Mittwochs-Impulse

Mittwochs-Impuls Matthäus, 03.06.2020

… und Gott gibt uns Gold zurück!

Heute vor 115 Jahren starb Hudson Taylor. 73 Jahre wurde er alt und war so etwas wie der Apostel der Chinesen. Sein Grab befindet sich in China, in der Provinz Hunan. Schon als junger Mann war er zutiefst davon überzeugt, dass Gott für ihn in China eine besondere Aufgabe hatte. Allerdings war seine körperliche Konstitution nicht unbedingt die beste Voraussetzung für die anstrengende Arbeit als Missionar. Was ihm an Fitness fehlte, machte Hudson Taylor aber durch Hartnäckigkeit wett. Und so reiste er 1853 im Alter von 21 Jahren von England aus tatsächlich zum ersten Mal nach China, um dort diejenigen im Landesinneren zu erreichen, die noch nie etwas von Jesus Christus gehört hatten.

Auf diese Aufgabe hatte sich Hudson Taylor durch ein Medizinstudium vorbereitet. Viel Geld hatte er nicht, und so lebte er als Student von der Hand in den Mund. Eines Abends klopft es an der Tür seiner Studentenbude. Ein Mann steht vor ihm, verzweifelt und flehend. Taylor möge doch zu ihm nach Hause kommen und nach seiner Frau sehen. Es gehe ihr sehr, sehr schlecht, und er könne sich keinen katholischen Pfarrer oder einen Arzt leisten, die ihr seelisch oder medizinisch beistehen würden. Hudson Taylor geht mit. In der Tasche sein letztes Silbergeldstück, mit dem er das Essen für die nächsten Tage kaufen will. Seine Vorräte zuhause würden gerade noch für das Frühstück am nächsten Morgen reichen.

Der Frau geht es wirklich übel. Neben ihr liegt ein neugeborenes Baby. Außerdem sind im Raum noch mehrere andere Kinder, die Taylor hungrig entgegenblicken. Was soll er tun oder sagen? Einfach nur beten scheint ihm verlogen, denn diese Familie braucht auch handfeste Hilfe. Das Silberstück in seiner Hosentasche brennt förmlich. Schließlich gibt er es nach innerem Kampf der Familie. Irgendwie ist das wie eine Befreiung, so dass er voller Vertrauen für die Frau und ihre Familie auch beten kann.

Am nächsten Tag sitzt er am Frühstückstisch über seiner letzten Portion Porridge. Da kommt seine Vermieterin herein und überreicht ihm ein Päckchen. Zum Vorschein kommt ein teures Paar Lederhandschuhe und ein Goldstück. Poststempel und Absender sind nicht mehr zu entziffern, eine Karte liegt nicht bei. Hudson Taylor wird diese Begebenheit nie vergessen. Sie prägt sein ganzes Leben als Missionar und Christ, denn er erkennt: Gott lässt sich nicht lumpen. Wir leihen ihm Silber, und Gott gibt uns Gold zurück. In vielen prekären Situationen beeindruckt Hudson Taylor später seine Mitmenschen mit seinem großen Vertrauen auf die Fürsorge Gottes.

Der neutestamentliche Vers, der heute in den Herrnhuter Losungen steht, könnte geradezu das Lebensmotto von Hudson Taylor gewesen sein. Jesus sagt in Matthäus 7, Vers 7: „Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan.“ Um das zu erleben, muss man kein Glaubensheld wie Hudson Taylor sein. Denn der selbst hat einmal gesagt: „Wir brauchen keinen großen Glauben, nur einen Glauben an einen großen Herrn.“

 

Mittwochs-Impuls Matthäus, 27.05.2020

In der Länge liegt die Last

Ich ertappe mich schon seit längerem dabei, etwas zu tun, was ich eigentlich immer vermeiden wollte: ich wiederhole mich. Erzähle einen Schwank aus meinem Leben – und merke erst spät, dass meine Zuhörer aus reiner Höflichkeit Interesse zeigen. Denn sie erinnern sich noch gut daran, dass ich ihn schon längst einmal zum Besten gegeben hatte. Oder diese kleinen weisen Sätze, die man den eigenen Kindern zum soundsovielten Mal sagt, als ob es sich um eine gänzlich neue Erkenntnis handeln würde. Glücklicherweise bekommt man von ihnen wenigstens eine entsprechend ernüchternde Rückmeldung.

Ich war der letzte Vikar, den der Pfarrer betreute, bei dem ich mein Vikariat machte. Und auch von ihm hörte ich immer wieder einen Satz, der mich im Laufe der Zeit zunehmend innerlich gereizt machte: „In der Länge liegt die Last.“ – Mittlerweile weiß ich diesen Satz natürlich zu schätzen, weil er ja einfach wahr ist. Anfangen ist leicht, Durchhalten ungleich schwerer. Das gilt nicht nur in der Leichtathletik bei Langstreckenläufern. Unser ganzes Leben ist schließlich ein Lebens-Lauf. Ein Bild übrigens, das mehrfach vom Apostel Paulus benutzt wird.

An einer Stelle hat er einen besonderen Aspekt des Lebens dabei vor Augen. Im Philipperbrief tröstet er Christen, die Angst haben, in ihrem Christsein nicht durchzuhalten. Vielleicht haben sie das Schicksal von Paulus selbst vor Augen, der diesen Brief aus dem Gefängnis schreibt. Er sitzt dort ein, weil er Christ ist. Da kann man sich als Christ durchaus fragen: Würde ich so standhaft bei meinem Glauben bleiben, wenn ich um Leib und Leben Angst haben müsste? Wäre ich so stark? Und da schwebt wieder der Weisheitsspruch meines Vikariats-Pfarrers durch den Raum: In der Länge liegt die Last.

Paulus antwortet auf diese Befürchtungen nicht mit billigem Trost. Zum Beispiel in der Art: wenn’s drauf ankommt, wirst du wahrscheinlich staunen, welche Kräfte du entwickeln kannst. Oder: Durchgehalten haben schon viele, die wesentlich weniger Charakterstärke als du hatten. Im Grunde genommen bestätigt Paulus in gewisser Weise sogar die Versagensängste seiner Mitchristen in Philippi: ja, tatsächlich, wir können für unser Durchhalten nicht garantieren, wir sind schwache Menschen. Aber er schreibt auch, dass er trotzdem sehr zuversichtlich ist. Weil der Glaube an Jesus Christus nichts ist, was wir allein machen, verantworten, durchhalten müssen. Er ist ein Feuer, das Gott selbst in uns entfacht hat durch seinen Geist. Daran haben wir uns gerade wieder an Pfingsten erinnern lassen. Und Gott selbst wird auch dafür sorgen, dass die Glut bleibt. Er lässt uns bei unserem Lebens- und Glaubens-Lauf nicht allein.

Im neutestamentlichen Vers der Herrnhuter Losungen wird Paulus heute so zitiert, nachzulesen in Philipper 1, Vers 6: „Ich bin darin guter Zuversicht, dass der in euch angefangen hat das gute Werk, der wird’s auch vollenden bis an den Tag Jesu Christi.“ Ja: in der Länge liegt die Last. Aber die ganze Länge über lässt Gott uns diese Last nicht allein tragen. Auch heute nicht!

 

Mittwochsimpuls, 20. Mai 2020

Gerechtigkeit macht sehend

Sie kennen alle die Statuen, die Iustitia, die Gerechtigkeit, darstellen sollen: eine Frau mit klassischer Doppelschalen-Waage in der einen und einem Schwert in der anderen Hand. Ihre Augen sind mit einem Tuch verbunden, denn vor der Gerechtigkeit soll es kein Ansehen der Person geben. Die Gerechtigkeit soll blind sein für die Menschen, mit denen sie es zu tun bekommt.

Solange es um Gerechtigkeit im juristischen Sinn geht, ist das auch vollkommen in Ordnung. Wir sind ja mit Recht empört, wenn in gerichtlichen Auseinandersetzungen mit zweierlei Maß gemessen wird und beispielsweise bekannte Persönlichkeiten scheinbar einen Promi-Bonus bekommen. Gerade im Moment wird heftig diskutiert, warum Fußball-Bundesligisten wieder Spiele austragen dürfen (wenn auch geisterhaft), dasselbe in den unteren Ligen aber nach wie vor verboten ist. Aber dieses Fass will ich jetzt gar nicht aufmachen.

