserklärung Gottes an uns. In Jesus wird die Liebe Gottes Person, mit Händen zu greifen. Und am Ende der Zeiten soll das Verhältnis zwischen Gott und uns und zwischen allen Kreaturen wieder von einer einzigartigen Harmonie der Liebe geprägt sein. Kein Wunder, dass der Weg dorthin auch von Liebe gekennzeichnet sein soll, ganz genau so, wie es der Schriftgelehrte zitiert hatte.

„Lebenselixier Bibel“ ist das Thema der 175. Internationalen Gebetswoche der Evangelischen Allianz, die gestern begonnen hat. An jedem Tag wird ein Aspekt dieses Themas beleuchtet. Heute ist es der rote Faden der Liebe, der bis in den Himmel reicht.

Abends kann man übrigens in Hagen per Zoom digital an der Gebetswoche teilnehmen, immer um 19.30 Uhr. Mehr dazu kann man auf unserer Homepage nachlesen: Infoflyer Allianz-Gebetswoche. Vielleicht sehen wir uns ja an einem der Abende zwischen Montag und Freitag. Ich lade Sie herzlich dazu ein.

Tagesimpuls Matthäus, 9. Januar 2021

Rückblick

Die erste volle Woche des Jahres liegt hinter uns. Geschafft! Immerhin können wir heute schon auf gut acht Tage 2021 zurückblicken. Was hat das Jahr bisher gebracht?

In den Nachrichten zumindest einmal ein anderes Thema als Corona, wenn auch kein besseres. Was sich in dieser Woche um und im Kapitol in Washington abspielte, war beschämend für die amerikanische Gesellschaft. Und sonst? Hier ein paar Tagesschau-Meldungen der letzten sieben Tage: Amsterdam will Touristen Zugang zu Coffeshops verbieten; Tesla-Chef Elon Musk hat den Amazon-Besitzer Jeff Bezos als reichsten Mann der Welt abgelöst; der Lockdown wird bis zum 31. Januar verlängert und verschärft; in Norwegen werden erstmals weltweit mehr Elektro-Autos gekauft als Diesel- oder Benzin-Fahrzeuge; der seit fast drei Jahren todgeglaubte Karl-Erivan Haub lebt möglicherweise noch – und die meisten orthodoxen Christen haben erst Mitte dieser Woche Weihnachten gefeiert.

Wesentlich interessanter wäre es natürlich, zu erfahren, wie Ihre Woche gewesen ist. Wie viele gute Vorsätze haben diese Woche überlebt? Wie lief’s zuhause mit den Kindern angesichts von verlängerten Weihnachtsferien mit Wegfahr-Sperre? War es auf der Arbeit gefühlt eine Woche voller Montage nach den vielen Feiertagen bzw. langen Wochenenden? Und wieviel Altlasten aus 2020 haben Sie möglicherweise noch mit durch diese Woche geschleppt? Noch interessanter ist vielleicht die Frage: wie sehr haben Sie sich in dieser Woche durch das beeindrucken lassen, was Ihnen nicht gut gelungen ist? Die Frage, ob etwas misslungen ist, stelle ich erst gar nicht. Denn ich bin mir ziemlich sicher, dass auch die erste Woche des neuen Jahres keine perfekte Woche war, weder für Sie noch für mich. Es ist völlig normal, dass unser Wochen-Rückblick auch irgendwie eine Geschichte von Schuld, von verpassten Gelegenheiten, von egoistischen Motiven, von lieblosen Worten oder Taten usw. ist.

Schuld ist nicht das eigentliche Problem. Problematisch wird es, wenn wir es machen wie so viele: wir nehmen unsere ganz persönlichen roten Zahlen der Woche einfach irgendwie hin – und mit in die nächste Woche. Die Folge: am Ende des Jahres blicken wir auf einen ganzen Berg unbewältigter Schulden zurück. Und auf dem Weg dahin wird unser Schuld-Rucksack, den wir mit uns schleppen, immer schwerer.

Ein ehrlicher Rückblick auf die Woche mag nicht besonders gut für uns aussehen, ist aber notwendig, um die Last auf dem Rücken nicht zu schwer werden zu lassen. Das Angebot von Jesus gilt am Ende des Jahres, des Tages und eben auch dieser Woche: Überlass mir die roten Zahlen deines Lebens, leg deine Last bei mir am Kreuz ab, denn da habe ich dafür bezahlt. Die Bibel nennt das: Vergebung. Und dann geh unbelastet in Woche Nummer Zwei, sieh nicht mehr zurück, denn erst jetzt bist du wirklich bereit für alles, was die nächsten sieben Tage bringen werden.

Ich wünsche Ihnen heute so einen befreienden persönlichen Wochen-Rückblick!

Tagesimpuls Matthäus, 8. Januar 2021

Ausblick

Um die Jahreswende herum hat die Esoterik scheinbar Hochkonjunktur: Silvester wird munter Blei gegossen, um aus den zufälligen Gebilden irgendwelche Rückschlüsse für das neue Jahr zu ziehen, Jahreshoroskope sind hoch im Kurs, Karten werden als Ansage für die Zukunft gelegt und Verschwörungstheorien besonders gepflegt.

Was dahinter steht, ist verständlich: wir würden gerne wissen, was in diesem Jahr auf uns zukommt. Dann könnten wir uns darauf einstellen. Tatsache ist aber, dass wir das einfach nicht wissen können, egal welche Methoden wir dafür bemühen. Wir können planen, vorsorgen, prognostizieren, aber wie es dann wirklich kommt … Im letzten Jahr haben wir zur Genüge gesehen, dass ein Ausblick in die Zukunft nur sehr vage möglich ist.

Die verschieden gestalteten Lockdowns Ende letzten und Anfang diesen Jahres, dieses Entscheidungen, die Gewissheit nur wieder für die nächsten zwei Wochen geben, haben uns gezeigt: wir fahren wie im Nebel durch diese Zeit und haben nur eine kurze Sicht.

Umso wohltuender ist es, dass es doch etwas gibt, das wir sicher für das ganze vor uns liegende Jahr sagen können, einfach weil die Bibel es uns immer wieder zusagt. Ich will dabei nur an zwei bekannte Bibelstellen erinnern, die sich darin ganz einig sind.

Nummer 1 ist Psalm 23, Vers 4. Dort betet David: „Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir!“ Stochern im Nebel? Fahren ohne Licht? Selbst in solchen Lebenslagen ist Gott bei uns.

Nummer 2 stammt aus dem neuen Testament, es ist der letzte Vers des Matthäus-Evangeliums. Dort verspricht Jesus: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage“. So unsicher vieles sein mag, dieses Versprechen ist eine sichere Konstante für unser Leben.

Das ist doch ein wirklich guter Ausblick für dieses Jahr! Dietrich Bonhoeffer fasste diese Glaubensgewissheit sogar angesichts eines neuen Jahres, das ihm wahrscheinlich den Tod bringen würde, so zusammen: „Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist bei uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag.“

Das gilt heute und morgen und auch noch am 31. Dezember 2021, wenn dieses Jahr zuende gehen wird. So viel kann ich sicher sagen, auch wenn alles andere noch im Nebel liegt.

Tagesimpuls Matthäus, 7. Januar 2021

Durchblick

Gestern ging es – der Tag legte es nahe – um die sogenannten Heiligen drei Könige. Sie hatten, als sie nach langer Reise in Israel ankamen, eine erste Begegnung der besonderen Art: die mit König Herodes. Der versuchte, ihnen Sand in die Augen zu streuen und sie für seine fiesen Pläne hinterrücks einzuspannen. Mit keinem Wort erwähnt Matthäus, dass die Weisen aus dem fernen Osten diesen machthungrigen Potentaten durchschaut hätten.

Und trotzdem ließen sie sich nicht vor seinen todbringenden Karren spannen. Warum nicht? Nicht etwa, weil sie im Nachhinein misstrauisch geworden wären. Sondern weil Gott ihnen Durchblick gegeben hatte. Matthäus berichtet (Matth. 2,12): „Gott befahl ihnen im Traum: Geht nicht wieder zu Herodes! – Deshalb kehrten sie auf einem anderen Weg in ihr Land zurück.“

Sie sind übrigens nicht die einzigen, die in diesem Zusammenhang durch Träume Durchblick von Gott geschenkt bekommen. Gleich danach geht der Bericht von Matthäus mit einem Traum Josefs weiter. Ihm wird dringend ans Herz gelegt, mit Jesus und Maria nach Ägypten zu fliehen, weil Herodes das Kind töten wolle. Das war nicht das erste Mal, dass Josef ein Engel im Traum erschien. Als Maria schwanger wurde, hatte er das schon einmal erlebt. Es war Gott wichtig, dass Josef gewissermaßen aus erster Hand wusste, dass dieses Kind nicht von einem Nebenbuhler stammte, sondern von Gott selbst. Seit diesem Traum hielt Josef in großer Treue an Maria fest und zog Jesus wie sein eigenes Kind auf.

Ich muss gestehen: ich kann mich persönlich nicht daran erinnern, dass Gott durch einen Traum schon einmal so deutlich zu mir gesprochen hätte wie zu Josef und den Weisen. Aber ich habe eine andere Erfahrung gemacht. Die Erfahrung nämlich, dass Gott durch die Bibel, während des Betens, im Gespräch mit anderen Christen, durch besondere Ereignisse in meinem Leben … und wahrscheinlich auf noch mehr Arten deutlich in mein Leben hineingesprochen hat. Und hier oder da hat er mir auf diese Weise auch den nötigen Durchblick gegeben.

Am Ende meiner Schulzeit wusste ich nicht, ob ich Journalist, Kriminalbeamter oder Pastor werden sollte. Alle drei Berufe reizten mich irgendwie. Ich hatte aber nicht den geringsten Durchblick, welchen ich wählen sollte. Ob ich Gott ganz konkret in dieser Zeit gebeten hatte, mir Durchblick zu verschaffen, kann ich heute nicht mehr sagen. Eins weiß ich aber noch genau: innerhalb von ein oder zwei Wochen sprachen mich drei Menschen aus ganz unterschiedlichen Lebensbereichen scheinbar aus heiterem Himmel an und fragten mich, ob ich mir nicht schon einmal überlegt hätte, Pfarrer zu werden. Da merkte ich ganz hautnah: Gott spricht in mein Leben hinein, schenkt Durchblick, ob seine Boten das nun in himmlischer oder sehr irdischer Gestalt tun, ist dabei völlig egal.