In der Herrnhuter Tageslosung heute geht es ebenfalls um Gerechtigkeit. Dort jedoch soll man gerade nicht blind sein. In der Sprichwortsammlung des Königs Salomo liest man in Kapitel 29, Vers 7: „Der Gerechte erkennt die Sache der Armen.“ Wie vieles andere in diesem Kompendium von Lebensweisheiten ist das eine Aussage, die offenbar schon damals nötig war. Wir machen es im Hinblick auf die Not in dieser Welt ja oft so wie Frau Justitia: wir verschließen davor die Augen. Ganz besonders dort, wo diese Not uns unmittelbar herausfordert, weil sie uns vor den Füßen liegt. Denn da wird es unbequem für uns. Glücklicherweise gibt es viele Menschen, die trotzdem anpacken, wo Not ist. Wir haben das am Beginn der Corona-Krise ja direkt erlebt: als es darum ging, Erledigungen für die zu übernehmen, die nicht aus ihrer Wohnung gehen sollten oder konnten, reichte eine Rundmail – und innerhalb von zwei Tagen waren 35 Familien oder Einzelpersonen bereit, sich dafür einzusetzen.

Aber häufig ist es auch anders. Gerade in einem Sozialstaat wie unserem ist es ja leicht, die Verantwortung für „die Sache der Armen“ abzuschieben. Dafür zahlen wir doch Steuern! Dafür ist doch die Agentur für Arbeit oder die Diakonie da! Das soll doch gefälligst der Staat nicht auf seine Bürger abschieben! Alles natürlich irgendwie richtig. Und doch im Einzelfall völlig falsch. Wenn Gott mir ganz persönlich die Angelegenheit eines Anderen ans Herz legt, dann gibt es nur ein einziges Delegationsprinzip: nicht das an Institutionen, sondern das von Gott an mich. Gott delegiert immer wieder „die Sache der Armen“ an diejenigen, die an ihn glauben. Denn der Ausdruck „der Gerechte“ in der heutigen Tageslosung ist auch in diesem Sinn gemeint, so dass man den Vers auch so ausdrücken könnte: „Wer an Gott glaubt, verschließt seine Augen nicht vor der Not Anderer.“ Gerechtigkeit entsteht also nicht in erster Linie durch Institutionen, sondern durch Menschen, die mit wachem Blick durchs Leben gehen und sich von Gott für die Sache derer in Beschlag nehmen lassen, die Hilfe brauchen. Egal ob in der Nachbarschaftshilfe unserer Gemeinde, im Gerichtssaal oder im Bundestag.


Mittwochs-Impuls Matthäus, 14.05.2020

Ein durchdringender Blick

Wie Sie sehen oder hören, kommt der Mittwochs-Impuls leider einen Tag verspätet, am Donnerstag. Der Computer hat gestern einen Strich durch die Rechnung gemacht, so dass ich erst heute wieder damit arbeiten konnte.

Anfang der 1980er Jahre gab es solche Schwierigkeiten noch nicht. Das Computer-Zeitalter lag da noch vor uns. Überhaupt war es, aus dem Blickwinkel unserer mittlerweile schon längst erwachsenen Kinder, eine ganz andere Zeit. Zu dieser Zeit gehörte die Tatsache zweier deutscher Staaten, getrennt durch Mauer, Grenzzäune und Selbstschuss-Anlagen.

Ich kann mich gut an meinen ersten Besuch in West-Berlin erinnern. Eine große Jugendtagung (heute würde man sagen: Event) fand im noch fast neuen Kongresszentrum statt. Insgesamt sechsmal machten wir mit unserer Reisegruppe in den Tagen dort Grenzerfahrungen der besonderen Art: jeweils bei Überquerung der Grenze zwischen West- und Ostdeutschland und Ostdeutschland und West-Berlin und dann noch zweimal bei einem Ausflug in den Berliner Osten. Jedes Mal schauten uns DDR-Grenzbeamte so durchdringend an, dass ich mir irgendwie schuldig vorkam, obwohl ich gar nichts Verbotenes getan hatte. Ich bekam das Gefühl vermittelt: uns kannst du nichts vormachen!

Gestern stand im Losungsbuch der Herrnhuter Brüdergemeine ein alttestamentlicher Vers für den Tag, der mich an meine ersten DDR-Erfahrungen erinnerte: „Du allein kennst das Herz aller Menschenkinder“ (1. Könige 8,39). Diesen Satz betet König Salomo, als er den frisch errichteten Tempel in Jerusalem einweiht. Das ist eine irgendwie beunruhigende Aussage! Da ist einer, der mich bis in die Tiefen meines Herzens durchschaut. Ich kann ihm, Gott, nichts vormachen. Beunruhigend ist das deshalb, weil Gott dann ja auch all das kennt, was ich vor anderen verberge. Keine dunkle Ecke, kein finsterer Gedanke, kein schmutziges Geheimnis bleibt ihm verborgen. Meine Güte: wie furchtbar, wenn ich einem Menschen begegnen würde, der mich dermaßen durchschaut! In dem Gebet von Salomo hat diese Aussage tatsächlich etwas von diesem Charakter. In dem Zusammenhang ist dann auch irgendwie folgerichtig von Gottesfurcht die Rede. Muss ich Angst vor diesem durchdringend blickenden Gott haben wie seinerzeit vor den Grenzbeamten? – Ich finde sehr interessant, was man an Jesus beobachten kann. Immer wieder wird in den Evangelien berichtet, dass er Menschen mit Leichtigkeit durchschaut. Für ihn gilt das offenbar genauso: „Du kennst das Herz aller Menschenkinder.“ Aber sein Blick bleibt nicht bei dem stehen, was er da an krummen Dingen in uns entdeckt. Jesus sieht die Menschen gleichzeitig voller Liebe an, gibt ihnen die Chance zum Neuanfang, nicht nur einmal, immer wieder. Seine Jünger hätten ein Lied davon singen können. Unsere Dunkelheiten, die er entdeckt, trägt er uns nicht nach, sondern selbst ans Kreuz. Deshalb möchte ich diesem liebevoll-entlarvenden Blick standhalten – und auch das ganz Positive an diesem Vers sehen: Weil Gott mich so gut kennt, weiß er auch ganz genau, was mir fehlt und was gut für mich ist. Besser als irgendjemand sonst!

 

Tages-Impuls Matthäus, 09.05.2020 (Samstags-Spezial)

Martin Luther zu Corona

Bereits zweimal bin ich in den letzten Wochen über den Text eines Briefes gestolpert, den Martin Luther im Jahr 1527, also vor fast 500 Jahren, geschrieben hat. Zu jener Zeit litt die Stadt Breslau schwer unter der Pest. Die evangelischen Prediger von Breslau wandten sich ratsuchend an Martin Luther. Ihre Frage an ihn war: Soll man als Christ die Sorgen ernst nehmen und vor der Krankheit fliehen oder im Vertrauen auf Gott alle Sorgen einfach beiseiteschieben? Folgende Antwort schrieb Martin Luther aus Wittenberg an den Breslauer Reformator Johannes Heß; ich gebe sie in heutigem Deutsch, aber inhaltlich unverändert wieder:

„Nun gut, der Teufel hat uns durch Gottes Fügung eine tödliche Krankheit beschert. Also will ich zu Gott beten, dass er uns gnädig sei und schütze. Danach will auch ich durch Räuchern helfen, die Luft zu reinigen. Ich will Arznei geben und nehmen. Die Orte und Personen werde ich meiden, die mich nicht brauchen, damit ich nicht selbst leichtsinnig werde und möglicherweise durch mich viele andere angesteckt werden. Dann würde ich ja durch meine Fahrlässigkeit auch noch zu ihrem Tod beitragen. Wenn Gott mich zu sich holen möchte, wird er mich sowieso finden. Aber auf diese Weise habe ich wenigstens getan, was er mir aufgetragen hat, und ich bin weder Schuld an meinem eigenen Tod, noch an dem des Anderen. – Wenn mein Nächster mich jedoch braucht, will ich weder einen Ort noch eine Person meiden, sondern ganz frei zu ihm gehen und helfen, wie schon oben gesagt. Das ist meiner Meinung nach ein wirklich gottesfürchtiger Glaube, der nicht leichtsinnig und frech ist, der aber auch Gott nicht ungebührlich herausfordert.“ (Wer es im Originaltext nachlesen möchte: Martin Luther: Ob man vor dem Sterben fliehen möge, Brief an Johannes Heß [1527], Weimarer Ausgabe, Band 23, S. 365f.)

Diese alten, aber heute wieder sehr aktuellen Ratschläge unseres Reformators wollte ich Ihnen nicht vorenthalten.

Nun noch ein Wort zu morgen: da feiern wir wieder Gottesdienst in der Matthäuskirche. Sie sind herzlich eingeladen, um 10.30 Uhr live dabei zu sein. Auch der Muttertag wird eine Rolle spielen. Da ein Mund-Nase-Schutz Pflicht ist, wird der Gottesdienst nur ca. 35 Minuten lang sein. Platz haben wir eigentlich genug: etwa 70 Menschen dürfen immerhin noch in unserer Kirche Platz nehmen.

Einen Tagesimpuls über unsere Homepage wird es – wie schon angekündigt – nur noch mittwochs geben. Die Tagesimpulse über das Telefon laufen allerdings erst einmal noch täglich weiter, mit Wiederholungen der Tagesgedanken, die man am Telefon noch nicht hören konnte.

Ich wünsche Ihnen allen ein gesegnetes Wochenende.

 

Tages-Impuls Matthäus, 08.05.2020 (Wochenthema: Lieblings-Verse)

Ein guter Ratgeber

Schnörkellos stelle ich Ihnen heute gleich am Anfang den Lieblingsvers einer ehrenamtlichen Mitarbeiterin vor. Er ist gleichzeitig der Taufspruch, den sie und ihr Mann ihrem Sohn mit auf den Lebensweg gegeben haben. Der Apostel Paulus schrieb ihn seinerzeit an den noch ziemlich jungen Mitarbeiter Timotheus. Angesichts anspruchsvoller gemeindlicher Aufgaben rutschte dem scheinbar manchmal das Herz in die Hose. In 2. Timotheus 1,7 lesen wir: „Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.“

Manche Ängste sind irrational und trotzdem einfach da, wie zum Beispiel die Angst vor Höhe oder Spinnen. Teilweise sind Ängste tief in uns verwurzelt, weil sie uns vor Gefahren schützen sollten. Die Angst vor Feuer oder vor Dunkelheit zählt dazu. Wer seine Ängste scheinbar heldenhaft immer ignoriert, wird daher meist kein Held, sondern scheitert eher an seinem Leichtsinn. Trotzdem finden wir Angst nicht gut, sie fühlt sich einfach zu unangenehm an. Außerdem ist sie sprichwörtlich kein guter Ratgeber. Und genau da setzt Paulus an. Timotheus kann sich vielleicht nicht gegen seine Angst wehren, aber das heißt noch lange nicht, dass er ihr hilflos ausgeliefert wäre. Denn da gibt es einen starken Ratgeber und Helfer: Gottes Geist. Und der hat der Angst etwas entgegen zu setzen: Kraft, Liebe und Besonnenheit.

In den letzten Wochen hatte man manchmal den Eindruck, dass etliche Entscheidungen im öffentlichen Leben von Angst regiert waren. Was wären das für gute Ratgeber auch für Politiker und Wirtschaftsbosse: Kraft, Liebe, Besonnenheit. Leitungsfiguren wie damals Timotheus brauchen das, um gut leiten zu können: mit kraftvollen Schritten vorangehen, die zutiefst geprägt sind von Liebe zu den Menschen und mit großer Umsicht geplant wurden. Menschen, die so leiten, folgt man gerne.

Ein sehr guter Freund von uns ist so ein Mensch. Er leitet das größte christliche Ferienzentrum Deutschlands und ist verantwortlich für weit über einhundert Beschäftigte. Seit Mitte März darf dort kein Bett mehr belegt werden. Auch für diese Einrichtung ist das eine wirtschaftliche Katastrophe. Neulich habe ich ihn angerufen und gefragt, wie es ihm dabei gehe. Ganz überzeugend antwortete er, es gehe ihm wirklich gut, auch wenn die Herausforderungen gewaltig seien. Nicht weil er keine Angst kennt, sondern weil er Gott kennt und vertraut. Heute hat er übrigens Geburtstag. Und er wird ihn feiern in der Gewissheit, die Paulus damals Timotheus zugesagt hat: „Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.“

 

Tages-Impuls Matthäus, 07.05.2020 (Wochenthema: Lieblings-Verse)

Sich richtig Sorgen machen!

Sie kennen das wahrscheinlich auch: in der Familie streitet man sich am häufigsten um etwas, das diesen Energieeinsatz gar nicht verdient. Kleinigkeiten wie die nie zugedrehte Zahncreme-tube oder die immer im Weg liegenden Schuhe. Angeblich investieren wir 90 % unserer Streit-Energie in Dinge, die es nicht wert sind – und investieren viel zu wenig Energie in Konflikte, die eigentlich tatsächlich dringend gelöst werden müssten.

Bei einem anderen Lebensthema sieht es ganz ähnlich aus. Es hält unsere Gedanken mächtig auf Trab, allerdings ebenfalls meist völlig unökonomisch. Es geht um das Thema: Sich-Sorgen-Machen. Und nun behaupten Sie nicht, dass das nicht Ihr Thema ist! Natürlich gibt es diejenigen, die sich vor Sorgen fast innerlich zerfleischen und die anderen, die von Gott ein beneidenswert großes Maß an angeborener Gelassenheit mitbekommen haben (manche würden vielleicht eher sagen: Oberflächlichkeit). Trotzdem kennen wir alle sie: Gedanken, die uns um unsere innere Ruhe bringen und sich nur schlecht abschütteln lassen.

Dieses Thema ist so wichtig, dass Jesus sich damit sogar in seiner berühmten Bergpredigt befasst. Er hat etwas beobachtet, das erstaunlich gut in unsere moderne Medienwelt passen würde. Als hätte Jesus die Unzahl von Fernsehformaten rund um Mode und Essen gesehen, stellt er fest, dass wir Menschen uns um diese Dinge viel zu viel Gedanken machen. Und dann sagt Jesus das, was der Lieblingsvers eines Mitarbeiters unserer Gemeinde ist: „Seht die Vögel unter dem Himmel an: Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in ihre Scheuen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Seid ihr denn nicht viel kostbarer als sie?“ Nachzulesen ist dieser Vers in Matthäus 6, Vers 26.

Ich bin immer wieder erstaunt, wie aktuell die Bibel ist. Denn es stimmt doch: Essen und Mode sind vielleicht nicht ganz unwichtig, aber in der Regel kein Grund, sich gedanklich davon gefangen nehmen zu lassen. Zumindest nicht in unserem reichen Land. Und trotzdem investieren wir erstaunlich viel Zeit und innere Kraft in solche und ähnliche Themen. Es ist tatsächlich wie mit dem Streit: das Verhältnis stimmt nicht. Ein bekanntes chinesisches Sprichwort geht in die gleiche Richtung: „Der Mensch bringt täglich sein Haar in Ordnung. Warum nicht auch sein Herz?“ Genau darum geht es auch Jesus. Dass wir uns um die Fragen sorgen, die es wirklich wert sind. Aber ausgerechnet sie bleiben meist auf der Strecke. Wie zum Beispiel die Frage, wozu wir eigentlich leben oder wie wir unsere Lebenszeit nicht vergeuden. Oder die Frage, die wirklich jeden betrifft: Wie ist es eigentlich mit dem Tod und dem, was dann kommt? Solche Fragen lohnen wirklich unsere Sorge. Weil unser Leben in Gottes Augen zu kostbar ist, und weil er sich um das sorgen will, worum wir uns viel zu viel sorgen. Auch an diesem Tag wieder!

 

Tages-Impuls Matthäus, 06.05.2020 (Wochenthema: Lieblings-Verse)

Anders als erwartet!

Wir hatten im Konfirmandenkurs über das Beten gesprochen. Am Schluss hatte ich meine Konfirmandinnen und Konfirmanden ermutigt, es doch einfach einmal auszuprobieren. Wenn sie wollten, könnten sie dann von ihren Erfahrungen damit erzählen. Am Dienstag darauf erzählte tatsächlich eine Konfirmandin. Sie habe, so sagte sie, es ernsthaft mit dem Beten versucht, aber nichts sei geschehen. Ich fragte nach, ob sie das etwas genauer berichten wollte. Wollte sie. Im Unterricht in der Schule hätte sie Gott gebeten, den leeren Stuhl neben ihr wackeln zu lassen. Aber der Stuhl habe dagestanden wie vorher. Keine Gebetserhörung. Ihrer Meinung nach. Ich war mir nicht sicher, ob das Gebets-Experiment von diesem Mädchen tatsächlich ernst gemeint war. Ihre Mitkonfirmanden fanden zumindest, dass so ein Gebet nicht nötig sei. Und deshalb habe Gott vielleicht nicht darauf reagiert. Irgendwie nachvollziehbar.