Und dann ist eigentlich nur eins wichtig, was auch Josef und die Weisen beherzigt haben: tun, was Gott uns klar gemacht hat. Weil es das Beste für uns und andere ist. Gott schenke Ihnen und mir diesen Durchblick auch 2021 immer wieder.

Tagesimpuls Matthäus, 6. Januar 2021

Sternstunden

Heute ist Epiphanias, das Licht-Fest, bzw. der Tag der heiligen drei Könige. Der Tag, an dem – normalerweise – die Sternsinger von Tür zu Tür gehen. Nur in diesem Jahr eben nicht. Vor gut zwei Jahrtausenden wurden Sterne nicht besungen, sondern beobachtet. Ganz besonders im Orient. Babylonier konnten schon sehr früh sehr genau astronomische Gesetzmäßigkeiten berechnen. Aus dieser Gegend kamen die Weisen, von denen Matthäus in seinem Bericht über die Geburt von Jesus erzählt. Weit in die Tiefen des Alls sahen sie, beobachteten den Lauf der Gestirne, achteten auf besondere Sternkonstellationen. Und eines Tages sahen sie am Himmel ein Zeichen. Bis heute streiten sich die Gelehrten, welche Sternenkonjunktion sie genau beobachtet hatten. Fest steht aber: sie muss für diese Sterndeuter so eindeutig gewesen sein, dass sie eine beschwerliche Reise Richtung Westen in Kauf nahmen, um sich zu vergewissern.

Ganz sicher waren sie nicht die einzigen, die jenes Sternzeichen entdeckt hatten. Aber sie waren offenbar die einzigen, die sich auf den Weg machten. Wenn es stimmte, dass die Sterne auf einen neugeborenen König hingewiesen hatten, der Anbetung verdiente, dann wollten sie diesen König finden und vor ihm ihre Knie beugen. So begründeten sie ihre Reise nach Jerusalem König Herodes gegenüber (Matth. 2,2).

Auch heute noch machen sich die Wenigsten auf den Weg, um sich mit eigenen Augen davon zu überzeugen, wer Jesus ist. Das ist nicht nur deswegen schade, weil Christsein so nie aus der Theorie-Falle herauskommt und zu keinerlei Gewissheit führt. Es auch deswegen bedauerlich, weil man die große Freude nicht erlebt, die man mit Jesus ganz offensichtlich geschenkt bekommt. Matthäus berichtet das so (Matth. 2,9-11): „Als die Sterndeuter den Stern über dem Haus stehen bleiben sahen, in dem das Kind war, kannte ihre Freude keine Grenzen. Sie betraten das Haus, wo sie das Kind mit seiner Mutter Maria fanden, fielen vor ihm nieder und ehrten es wie einen König.“

Wer sucht, der findet! Wer Jesus sucht, findet den Dreh- und Angelpunkt des Universums – und seines eigenen Herzens. Der Moment, wo wir uns von Jesus selbst überzeugen, oder besser: überzeugen lassen, ist die Sternstunde unseres Lebens! So wie schon damals in Bethlehem.

Heute gibt’s (zumindest hier auf der Homepage) noch einen kleinen Nachschlag:

Tagesimpuls Matthäus, 5. Januar 2021

Gute Nachsätze

Gestern ging es um gute Vorsätze. Es gibt auch in einem etwas anderen Sinn gute Vorsätze – und schlechte Nachsätze. Eines der bekanntesten Beispiele: „Herr Müller, ich kann mir wirklich kaum vorstellen, wie meine Firma ohne Sie auskommen soll, aber ab Februar wollen wir es trotzdem versuchen.“
Oder die gerade im Trend liegenden „Ich habe einen Witz über“-Flachwitze. Hier ein paar von diesen zweifelhaften Vorbildern für gute Vor- und schlechte Nachsätze: „Ich habe einen Witz über den Ozean, aber der ist zu dreckig.“ Oder: „Ich habe eine Witz über Avocados, aber der ist zu weit hergeholt.“ Und schließlich einer der flachsten überhaupt: „Ich habe eine Witz über’s Fahrrad, aber den fahrrad ich nicht.“
Auch in der Bibel gibt es positive und eher kritische Nachsätze. Sie sind in der Regel nicht witzig, sondern ganz ernst gemeint. Das Buch der Sprüche Salomos ist voll davon. In Kapitel 20, Vers 17 liest man beispielsweise: „Das gestohlene Brot schmeckt dem Manne gut; aber am Ende hat er den Mund voller Kieselsteine.“
Einer der schönsten Nachsätze findet sich auch im Alten Testament, beim Propheten Jesaja (Kapitel 54, Vers 10): „Berge mögen einstürzen und Hügel wanken, aber meine Liebe zu dir wird nie erschüttert, und mein Friedensbund mit dir wird niemals wanken. Das verspreche ich, der Herr, der sich über dich erbarmt!“
Was für ein Vor-Satz: Einstürzende Berge, wankende Hügel. Bilder krasser Instabilität und Verunsicherung. 2020 haben wir erlebt, wie reihenweise Pläne in sich zusammenbrachen und manches ins Wanken geriet, das immer so sicher schien. Mögliche Impferfolge hin oder her: auch ohne Corona können Träume zerplatzen, Wünsche unerfüllt bleiben, Planungen durchkreuzt werden. Mit dieser Möglichkeit müssen wir rechnen, wenn wir realistisch sind. Aber dann kommt der Nachsatz wie Balsam auf eine wunde Seele. Gott sagt uns zu: egal was kommt und dir vielleicht den Boden unter den Füßen wegreißen möchte, ich werde mit meiner Liebe das Fundament bleiben, das dich trägt und hält. Ich bleibe unerschütterlich an und auf deiner Seite!
Daran mag man hier oder da schon mal zweifeln, wenn tatsächlich gerade alles Mögliche in unserem Leben in Schieflage rutscht. Und als ob Gott das genau wüsste, setzt er noch ein Versprechen als zweiten Nachsatz oben drauf: „Das verspreche ich, der Herr, der sich über dich erbarmt!“ Wenn Gott ein ausdrückliches Versprechen gibt, dann bedeutet das ja nichts anderes, als dass er sich daran messen lassen will. Nun ist Liebe ja schlecht messbar. Aber sie zeigt sich im Verhalten dem anderen gegenüber. Dass Gott uns unbändig liebt, hat er ja längst unter Beweis gestellt: in seinem Sohn Jesus Christus am Kreuz. Deshalb glaube ich Gott auch diesen wunderbaren doppelten Nachsatz aus dem Alten Testament und will ihn als Klammer um dieses ganze Jahr setzen, egal welche Turbulenzen es mit sich bringen wird: „Berge mögen einstürzen und Hügel wanken, aber meine Liebe zu dir wird nie erschüttert, und mein Friedensbund mit dir wird niemals wanken. Das verspreche ich, der Herr, der sich über dich erbarmt!“