Was aber, wenn es um wirklich wichtige Dinge geht? Wenn jemand sich in einer Notlage an Gott wendet – und dann den Eindruck hat: da kommt keine Antwort!? Dann gibt es manchmal so eine Art Domino-Effekt von Fragen: Kann Gott nicht helfen? Oder will er nicht? Hat Gott etwas gegen mich? Habe ich etwas falsch gemacht? Gibt es Gott überhaupt oder geht mein Gebet einfach ins Leere? Denn wir denken oft: Wenn wir beten und wenn Gott es gut mit uns meint, dann muss er doch unser Gebet erhören. Und mit erhören meinen wir: das tun, worum wir ihn gebeten haben.

Der Lieblingsvers einer Mitarbeiterin aus unserer Gemeinde ist für sie so etwas wie ein Lebensbegleiter durch Höhen und Tiefen geworden. Es ist ein Satz vom Singer-Songwriter-König David, zu finden in Psalm 138 (Vers 3): „Wenn ich dich anrufe, so erhörst du mich und gibst meiner Seele große Kraft.“ So lautet dieser Vers in der Luther-Übersetzung. Wörtlicher müsste es eigentlich heißen: „Am Tag, als ich rief, hast du mir entgegenkommend geantwortet, mir Mut gegeben und meiner Seele Kraft.“

Zugegeben: solche Erkenntnisse kommen uns normalerweise nicht mitten in einer schwierigen Lebenssituation zugeflogen. Psalmen sind in der Regel ja Rückblicke. Und im Rückblick auf eine Notlage sieht man die Dinge meist anders als mittendrin. Aber diese biblischen Lieder sind ja unter anderem entstanden, um denen „mittendrin“ aus dem eigenen Erleben heraus Mut zu machen.

In diesem Fall ist es eine Einladung zum Vertrauen: vertrau darauf, dass Gott antwortet, auch wenn du davon gerade nichts merkst; vertrau darauf, dass er ein entgegenkommender, liebender Gott ist, auch wenn du gerade deine Zweifel daran hast; vertrau darauf, dass Gott dir hilft, aber vielleicht gerade anders, als du es erwartest. Vielleicht erwartest du, dass Gott dein Problem einfach löst. Aber möglicherweise hilft er dir bei der Problemlösung, indem er dir genug Mut und innere Kraft gibt, um mit der schwierigen Situation fertig zu werden oder sie ertragen zu können. Ich jedenfalls, sagt David, habe Gottes Hilfe genau so erfahren: „Wenn ich dich anrufe, erhörst du mich und gibst meiner Seele große Kraft.“

 

Tages-Impuls Matthäus, 05.05.2020 (Wochenthema: Lieblings-Verse)

Und plötzlich wird’s persönlich!

Vielleicht kennen Sie das, auch wenn Sie nicht Pfarrer sind: man liest oder hört einen Vers aus der Bibel, zum wiederholten Mal vielleicht. Man hat ihn zwar immer schon irgendwie gut gefunden, aber er ist blass geblieben oder man hat ihn eher für andere wahrgenommen. Und dann hört man ihn wieder einmal, aber diesmal ist es ganz anders: er trifft mitten ins Schwarze, bekommt Tiefe und ganz persönliche Bedeutung.

Im September 2011 ging es mir, vor allem aber meiner Frau mit einem Bibelvers so. Ich lag im Universitätsklinikum Essen und hatte am nächsten Tag eine Krebsoperation vor mir, die vieles ändern würde. Da kam mein Freund mit seiner Frau vorbei, um uns zu ermutigen und mit uns zu beten. Und um uns ein Wort aus der Bibel mit auf den schwierigen Weg zu geben. Dieses Wort ist der Lieblingsvers meiner Frau. Zu finden beim Propheten Jeremia, Kapitel 29, Vers 11: „Denn ich allein weiß, was ich mit euch vorhabe: Ich, der Herr, habe Frieden für euch im Sinn und will euch aus dem Leid befreien. Ich gebe euch wieder Zukunft und Hoffnung. Mein Wort gilt!“

Sie können sich vorstellen, dass dieser Vers in der besonderen Situation im Herbst 2011 plötzlich einen neuen Klang bekam, ganz persönlich wurde. Ich habe das ähnlich immer wieder einmal mit Bibelworten so erlebt. Eins habe ich allerdings noch nie erlebt: dass mir das mit noch so schönen Zitaten von Goethe, Saint-Exupery oder Gandhi auch nur annähernd so gegangen ist. „Mein Wort gilt!“ sagt Gott durch Jeremia. Meine Erfahrung ist, dass dieses Wort eine unvergleichliche Kraft hat, echte Durchschlagskraft. Gottes ganz persönliches Reden kann Mauern der Gleichgültigkeit, Bitterkeit, Enttäuschung, Schuld, Traurigkeit, Hoffnungslosigkeit oder Angst durchdringen – und trifft mitten in unser Herz. Manchmal tatsächlich mit einem einzigen Vers der Bibel. Deshalb ist es durch nichts anderes zu ersetzen.

Wo menschliche Worte zu kurz greifen, manchmal hilflos bleiben oder irgendwie nach Vertröstung klingen, da geht Gottes Wort tiefer. Gerade in harten Lebensumbrüchen stehen plötzlich große Fragen im Raum: Warum ich? Warum das? Warum, Gott? Man liegt nachts wach im Bett und grübelt darüber. Aber eine befriedigende Antwort findet man nicht. Und dann spricht Gott ganz persönlich zu mir. Ich weiß, eigentlich ist dieses Wort damals für das Volk Israel in der Gefangenschaft gedacht gewesen. Und trotzdem ist es so, als hätte er es nur für uns seinerzeit gesagt, in alle Fragen und Ungewissheiten hinein: „Ich, der Herr, habe Frieden für euch im Sinn!“ „Ich gebe euch wieder Zukunft und Hoffnung!“ Ganz ehrlich: da sind mir alle theologischen Spitzfindigkeiten völlig egal. Gott spricht zu mir, ganz persönlich – und das tut meiner Seele einfach nur gut!

 

Tages-Impuls Matthäus, 04.05.2020 (Wochenthema: Lieblings-Verse)

Stellvertreter Christi auf Erden!

Eigentlich sollte es diese Woche nur noch drei Tagesimpulse geben, weil wir ja seit gestern wieder Gottesdienste in der Matthäuskirche feiern dürfen. Aber im Laufe der letzten Woche haben mir fünf Gemeindeglieder ihren Lieblingsvers geschickt, so dass wir uns von heute bis Freitag mit diesen Bibelworten beschäftigen werden.

Beim ersten dieser Lieblingsverse geht es um die Stellvertreter Christi auf dieser Erde. An wen denken Sie dabei? Vielleicht als erstes an den Papst. Oder vielleicht auch an Christen mit besonderem Auftrag, zum Beispiel Pfarrer. Oder – ganz reformatorisch – an alle Christen, das sogenannte „Priestertum aller Glaubenden“. Das wäre schon eine große Herausforderung für uns als Christen: wenn wir wirklich die Stellvertreter für Jesus in dieser Welt sind, welchen Eindruck bekommt diese Welt dann durch uns von Jesus? Einen eher einladenden oder eher zweifelhaften Eindruck?

Diejenige, die mir als Erste ihren Lieblingsvers geschickt hat, schreibt dazu: „Für mich ein richtiger Leitvers in meinem Leben, nicht leicht umzusetzen, herausfordernd. Aber der Vers beinhaltet für mich christliches Leben, Nachfolge Jesu und Nächstenliebe.“ Und in diesem Vers geht es um … Sie ahnen es schon: die Stellvertreter von Jesus auf dieser Erde. Wenn ich Ihnen jetzt diesen Vers vorlese, sind Sie möglicherweise erstaunt, dass er in eine ganz andere Richtung geht, als man dabei eigentlich erst denkt. Jesus lobt einmal diejenigen, die ihn in verschiedensten Notlagen geholfen haben, und er tadelt die, die ihn in seiner Not links liegen ließen. Als seine Gegenüber keine Ahnung haben, wann das denn passiert sein sollte, sagt Jesus, als Weltenrichter am Ende der Zeiten übrigens, folgendes: „Wahrlich, ich sage euch: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.“ Nachzulesen ist dieser Lieblingsvers in Matthäus 25, Vers 40.

Da sind sie also: die Stellvertreter Christi auf Erden. Nicht im Vatikan. Nicht in Pfarrhäusern und Kirchen. Nicht in christlichen Versammlungen. Jesus sieht sie an völlig anderen Stellen: bettelnd und hungrig am Straßenrand oder in der Fußgängerzone sitzend. Oder in einem Dorf in Afrika, wo man vor lauter Durst und fehlendem Frischwasser sogar faulige braune Brühe trinkt. Oder im Übergangsheim, in dem Asylsuchende auf Bescheid über ihren Antrag warten. In den unzähligen Slums der Großstädte, in denen vernünftige Kleidung Mangelware ist. Im Krankenhaus und im Gefängnis. Überall da begegnen wir den Stellvertretern von Jesus. Das sage nicht ich, das sagt Jesus selbst. Das ist die große Herausforderung für Menschen, die Jesus nachfolgen wollen: jeden Menschen, gerade auch die ganz am Rande, so zu behandeln, als läge, säße oder stünde Jesus uns gegenüber. In ihnen begegnet uns Jesus, stellvertretend. Sie merken: dieser Lieblingsvers hat es wirklich in sich! Ich bin gespannt, in wem mir Jesus heute begegnen wird.

Tages-Impuls Matthäus, 02.05.2020 (Wochenthema: Gottes-Bilder)

Willkommen zuhause!

Er war schon erwachsen, als ich ihn kennen lernte. Eigentlich wollte ich seine Eltern besuchen, aber er zog irgendwie die Aufmerksamkeit auf sich. Und das, obwohl er selbst scheinbar auf nichts achtete. Ein Kerl wie ein Baum – und doch irgendwie verletzlich. Er saß auf dem Fußboden, eine Zeitschrift vor sich, durch die er hindurchzusehen schien. Der Oberkörper wippte leicht hin und her. Ab und zu gab er einen Laut von sich, der nicht zu definieren war. Von Geburt an war er Autist gewesen. Vielleicht war er wesentlich intelligenter als es den Anschein hatte. Möglicherweise konnte er sogar die Zeitschrift lesen, die vor ihm lag. Immerhin hielt er sie und jedes andere Druckerzeugnis immer richtig herum. Aber er war auch innerlich sehr unruhig, wie zerrissen. Einmal im Monat, wahrscheinlich weil Vollmond war, wurde er regelrecht aggressiv, auch seinen Eltern gegenüber.

Wenige Jahre später starb er ganz unerwartet während eines Krankenhausaufenthaltes. Die Eltern fragten mich nach einem Bibelvers für den Trauergottesdienst. Ich musste nicht lange überlegen. So vieles war diesem jungen Mann nicht vergönnt gewesen. So viele Grenzen hatte es für ihn durch den Autismus gegeben. Und scheinbar auch so viel inneren Schmerz. „Wie gut“, dachte ich, „dass das Leben auf dieser Erde nicht gewissermaßen die Hauptveranstaltung ist, sondern nur ein kleines Vorspiel vor dem eigentlichen Highlight.“ Für mich und auch für seine Eltern war es ein großer Trost, was fast am Ende der Bibel steht und dann auch das Leitwort für die Beerdigung wurde. Denn in Offenbarung 21 wird von einer neuen Welt nach dieser Welt gesprochen, in der Gott mitten unter den Menschen leben wird. Und dann heißt es (Vers 4): „Und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen.“

Was für eine Zukunftsaussicht! Nicht nur für Menschen, deren Leben auf dieser Erde eher trüb war. Egal wie schwer oder schön unser Leben verläuft: das Beste kommt erst noch. Und der Tod ist nicht das Ende, so wird es gesagt, sondern der Tod ist selbst am Ende.

Aber was hat das mit dem Wochenthema „Gottes-Bilder“ zu tun? Ganz einfach: weil dieser Bibelvers für mich persönlich eines der schönsten Bilder von Gott enthält, die mir vor Augen stehen. Ich habe keine Ahnung, wie das Ende meines Lebens aussehen wird, ob ich meine letzten Atemzüge bewusst oder benebelt mache, ob ich lange leiden oder plötzlich sterben werde. Aber auf eins freue ich mich schon jetzt: dass Gott mich dann väterlich in die Arme nimmt, mir liebevoll die letzten Tränen aus dem Gesicht wischt und mir zu verstehen gibt: „Jetzt ist alles gut, für immer. Willkommen zuhause!“

Willkommen heißen möchten wir sie auch jetzt schon, nämlich im Gottesdienst am morgigen Sonntag. Um 10.30 Uhr feiern wir ihn nach langer Pause wieder in der Matthäuskirche. Mit Mundschutz (bitte nicht vergessen!), mit zahlenmäßiger Begrenzung, mit Abstand, aber trotzdem miteinander – und mit Gott mitten unter uns. So hat er es versprochen. Irgendwie ist Gottesdienst also auch ein kleiner Vorgeschmack von Ewigkeit. Ich freue mich, Sie morgen zu sehen!

 

Tages-Impuls Matthäus, 01.05.2020 (Wochenthema: Gottes-Bilder)

Das beste Bild

Ich finde das wirklich bewundernswert: da sitzt jemand Modell für einen Maler, ich kann über dessen Schulter gucken und erkenne auf Leinwand oder Zeichenpapier sofort das Vorbild wieder. Es ist eine besondere Gabe, wenn jemand die Wesenszüge eines Menschen so einfangen kann.

In dieser Woche haben wir es mit besonderen Bildern zu tun, Bildern von Gott. Für viele ist Gott ja der ganz große Unbekannte, über den man im Grunde als Mensch kaum sichere Aussagen machen kann. Natürlich ist das nicht ganz falsch. Auf diesem Hintergrund ist auch das zweite Gebot zu sehen, Sie wissen schon, das mit dem Verbot von Götzenbildern. Denn kein Bild kann Gott wirklich angemessen wiedergeben. Alle Bilder, die wir uns von ihm machen, sind schief.

Es gibt allerdings ein Bild, bei dem ich mir ganz sicher bin, dass es Gottes Wirklichkeit besonders nah kommt. Fast schon wie ein Foto von Gott, zumindest aber ein Porträt, das uns sehr viel von Gottes Art zeigt. Jesus hat selbst einmal von diesem Gottesbild gesprochen, nachzulesen in Johannes 14 (Vers 9): „Wer mich sieht, der sieht den Vater!“

Wer wissen möchte, wie Gott ist und wie er zu uns steht, der sieht sich also am besten Jesus Christus an. Jesus ist gewissermaßen „ganz der Vater“ und ihm „wie aus dem Gesicht geschnitten“, das beste Bild, das wir von Gott jemals bekommen können. Wie gesagt: manche stehen auf dem Standpunkt, dass Gott immer ganz anders sei. Und das stimmt sogar. Gerade an Jesus kann man das erkennen. Die Zeitgenossen von Jesus stellten fest, dass Jesus ganz anders von Gott sprach als alle anderen. Nicht jedem gefiel das, manche wollten lieber ihr gewohntes Gottesbild weiterpflegen. Aber eins konnte man auch beobachten: Jesus ging ganz anders mit Menschen um, als man das vom Messias, dem Gesandten Gottes erwartet hatte. Statt – wie fast alle anderen – über diejenigen den Stab zu brechen, die mit ihrem Lebensstil weit weg von Gott waren, setzte er sich mit ihnen zum Essen zusammen. Ja, sie schienen ihm sogar wesentlich lieber zu sein als die geistliche Elite, die häufig durch Doppelmoral auffiel und bei Jesus durchfiel. In einer von Männern beherrschten Gesellschaft hatte Jesus nicht das geringste Problem damit, Frauen im erweiterten Jüngerkreis zu haben. Auch sonst hatte er nicht die geringsten Berührungsängste. Viel wichtiger aber: Jesus zeigt uns am Kreuz das Herz Gottes. Wieviel mehr Liebe kann es geben, als wenn jemand für uns sein Leben einsetzt? Wer wissen möchte, wie Gott ist, findet in Jesus die Antwort. Und damit – das ist meine Erfahrung – werden auch manche anderen bohrenden Fragen geklärt, die wir manchmal in Bezug auf Gott haben.

Am Schluss etwas ganz anderes: Am Sonntag dürfen wir nach längerer Zeit endlich wieder Gottesdienst in der Matthäuskirche feiern, zur gewohnten Zeit um 10.30 Uhr. Natürlich unter Berücksichtigung der amtlichen Auflagen. Das heißt für die Gottesdienstteilnehmer zum Beispiel, dass man eine Mund-Nase-Maske mitbringen muss. Mehr dazu erfahren Sie morgen und übermorgen, auch auf unserer Homepage.

 

Tages-Impuls Matthäus, 30.04.2020 (Wochenthema: Gottes-Bilder)

Mein liebstes Bild.