Tagesimpuls Matthäus, 4. Januar 2021

Gute Vorsätze

Vor ein paar Jahren fiel mir eine Spruch-Karte in die Hände, die ich ebenso humorvoll wie zutreffend fand. Darauf war zu lesen: „Lieber Gott, bis jetzt lief‘s heute echt gut! Ich habe noch nicht getratscht und auch noch nicht meine Beherrschung verloren. Ich war noch nicht gehässig, fies, egoistisch oder zügellos. Ich habe noch nicht gejammert, geklagt, geflucht und bis jetzt noch kein Stück Schokolade gegessen. Geld habe ich auch noch nicht sinnlos ausgegeben. – Aber in ungefähr einer Minute werde ich aus dem Bett aufstehen – und dann brauche ich wirklich Deine Hilfe … !“
So ähnlich geht es mir mit dem neuen Jahr. Es hat ja gerade erst angefangen, gewissermaßen sind wir also noch gar nicht richtig aufgestanden und voll wach. Am 4. Januar ist es wahrscheinlich noch einigermaßen leicht, die guten Vorsätze zu befolgen, die man sich – wieder einmal – vorgenommen hat. Aber die Herausforderungen kommen ja erst, wo sich diese Vorsätze bewähren müssen.
Es mag Menschen geben, die sicherheitshalber ganz ohne gute Vorsätze ins neue Jahr gestartet sind. Dann kann man nicht so schnell enttäuscht werden, von sich selbst zumindest. Aber das wäre eigentlich ein wenig so, als wenn man morgens (sicherheitshalber) erst gar nicht aufstehen würde, um bloß nichts falsch zu machen. Außerdem: wer möchte ernsthaft genauso bleiben wie er ist? Wir wissen doch alle ganz genau, wo wir an uns arbeiten sollten, uns selbst und anderen zuliebe. Es wäre keine weise Entscheidung, die Bemühung darum schon gleich am Anfang des Jahres aufzugeben. Gute Vorsätze sind also gar nicht so übel, egal ob am Anfang des Jahres oder mittendrin.
Das Vertrackte dabei ist nur, dass wir in der Regel an ihnen scheitern. Das liegt nicht nur daran, dass wir unsere Ziele – möglicherweise in der Euphorie des Jahreswechsels – zu hoch stecken. Es liegt vor allem daran, dass wir unsere guten Vorsätze meist in einem Bereich fassen, in dem Veränderungen besonders schwer fallen: im Bereich unserer Persönlichkeitsstruktur. Da wollen wir endlich (also diesmal wirklich!) 20 Kilo abnehmen – und scheitern nicht an passenden Diätplänen, sondern schlicht an mangelnder Disziplin. Da möchten wir uns endlich (also diesmal wirklich!) mehr Zeit für die Familie nehmen – und scheitern daran, dass wir ganz grundsätzlich ein Problem damit haben, die richtigen Prioritäten zu setzen. Und natürlich wollen wir endlich den Schreibtisch in diesem Jahr frei von wachsenden Papierstapeln halten, aber auch das scheitert an unserem eher chaotischen Sinn für Ordnung. Noch schlimmer ist es, wenn es wirklich ans „Eingemachte“ geht: unseren Umgang mit unseren Gefühlen zum Beispiel.
Wer sich gerne ändern möchte, muss vor allem erst einmal zwei Dinge tun: Erstens sich die neue Jahreslosung zu Herzen nehmen: „Seid barmherzig wie auch euer Vater barmherzig ist“ sagt Jesus, nachzulesen in Lukas 6,36. Und barmherzig dürfen und sollen wir – gerade im Bereich der guten Vorsätze – auch mit uns selbst sein! Das Zweite, das wichtig ist: Wir brauchen, wenn es um Persönlichkeitsveränderung geht, einen guten Trainer, der uns Schritt für Schritt in die richtige Richtung begleitet, uns ermutigt oder auch mal den Finger in die Wunde legt. Um es mit dem Gebet vom Anfang kurz auf den Punkt zu bringen: „Lieber Gott – und dann brauche ich wirklich deine Hilfe!“