Manche wünschen sich bei jeder Gelegenheit „die gute alte Zeit“ zurück. Natürlich wissen wir, dass da nicht alles besser war, aber zumindest irgendwie einfacher strukturiert. Die Rollen bei den Eltern zum Beispiel waren früher klar definiert: Vater sorgte fürs Einkommen, Mutter für den Haushalt. Auch Erziehung war vor allem mütterliche Aufgabe. Der Vater musste manchmal allerdings als finsteres Drohbild herhalten, wenn die Kinder über die Stränge geschlagen hatten: „Warte, bis Papa nach Hause kommt!“ Bestrafung war scheinbar eher Männersache. Mama drohte sie an, Papa führte sie durch. Kein Wunder, dass die Kinder jener Generationen nicht unbedingt das allerliebste Vaterbild hatten. Ich bin froh, dass heutige Väter meist ganz anders sind, sich für die Erziehung wirklich mitverantwortlich fühlen und sich ganz anders um ihre Kinder kümmern.

Wie das in biblischen Zeiten war? Keine Ahnung. Aber da findet sich immerhin in Psalm 103 (Vers 13) so ein Satz: „Wie ein Vater mit seinen Kindern Erbarmen hat, so hat der Herr Erbarmen mit denen, die ihn ehren.“ Ein sehr positives Vaterbild, das dann als Vergleich für Gott benutzt wird. Und ein paar Sätze davor heißt es (Vers 8): „Der Herr ist voll Liebe und Erbarmen, voll Geduld und unendlicher Güte.“ – Was für ein Bild haben Sie eigentlich von Gott? Vielleicht eher das eines weisen Opas? Oder Gott als so etwas wie ein Strafvollzugsbeamter? Oder strenger Richter? Oder gutmütiger Menschenfreund, der fünf gerade sein lässt?

Jesus erzählt einmal von Gott, seinem Vater im Himmel. Und beschreibt ihn als barmherzigen Vater. Die meisten von Ihnen kennen die Geschichte gut. Die vom Vater mit den beiden Söhnen. Der eine lässt sich auszahlen, haut ab, verjubelt alles, kommt unter die Räder – und dann reumütig nach Hause zurück. Kleinlaut, ohne Ansprüche. Arbeiter sein im Betrieb seines Vaters, das wäre schon viel. Sohn zu sein, darauf hat er kein Recht mehr, das weiß er. Aber der Vater hat ihn nie aufgegeben, scheinbar immer auf ihn gewartet. Und nun kommt sein Sohn nach Hause. Was er erlebt, sind einfach nur die ausgebreiteten Arme des Vaters, voller Liebe und Vergebung. Kein Vorwurf, keine Anklage. Nur Freude über die Heimkehr. So ist Gott, sagt Jesus. Wie dieser Vater. Er leidet, wenn wir ihm den Rücken kehren und jubelt, wenn wir wieder nach Hause finden. Egal wie weit jemand von Gott weg gewesen sein mag: offene Arme warten auf ihn. Was für ein Vater! Was für ein Gott! Ich liebe dieses Bild, das Jesus uns in diesem Gleichnis vor Augen malt. Lesen Sie es ruhig noch einmal ganz nach: Lukasevangelium, Kapitel 15, Verse 11 bis 32. – Und vergessen Sie nicht, mir Ihren persönlichen Lieblingsvers aus der Bibel für die nächste Woche zu schicken! Morgen stelle ich Ihnen übrigens ein Gottesbild vor, mit dem Sie in dieser Reihe vielleicht gar nicht gerechnet haben.

 

Tages-Impuls Matthäus, 29.04.2020 (Wochenthema: Gottes-Bilder)

Da bin ich ganz sicher!

Das ist ein Satz, den wir in diesen Tagen gerne hören würden: „Da bin ich ganz sicher!“ Aber leider leben wir derzeit mit widersprüchlichen Expertenaussagen zur Corona-Krise. Auch die Äußerungen aus der Politik sind oft wenig hilfreich: da wird vorgeprescht und wieder zurückgerudert, Einschränkungen gelockert und wieder verschärft. Kein Wunder, dass wir alle ziemlich verunsichert sind. Wie gut wäre es, wenn man wenigstens den Eindruck hätte, dass alle Verantwortlichen wirklich genau wissen, was gerade dran ist.

Wir haben nun einmal als Menschen ein Grundbedürfnis nach Sicherheit. Und ein gewaltiger Effekt der gegenwärtigen Pandemie ist, dass gerade diese Sicherheit auf breiter Ebene verloren gegangen ist. Damit kommen wir nicht gut klar. Allerdings nicht erst durch Corona. Aber gerade jetzt kommt vieles zusammen: die Angst vor Ansteckung, die noch größere Angst vieler, möglicherweise ihren Arbeitsplatz zu verlieren, die Sorge um gefährdete Angehörige, die man teilweise nicht einmal besuchen darf, die Schwierigkeit, Arbeit und zuhause bleibende Kinder unter einen Hut zu bekommen, ausgefallener Erholungsurlaub, den man dringend gebraucht hätte und vieles mehr. Ein großer Cocktail voller Unsicherheit. Allerdings, das muss auch im Hinblick auf diese Krise gesagt werden: wir klagen dabei immer noch auf hohem Niveau! Verglichen mit dem, was beispielsweise die Menschen im und nach dem dreißigjährigen Krieg erlebt haben, ist diese Krise trotz aller Erkrankten und Verstorbenen tatsächlich nur ein Sturm im Wasserglas.

Auch im persönlichen Bereich gibt es noch ganz andere Unsicherheits-Erfahrungen. Zum Beispiel diese schreckliche Wartezeit auf manche Untersuchungsergebnisse. Und berufliche  oder familiäre Nackenschläge, die alle Planungen über den Haufen werfen. Ganz zu schweigen vom Tod eines nahen Angehörigen, der den Boden unter den Füßen wegreißt. – Besonders in den Psalmen der Bibel werden solche Erfahrungen häufig thematisiert. Aber gerade dort taucht auch etliche Male ein Bild für Gott auf, das geradezu ein Sinnbild für Sicherheit ist, z. B. in Psalm 31 (Vers 4): „Du, Gott, bist mein Fels und meine Burg“. Bis heute vermitteln sogar Burg-Ruinen noch das Gefühl, dass Menschen hinter diesen starken Mauern sicher sein konnten.

So haben viele Psalmbeter Gott erfahren. Als Zuflucht in schweren Zeiten. Als Rückzugsort, an dem man aufatmen darf. Als wirksamer Schutz gegenüber dem, was unser Leben angreift. Wohin fliehen Sie, wenn alles Mögliche unsicher wird? Wo finden wir Halt, wenn auch alle anderen genauso unsicher sind wie wir? Von Gott wird in der Bibel gesagt, dass auf sein Wort Verlass ist, dass er sich und uns treu bleibt, dass er mir den Halt geben kann, den ich brauche. Inmitten aller Unwägbarkeiten ist er wie eine Burg für mich und ich erlebe: „Da bin ich ganz sicher!“

 

Tages-Impuls Matthäus, 28.04.2020 (Wochenthema: Gottes-Bilder)

Nicht nur ein Platz für Kinder!

„Papa, ich kann nicht mehr laufen!“ Fast jeder Vater kennt diesen Satz so oder ähnlich. Man ist als Familie zu Fuß unterwegs gewesen, im Urlaub vielleicht oder an einem schönen Sonntagnachmittag. Die Kinder laufen mehr als dass sie gehen, hüpfen dabei, rennen hin und her und machen insgesamt so fast die doppelte Strecke wie die Erwachsenen. Gerade noch staunt man über die scheinbar unerschöpfliche Energie der Knirpse, da bleiben sie urplötzlich stehen und wollen keinen Schritt mehr weiter gehen. Was tun? Die Kinder haben sofort eine Idee: „Nimmst du mich auf die Schultern?“ Und dann sitzen sie da oben wie die Herren der Welt und alle Müdigkeit ist wieder wie weggefegt. Ein herrlicher Platz für Kinder!

Als ob wir Erwachsenen das nicht auch bräuchten! „Ich kann nicht mehr!“ Das ist eine Erfahrung, die fast jeder kennt und die manchmal genauso plötzlich da ist wie bei den Kindern. Voller Energie und Tatendrang hat man seine Lebensaufgaben angepackt. Durch Routine oder Hektik oder beides merkt man kaum, wieviel Kraft manches kostet. Bis es plötzlich nicht mehr geht. „Ich kann nicht mehr!“

Da muss man nicht gleich an Burnout denken. Auch ohne Ausgebrannt Sein stoßen wir in unserem Leben an Grenzen, die wir nicht mehr überwinden können. Grenzen unserer Kräfte, unserer Möglichkeiten, des Erträglichen an Leid, der seelischen Stärke usw. Allerdings verhalten wir uns dann meist anders als die Kinder. Wir bleiben nicht einfach stehen, sondern schleppen uns weiter, bis es dann irgendwann tatsächlich gar nicht mehr geht. „Wüstenzeiten“ nennen manche das. Ein sehr treffendes Bild. Denn man fühlt sich wirklich wie in einer großen Wüste, durch die man sich quält.