Tagesimpuls Matthäus, 2. Januar 2021

Gute Ansätze

„Na, wie macht sich der Neue in der Abteilung?“ fragt die Abteilungsleiterin dessen bewährten Arbeitskollegen. „Ganz gut“, erwidert dieser, „auf jeden Fall zeigt er gute Ansätze.“
Wie wird die Vorgesetzte diesen Satz wohl interpretieren? Vielleicht dahingehend, dass da noch viel Luft nach oben ist. Aber möglicherweise hört sie auch heraus, dass es zwar Entwicklungspotential gibt, die Entwicklungsrichtung aber durchaus positiv ist.
Jedes Kalenderblatt dieses neuen Jahres ist ganz ähnlich. Es bietet gute Ansätze. Jeder Tag, sobald er begonnen hat, bietet uns jede Menge Entwicklungspotential. In welche Richtung sich dieser Tag aber entwickeln wird, liegt sehr an unserer Grundeinstellung dazu.
Es gibt Menschen, die schon morgens nicht viel Gutes vom Tag erwarten. Oder von Gott. Im biblischen Monatsspruch für Januar heißt es (Psalm 4,7): „Viele sagen: Wer wird uns Gutes sehen lassen?“ Sicher kann Gott solche Menschen trotzdem mit Gutem überraschen. Aber die Wahrscheinlichkeit, dieses Gute überhaupt zu entdecken, wird umso kleiner, je weniger wir damit rechnen. Wer in seinen Arbeitsalltag startet und dort wieder nur den gleichen Trott erwartet, über Routine kaum hinausdenkt, Arbeitskollegen eher als lästige Übel sieht oder jede Nachfrage von „denen da oben“ als Infragestellung interpretiert, der wird in den acht Stunden Arbeitszeit kaum Gutes finden. Manche gehen nicht nur an ihren Arbeitsalltag, sondern an ihr ganzes Leben mit dieser Grundeinstellung heran. Das Entwicklungspotential ihrer Tage verpufft dann leider im Negativbereich. „Wer wird uns Gutes sehen lassen?“
Glücklicherweise geht der Monatsspruch Januar aber weiter: „Herr, lass leuchten über uns das Licht deines Antlitzes“. Eine Formulierung, die wir ähnlich aus dem sogenannten Aaronitischen Segen kennen, der oft am Ende eines Gottesdienstes gesprochen wird. Wer mit dieser Bitte in den Tag hinein geht, erwartet Positives von Gott. Um im Bild des Psalmverses selbst zu bleiben: der erhofft von diesem Tag, dass Gott ihn mit seiner wachsamen Fürsorge für uns zum Strahlen bringt. Die Möglichkeiten eines neuen Tages werden dadurch nicht größer. Ich bin mit dieser Einstellung aber bereit dafür, das Gute, das Gott an diesem Tag für mich vorbereitet hat, auch wirklich zu entdecken und zu nutzen.
Daher eine ganz praktische Anregung: Starten Sie doch einfach mit dem zweiten Teil des Monatsspruches in jeden neuen Tag: „Herr, lass heute über mir das Licht deines Antlitzes leuchten!“ Und dann fragen Sie sich abends ganz ähnlich wie im ersten Teil des Bibelverses: „Wo hat Gott mich heute Gutes sehen lassen?“ Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es ein bisschen Disziplin verlangt, das zu praktizieren. Ich weiß aber ebenso aus eigener Erfahrung, wie unterschiedlich ich einen Tag erlebe, je nachdem ob ich das tue oder nicht.
Und je nachdem, wann Sie diesen Tagesimpuls hören oder lesen: ich wünsche Ihnen, dass Sie die guten Ansätze dieses Tages noch entdecken oder aber dankbar schon darauf zurückblicken können. Gott segne Sie dabei!

Tagesimpuls Matthäus, 1. Januar 2021

Ein unbeschriebenes Blatt

Herzlich willkommen im neuen Jahr! Neujahr! Das ist ja irgendwie der coolste Tag des Jahres. Fast so etwas wie ein „Neuanfangstag“. Der Vergleich ist ein wenig abgegriffen, ich greife ihn trotzdem auf: das neue Jahr, das vor uns liegt, ist wie ein unbeschriebenes Blatt in einer Kladde, deren endgültige Seitenzahl niemand von uns kennt. Gestern Abend durfte ich umblättern – und nun liegt also ein neues Blatt bereit, blanko, bis jetzt. Was am Ende von 2021 wohl alles darauf zu lesen sein wird? Keine Ahnung.
Fest steht allerdings: ich werde nicht der einzige sein, der dieses Blatt nach und nach, Tag um Tag beschriften wird. Andere schreiben mit, teilweise ohne dass ich sie dazu eingeladen hätte: meine Familie, meine Freunde, Arbeitskollegen, Menschen aus der Gemeinde, Nachbarn, vielleicht Ärzte, auf jeden Fall irgendwie Politiker und Medienleute. Manche Einträge werde ich so gut finden, dass ich sie mir gerne wieder ansehe, andere würde ich wahrscheinlich am liebsten wie mit der „Entfernen“-Taste des PC löschen. Das geht aber auf diesem Blatt nicht. Was dort geschrieben wurde, bleibt!
Also muss ich gut überlegen, was ich mit diesem leeren Blatt anfangen soll, Tag für Tag. An sehr vielen Stellen kann ich es ja selbst ganz aktiv gestalten, und ich hoffe und bete, dass ich das weise und liebevoll tue. Aber was ist mit den anderen, die dieses Jahresblatt mitbeschreiben werden? Natürlich kann ich versuchen, den ein oder anderen von ihnen fernzuhalten, dem ich nicht über den Weg traue. Aber das habe ich nur sehr bedingt in der Hand. Außerdem gestaltet schon dieses Misstrauen mein Blatt mit.
Etwas anderes kann ich aber sehr wohl tun: bewusst diejenigen zum Mitgestalten meines Jahres einladen, die es gut mit mir meinen, die ihr Bestes für mich geben, deren Liebe wunderbare Farben und Worte auf meinem Jahresblatt hinterlassen, deren ehrliche Kritik mich vor manchem Fehler bewahrt und deren Rat mir zu guten Entscheidungen hilft. Ich wäre töricht, wenn ich sie von der Gestaltung ausschließen würde!
Und deshalb wäre ich dumm, wenn ich Gott nicht möglichst viel Gestaltungsraum in meinem Blanko-Jahr geben würde, auf den all das zutrifft, was ich gerade gesagt hatte. Ich weiß, mit den guten Vorsätzen ist das so eine Sache (von Ansätzen, Vorsätzen und Nachsätzen reden wir in den nächsten Tagen noch ein wenig mehr). Aber einen Vorsatz habe ich deshalb eben doch: dass Gott mehr Raum in meinem Leben bekommen soll als im letzten Jahr. Weil das entscheidend dafür sein wird, ob ich am Ende von 2021 eher dankbar und erfüllt oder zerknirscht und enttäuscht auf das Jahr zurückblicken werde.
Tag für Tag will ich diese Entscheidung neu treffen, dass Jesus mein Jahresbegleiter und -gestalter ist. Ich wünsche uns ein gesegnetes neues Jahr, weil jeden Tag gilt, was der Spruch des Tages aus Hebräer 13,8 zusagt: „Jesus Christus, gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit“.

Tagesimpuls Matthäus, 30. Dezember 2020

Bilanzfälschung

Das Jahresende ist auch die Zeit der Jahresrückblicke, öffentlich und privat. Was hat das Jahr gebracht? Was bleibt „unterm Strich“? Es ist die Frage nach der Jahresbilanz. In den entsprechenden Fernsehsendungen wird ganz sicher auch ein Finanz- und Bilanz-Skandal eine Rolle spielen: Mitte des Jahres platzten die jahrelang scheinbar unbemerkten Machenschaften der Firma Wirecard wie eine Seifenblase. Ein Netz aus Bilanzfälschungen und Marktmanipulationen wurde offengelegt, mit denen man den tatsächlichen Marktwert erfolgreich verschleiert hatte. Nun ist man überall zutiefst empört über dieses ebenso absurde wie kriminelle Geschäftsgebaren.
Dabei machen wir alle es doch ganz ähnlich. Ich will das ganz persönlich an der Währung verdeutlichen, die im zwischenmenschlichen Bereich vor allem zählt – und die vor allem bei Gott „unterm Strich“ zählt: Liebe. Wenn ich Bilanz für das Jahr 2020 ziehe, dann sehe ich am Ende auf 366 Tage voller Möglichkeiten, die Gott mir zur Verfügung gestellt hat. Zu diesen Möglichkeiten gehören 8.784 Stunden Zeit, und in dieser Zeit hunderte von Begegnungen; lauter Gelegenheiten, Menschen in Wort oder Tat Gutes zu tun, Anteil an ihrem Leben zu nehmen, ihnen wirklich zuzuhören, mein Ego weniger wichtig zu nehmen als das ihre, nicht nur etwas, sondern mein Bestes für sie zu geben und nicht zuletzt auch vor Gott im Gebet für sie einzutreten. Wenn ich also unter diesem Vorzeichen Bilanz für dieses Jahr ziehe, werde ich sehr kleinlaut. Denn ich merke ja, wieviel Liebe ich Menschen in den zurückliegenden zwölf Monaten schuldig geblieben bin, angefangen bei meiner eigenen Familie. Die Liebes-Bilanz fällt also negativ aus.
Aber das ganze Jahr über habe ich es gemacht wie die Verantwortlichen von Wirecard: ich sagte „Ich habe keine Zeit“, wo ich mir einfach nur nicht Zeit genommen habe; ich verschleierte egoistische Motive und Bequemlichkeit als Sachzwänge oder Prioritätensetzung; ich tarnte Lieblosigkeit als angebliche Konsequenz. Kurz und gut: im Hinblick auf das Kapital, das bei Gott vor allem zählt, betätige ich mich nur zu gerne als Bilanzfälscher.
Möglicherweise geht es Ihnen völlig anders als mir. Dann ist dieser Tagesimpuls nichts für Sie. Vielleicht leiden Sie aber auch unter Ihrer negativen Liebes-Bilanz dieses Jahres (wieder einmal!). Ich kann Ihnen leider wenig Mut machen, dass das am Ende von 2021 deutlich besser aussehen wird. Ich kann Ihnen und mir aber zwei Wahrheiten als Trost vor Augen halten: zum einen darf ich diese ganze Negativbilanz aus 2020 ans Kreuz tragen, wo Jesus mein Leben durch seinen Tod aus der Schuldenfalle rettet; zum anderen ist da noch diese ganz andere Liebesbilanz, die immer positiv in meinem Leben ausfällt: egal wie rot die Zahlen in meinem Leben sind, sie ändern nichts daran, dass Gott mich trotzdem liebt. Diese Liebe macht es mir möglich, meine persönliche Bilanz für dieses Jahr nicht zu fälschen, sondern mich ihr zu stellen, auch wenn das nicht besonders angenehm sein mag. Die letzten beiden Tage dieses Jahres will ich dafür besonders nutzen.