Für das Volk Israel war das mehr als ein Bild. Es war bittere Wirklichkeit. Vierzig Jahre dauerte der Irrweg von Ägypten durch die Wüste ins gelobte Land. Vierzig Jahre – und oft der Stoßseufzer: „Ich kann nicht mehr!“ Dann ist man endlich fast am Ende dieser Wüstenreise angelangt und Mose blickt darauf zurück. Dabei malt er seinem Volk ein ganz besonderes Bild von Gott vor Augen, aufgrund der Erfahrungen aus vier Jahrzehnten. In 5. Mose 1,31 liest man: „In der Wüste hast du gesehen, wie dich der Herr, dein Gott, getragen hat, wie ein Mann seinen Sohn trägt, auf dem ganzen Wege, den ihr gewandert seid, bis ihr an diesen Ort kamt.“

Für mich ist das eines der stärksten Gottes-Bilder im Alten Testament, voller Trost und Ermutigung. Wo ich an meine Grenzen komme, muss ich mich nicht weiterquälen. Weil ich wie ein Kind mit diesem himmlischen Vater rechnen darf. Er nimmt mich auf seine Schultern, wenn ich nicht weiter kann. Ein herrlicher Platz, nicht nur für Kinder!

 

Tages-Impuls Matthäus, 27.04.2020 (Wochenthema: Gottes-Bilder)

Luther und das zweite Gebot

Mit einer Äußerung in einem der letzten Video-Gottesdienste habe ich ein wenig für Verwirrung gesorgt. Ich erwähnt das fünfte Gebot: Du sollst deine Eltern ehren. Das führte zu Rückfragen: ob das denn nicht das vierte Gebot sei, so habe man es gelernt? Beides ist richtig. In Luthers Katechismus ist es tatsächlich das vierte Gebot, in der Bibel allerdings das fünfte. So lernen es unsere Konfirmanden heute auch. Woran liegt dieser Unterschied?

Martin Luther war ein Kunstkenner und -liebhaber. Er komponierte und textete nicht nur selbst Lieder, sondern gab Musikern, Malern und Bildhauern innerhalb der Reformation die Möglichkeit, ihre Gaben in den Dienst der Verkündigung des Evangeliums zu stellen. Einer seiner Mitstreiter sah das anders, Andreas Bodenstein von Karlstadt. Er bezeichnete die Darstellungen Gottes auf Gemälden als „Ölgötzen“, die man entfernen müsse. Das führte zum sogenannten „Bildersturm“ in vielen Kirchen. Wertvolle Kunstwerke wurden unter Berufung auf das zweite Gebot vernichtet. Denn in diesem Gebot heißt es: „Du sollst dir kein Bildnis machen“, von Gott nämlich, um es wie ein Götzenbild anzubeten.

In der katholischen Tradition hatte man dieses zweite Gebot in das erste integriert und dann stattdessen das zehnte in zwei Gebote aufgeteilt. Luther lehnte die Zerstörung der Bilder in den Kirchen ab und ging noch weiter: er strich dieses zweite Gebot ganz in seinem Katechismus. Damit sollte dem Bildersturm die theologische Rechtfertigung entzogen werden. Geholfen hat das tatsächlich, allerdings nur dort, wo Luther besonderen Einfluss hatte. Insbesondere in den reformierten Kirchen findet man bis heute deswegen keine Bilder, auch nicht in Kirchenfenstern, sondern stattdessen oft kunstvoll gestaltete Bibelverse.

Natürlich hat das zweite Gebot seinen Sinn. Denn wir neigen als Menschen immer dazu, uns ein Bild von Gott zu machen. Wir können ja eigentlich auch nicht anders. Schwierig wird es dann aber, wenn wir meinen, dass Gott tatsächlich genau wie dieses Bild sei. Oder wenn wir unbemerkt unser heimliches Wunschbild von Gott mit Gott selbst verwechseln. Oder, noch fataler: wenn wir uns ganz bewusst ein Gottesbild so zurecht malen, wie es uns am besten in den Kram passt, eine in der Moderne besonders verbreitete Art eines „Ölgötzen“.

In dieser Woche beschäftigen wir uns trotzdem mit Gottes-Bildern. Weil es Bilder sind, die wir in Gottes Wort selbst finden. Und weil auch Jesus von Gott in Bildern gesprochen hat. Von Dienstag bis Samstag erwarten Sie also besonders eindrückliche biblische Bilder von Gott. Lassen Sie sich dadurch von dem Gott begeistern, der so ist, wie es uns diese Bilder vor Augen malen – und doch noch ganz anders und viel größer.

Ach ja: Schon jetzt eine herzliche Einladung im Blick auf die nächste Woche, die wahrscheinlich die letzte Woche mit Corona-Tagesimpulsen sein wird. Da möchte ich Lieblings-Verse aus der Bibel mit Ihnen betrachten. Nicht meine, sondern Ihre Lieblingsverse! Nennen Sie mir doch einfach im Laufe dieser Woche Ihre liebste Bibelstelle, per Mail (pfr.a.koch@web.de) oder per Anruf (02331-82972). Danke für’s Mitmachen!

 

Tages-Impuls Matthäus, 25.04.2020 (Wochenthema: Oster-Menschen)

Wo alles beginnt

Wenn es nur ein Virus wäre! Damit werden wir wohl mehr oder weniger gut klar kommen. Aber wenn man sich in dieser Welt umsieht, hat man den Eindruck, als sei sie hoffnungslos krank. Nicht nur durch hemmungslosen Raubbau an der Natur. Vor allem durch die Art und Weise, wie wir als Menschen miteinander umgehen. Auch wenn es sicher keine alles erklärende Antwort auf die Frage nach dem Leid in der Welt ist: das allermeiste an Leid ist gewissermaßen hausgemacht.

Ähnliche Gedanken bewegten einst auch Rabbi Alexander. Angesichts von Streit und Elend fasste er folgenden gewaltigen Beschluss: „Ab morgen werde ich die Welt verbessern!“ Mit diesem Gedanken legte er sich schlafen. Am nächsten Morgen schien ihm dieses Ziel doch ein wenig hoch gegriffen. Er beschränkte also sein Welt-Verbesserungs-Projekt ein wenig, auf das Land in dem er lebte. Aber schnell merkte er, dass auch dieses Vorhaben zu groß für ihn war. Möglicherweise, so dachte Rabbi Alexander, reicht es ja auch, wenn ich meine Stadt verändern kann. Und so ging es weiter: aus der Stadt wurde seine Straße, aus der Straße das Mehrfamilienhaus, in dem er wohnte, aus dem Haus nur seine eigene Familie. Aber gerade diese Aufgabe überforderte ihn schnell. Er merkte immer mehr: es ist sehr schwer, andere Menschen zu bessern. Also fasste er einen zweiten gewaltigen Entschluss: Um wenigstens etwas in dieser Welt zum Besseren zu wenden, wollte er dort anfangen, wo er am meisten Einfluss hatte, bei sich selbst! Und dieses Projekt hatte für Rabbi Alexander genau die richtige Größe.

Ich hatte Ihnen Anfang dieser Woche gesagt, dass ich Ihnen heute einen Oster-Menschen vorstellen möchte, den Sie mit Sicherheit kennen. Sie ahnen, wen ich meine: Sie selbst! Alle entscheidenden Verbesserungen in dieser Welt beginnen bei uns selbst. Die Aufgabe, dass wir zu selbstloseren, liebevolleren, engagierteren, mitfühlenden Wesen werden, ist wahrhaftig groß genug für uns. Denn schon dadurch sind wir oft frustriert genug. Aber sie ist genau der richtige Ausgangspunkt auch für große Weltveränderungen.

Zwölf ganz normale Menschen berief Jesus vor knapp zweitausend Jahren in den Jüngerkreis. Diese Menschen haben die Welt verändert, durch Liebe und Leiden, Glauben und Hoffen. Aber bei jedem von ihnen stand am Anfang die persönliche Begegnung mit Jesus, die vor allem erst einmal ihr eigenes Leben veränderte.