Ein Hinweis für morgen und übermorgen: Silvester bieten wir statt des Tagesimpulses ab 17 Uhr einen Online-Gottesdienst an. Der Tagesimpuls für Neujahr wird aus technischen Gründen erst ab dem Nachmittag des 1. Januar zur Verfügung stehen.

Tagesimpuls Matthäus, 29. Dezember 2020

Jesus bringt in Bewegung

Es ist gut, in Diskussionen einen klaren Standpunkt zu vertreten. Polit-Talks oder Sportler-Interviews leiden ja darunter, dass man sich mittlerweile nach allen Seiten absichert und entsprechend profillos und langweilig mit vielen Worten wenig sagt. Standpunkte haben aber einen Nachteil, der sich schon im Wort selbst ausdrückt: sie sind unbeweglich und wenig lebhaft. In Glaubensfragen ist das besonders problematisch. Wo Christen auf Standpunkten beharren, wird Glaube ganz schnell dogmatisch. Da geht es nicht mehr um das Ringen um Wahrheiten, sondern um das Fürwahrhalten von Richtigkeiten. Und vor allem: es geht nicht mehr um die Person Jesus Christus, sondern um Sachfragen.
Wenn man die Bibel liest, stellt man dagegen fest: immer schon ging es beim Glauben gerade darum, gewohnte und liebgewordene Standpunkte zu verlassen und sich auf den Weg zu machen. Manchmal (wie bei Abraham zum Beispiel) sogar auf den Weg in eine unbekannte Zukunft. Als Jesus geboren wurde, war das nicht anders. Die Weihnachtsberichte nach dem Matthäus- und Lukas-Evangelium sind voller Bewegung: Maria und Josef machen sich auf den Weg von Nazareth nach Bethlehem und später sogar nach Ägypten; die Hirten bewegen sich von ihrer Herde weg zu Jesus hin; der Himmel ist voller Bewegung, indem Gott immer wieder seine Engel mobilisiert; ein paar Sterndeuter weit aus dem Osten bewegen sich gen Westen, um den neugeborenen König zu finden; Herodes setzt alles Mögliche in Bewegung, um sich diesen König vom Hals zu schaffen … man könnte die Liste noch fortsetzen.
Gott bringt durch Jesus Himmel und Erde in Bewegung. Stillstand, unverrückbare Standpunkte sind gerade kein Kennzeichen eines lebendigen Glaubens. Wer nach fünfzig Jahren Christsein mit stolzgeschwellter Brust behauptet, an seinem Glauben habe sich nichts geändert, wird wahrscheinlich an „Pistosklerose“, an Glaubensverkalkung leiden (diesen Ausdruck gibt es natürlich eigentlich nicht, die Diagnose an sich leider schon). Noch ungesünder ist es allerdings, sich von Jesus erst gar nicht bewegen zu lassen. Erschreckend viele Menschen ziehen sich auf feste und oft auch bequeme Standpunkte zurück, wenn sie sich von Jesus herausgefordert fühlen. Vielleicht aus Angst, wohin Jesus sie bewegen könnte, wenn sie das zuließen. Also bleibt man lieber bei dem, was man kennt und liebt. Die Folge ist dann so etwas wie „Biosklerose“, Lebensverkalkung: ein Leben, das immer unbeweglicher, lebloser wird.
Mit Jesus aber kommt Bewegung in Himmel und Erde, in unser Leben und unser Herz. Sogar bis ins hohe Alter hinein. Nicht einmal der Tod kann diese Bewegung stoppen. Denn wer sich von Jesus bewegen lässt, bewegt sich immer Richtung Leben und kommt dem Himmel täglich näher. Auch heute.

Tagesimpuls Matthäus, 28. Dezember 2020

Freude auf Befehl

Die Weihnachtstage sind vorbei. Diesmal waren es sogar drei. Für manche waren es auch drei Tage verordneter Freude. Natürlich war die Weihnachtsfreude coronabedingt in diesem Jahr besonders strapaziert. Aber ganz Pandemie-unabhängig ist diese institutionalisierte Festtagsfreude für etliche Menschen immer schon ein Problem gewesen: da trifft man sich mit der Familie, Verwandten und Freunden (sonst jedenfalls) und darf ja gar nichts anderes, als sich zu freuen. Das wird Weihnachten einfach erwartet. Dementsprechend gequält, abgerungen oder aufgesetzt fällt diese Freude dann auch manchmal aus. Was soll man denn auch machen? Da sucht jemand zum Beispiel wirklich liebevoll ein Geschenk aus, leider haarscharf an unseren Bedürfnissen oder unserem Geschmack vorbei, also sind wir schon aus Dankbarkeit zur Freude darüber verpflichtet.
Aber: Freude auf Befehl geht einfach nicht! Denn Freude gehört zu unseren spontanen, unplanbaren seelischen Reaktionen. Insofern ist der Liedtext des anfangs gehörten Weihnachtsliedes fast eine Zumutung: „Freu dich, Erd und Sternenzelt!“
Also habe ich mich gefragt: wodurch wird große Freude eigentlich spontan entfacht? Dieses Kribbeln im Bauch wie bei der Fahrt auf der großen Schiffsschaukel im Freizeitpark. Vor allem durch eins: Liebe! Eine tiefe, ehrliche Liebeserklärung stimuliert direkt unser Freude-Zentrum. Oder Dankbarkeit. Zum Beispiel für ein wirklich einmaliges Geschenk, das mir jemand macht und das genau in meine Bedürfnis-Lücke trifft. Ganz wesentlich auch: Vergebung. Da können sogar Tränen vor lauter Freude und Erleichterung fließen. Ich habe das schon erlebt und Sie vielleicht auch. Und nicht zuletzt: schlichte pure Lebensfreude wie wir sie an einem Tag erleben, wo wir einfach mit Gott, der Welt und uns selbst im Reinen sind.
Weihnachten enthält all das! Gott möchte, dass wir das Verhältnis zu uns selbst, unserer Lebenswelt und ihm als harmonisch erleben können. Dazu hatte er im Paradies alles vorbereitet. Und dann kam der Riss dieser Harmonie: Misstrauen, Schuld, Verlust des Gartens Eden. Aber Gott hat seinen Plan für uns nie aufgegeben. Weil er uns liebt. Aus Liebe macht er uns dieses einmalige Geschenk: ein Kind kommt zur Welt, in ihm kommt Gott uns nah. Und später wird dieser Jesus am Kreuz dafür sorgen, dass Vergebung nicht nur ein Wort bleibt, sondern den Riss zwischen Gott und uns heilt. Mehr als genug Initialzündungen für echte, ungeheuchelte Weihnachtsfreude also. Sogar nach den drei Weihnachtstagen. Dafür braucht man eigentlich auch gar keine besondere Aufforderung!

[Herzlichen Dank für das Lied „Freu dich, Erd und Sternenzelt“, eingesungen vom Projektchor der Familie Rüger, der eigentlich am Heiligabend unseren Live-Gottesdienst mitgestaltet hätte!]

Tagesimpuls Matthäus, 26. Dezember 2020

Da kann man sich nur wundern!

Sie waren nicht dabei gewesen. Weder draußen auf dem Feld, noch drinnen im Stall. Anders als die Hirten. Aber sie hatten es von den Hirten gehört: wie Gott ihnen Engel in ihre Dunkelheit geschickt hatte; was die Engel gesagt und gesungen hatten, und dass dann in Bethlehem in einem Stall alles tatsächlich genauso gewesen war, kurz und gut: dass sie, die Hirten, den langersehnten Messias in einem kleinen Kind gefunden hatten. Die Leute rund um Bethlehem sahen das Leuchten in den Augen, als die Hirten davon erzählten. Aber, wie gesagt: sie selbst waren nicht dabei gewesen. So wie wir!
Wie hätten wir wohl auf das reagiert, was die Hirten erzählt haben? Wahrscheinlich ähnlich wie heute noch die Menschen reagieren, wenn sie hören, dass Gott Mensch geworden ist. Im Weihnachtsbericht wird diese Reaktion so wiedergegeben: „Und alle, vor die es kam, wunderten sich über das, was ihnen die Hirten gesagt hatten“ (Lukas 2,18). – Das Wort, das an dieser Stelle im griechischen Text des Neuen Testamentes steht, ist genauso doppeldeutig wie die deutsche Übersetzung: „sie wunderten sich“.
Wenn ich mich über jemanden oder etwas wundere, dann ist damit entweder anerkennendes Staunen gemeint oder aber ungläubiges Kopfschütteln. Eines ist solch ein „Sich-Wundern“ aber nie: eine völlig neutrale Haltung.
Im Laufe des Lebens von Jesus setzt sich das fort, was schon in Bethlehem begann: Menschen waren begeistert von Jesus – oder lehnten ihn ebenso heftig ab. Sogar noch unter dem Kreuz schüttelten die meisten römischen Soldaten spöttisch den Kopf über Jesus. Bis auf einen Hauptmann. Der staunte nur: „Wahrlich, dieser Mensch ist Gottes Sohn gewesen!“ (Markus 15,39). Genau darum geht es ja auch in dieser unglaublichen Weihnachtsbotschaft: das Kind in der Krippe ist Gottes Sohn, Gottes Liebesbeweis für uns Menschen. Da kann man sich nur wundern – bis heute!