Ich habe nicht die geringste Ahnung, welche konkreten Pläne Gott mit Ihnen hat. Aber ich bin überzeugt, dass Gottes Plan mit dieser Welt noch nie Leid und Elend war. Das Projekt Weltverbesserung beginnt mit Ihnen – und mit Jesus, der aus ganz durchschnittlichen Typen wie Ihnen und mir wirklich Ostermenschen machen kann und möchte.

 

Tages-Impuls Matthäus, 24.04.2020 (Wochenthema: Oster-Menschen)

Hass gelernt – Liebe erfahren

„Für mich bist du tot“, sagt der Vater, als er erfährt, dass sein Sohn Yassir vom Islam zum Christentum übergetreten ist. Yassir verliert alle Erb- und Familienrechte. Ein leerer Sarg mit seinem Namen wird symbolisch durch die Straßen getragen, eine Todesanzeige in der Zeitung veröffentlicht. Von jetzt an gehört Yassir Eric zu denen, die er selbst jahrelang im Namen Allahs brutal verfolgt hatte.

Die Familie von Yassir lebt im Nordsudan. Dort zählt sie zu den angesehensten und einflussreichsten Clans des Landes. Die Erziehung von Yassir ist geprägt von militärischer Strenge und fundamentalistisch-muslimischer Erziehung. Yassir Eric erzählt: „Ich habe einfach durch meine Religiosität versucht, Gott nah zu kommen, durch das Gebet, durch das Fasten und durch das ganze Rituelle, aber auch die radikalen Ansichten, die ich gehabt habe. … Von daher war ich voller Hass gegenüber anderen Menschen, die nicht Muslime sind.“ Als 18-Jähriger plant er mit seinen Freunden zusammen den Mord an ihrem christlichen Mitschüler Zakaria. Sie misshandeln ihn, stechen auf ihn ein und lassen ihn halbtot liegen. Kein schlechtes Gewissen plagt Yassir deswegen. Er fühlt sich durch Allahs Willen zu dieser Tat legitimiert.

Dieses Weltbild kommt ins Wanken, als er erfährt, dass sich sein Onkel Khaled dem Christentum zugewandt hat. Neben Yassirs Vater ist Khaled, ein hochrangiger Geheimdienstmitarbeiter, sein engster Vertrauter. Nur um den Onkel zum Islam zurückzuholen, beginnt Yassir, sich mehr mit Jesus Christus zu beschäftigen. Erstaunt entdeckt er dabei, dass über Jesus sogar im Koran mit erstaunlicher Hochachtung gesprochen wird. Yassirs Hass gegen alle Christen hatte ihn das nie sehen lassen. Zwei Jahre vergehen. Khaleds Sohn Fouad liegt bereits seit vier Wochen schwer krank im Koma. Yassir wacht an seinem Bett, als zwei Christen eintreten und für Fouad beten. Sie sprechen mit Gott wie mit einem Freund. Yassir ist verwirrt und empört: so redet man nicht mit Allah! Aber ein Wunder geschieht: nach dem Gebet schlägt Fouad seine Augen auf und kann das Krankenzimmer verlassen. – Nach einem langen Nachtgespräch mit seinem Onkel lässt Yassir sein altes Leben voller Hass zurück und lädt Jesus Christus in sein Leben ein.

Dass dieses neue Leben von Liebe gekennzeichnet ist, erfährt er Jahre später noch einmal sehr eindrücklich. Längst ist Yassir Eric als christlicher Redner weltweit unterwegs. In Ägypten trifft er einen Pastor, der ihn anspricht. Es stellt sich heraus, dass es sein ehemaliger Mitschüler Zakaria ist, nach wie vor gezeichnet von den Verletzungen, die ihm Yassir vor 25 Jahren angetan hatte. „Er guckte mich an und sagte zu mir: ‚Weil du mich so gehasst hast, habe ich immer für dich gebetet.‘ Und das hat mich innerlich nicht nur bewegt, sondern ich habe die Größe Gottes entdeckt. … Ich bin Christ geworden, weil jemand wie Zakaria für mich gebetet hat. Ich habe ihn gehasst, er hat mich geliebt.“ In dieser Liebe habe er die Liebe Gottes aufleuchten sehen, sagt Yassir Eric, Liebe, die ihn bis heute tief berührt, so dass er trotz vieler Anfeindungen nie bereut hat, Ja zu Jesus gesagt zu haben.

Nächstes Jahr im November wird er durch Live-Übertragungen auch in der Matthäuskirche von seinem Leben und Glauben erzählen. Wenn Sie mehr von diesem Oster-Menschen erfahren wollen, sehen Sie sich das folgende ausführliche Interview an:

 

Tages-Impuls Matthäus, 23.04.2020 (Wochenthema: Oster-Menschen)

„Bei Jesus darf ich schwach sein“

Seit dem letzten Tages-Impuls ist erst ein Tag vergangen. Ich mache mit Ihnen aber von gestern auf heute einen Zeitsprung von 10 Jahren. Es war 1987 in Bochums Fußgängerzone. Meine Frau und ich waren dort ein wenig bummeln – und hörten plötzlich um eine Ecke herum Musik. Etliche Menschen standen dort versammelt und beklatschten die irgendwie irisch wirkenden Beiträge einer uns da noch ganz unbekannten Musikgruppe. Sie reisten als Straßenmusiker durchs Land, gaben Konzerte, wo immer es ging und lebten hauptsächlich vom Verkauf ihrer Tonträger. Mittlerweile haben sie mehr als 20 Millionen davon unter die Leute gebracht und gehören zu den erfolgreichsten Musikern Europas: die Kelly-Family.

Im Alter von sechs Jahren tat Patricia Kelly alles dafür, auf Tour mitgehen zu dürfen. 1994, als die Kellys dann ihren ersten großen kommerziellen Erfolg feiern, ist Patricia 25 Jahre alt. Durch eine Rückenmarksentzündung mit Lähmungserscheinungen und großen Schmerzen muss sie sich allerdings eine längere Auszeit nehmen. Ausgerechnet zu einer Zeit, als die Familien-Band endlich den Durchbruch geschafft hat! Einerseits zählt Patricia im Rückblick diese Monate nicht zu den schönsten Momenten ihres Lebens. Andererseits hat sie plötzlich viel Muße zum Nachdenken. Auch über ihre Beziehung zu Gott. Von ihren Eltern war sie durchaus im christlichen Glauben erzogen worden. Aber plötzlich stellt sie sich die Frage, was aus dem Glauben ihrer Kindheit eigentlich geworden war. Die Beziehung zu Gott lag auf Eis. Mitten in der Krankheit begegnet ihr Gott neu. Sie erzählt: „In dieser Situation hat Gott mir sozusagen einen Spiegel vorgehalten, in dem ich mein Leben angeschaut habe. Das war echt Gnade, weil ich sehr, sehr unglücklich war, aber es vor lauter Beschäftigung gar nicht gemerkt habe. Meine Seele war leer.“

Mittlerweile ist Patricia Kelly verheiratet, Mutter von zwei Kindern, hat aber auch vier Fehlgeburten und eine Brustkrebserkrankung überstanden. Sie tritt heute kürzer als früher, geht mit ihren Kräften behutsamer um. Eins hat die jetzt 50-jährige Erfolgssängerin aber auch im schnelllebigen, oberflächlichen und fordernden Showgeschäft immer mitgenommen: die Beziehung zu Gott, von der sie sagt, dass man sie genauso pflegen müsse wie eine Beziehung zu Freunden. Ihr ist dabei das Beten und Lesen in der Bibel wichtig. Und die Dankbarkeit für Schönes wie Schweres im Leben. Ihre Erkrankungen sieht sie, wie sie sagt, „als ein Geschenk Gottes, auch wenn das hart klingt.“ Und freut sich darüber, vor Jesus keine Stärke zeigen zu müssen. Das habe sie so sehr an ihm berührt. Ein Satz von Patricia Kelly klingt fast wie ihr geistliches Lebensmotto: „Ich kann, ich darf schwach sein, Gott liebt mich trotzdem.“

Wenn Sie Patricia etwas näher kennen lernen möchten, klicken sie doch einfach auf diese beiden sehr persönlichen Video-Interviews mit ihr:


 

Tages-Impuls Matthäus, 22.04.2020 (Wochenthema: Oster-Menschen)

„Mein Glück mit Jesus“

1977 besuchte ich in Bielefeld im Alter von 15 Jahren die Obertertia, so hieß das damals noch, also das neunte Schuljahr. Da sorgte gerade ein Buch für Aufsehen, das Günter Wallraff geschrieben hatte. Gut drei Monate hatte er undercover als Journalist bei der Bildzeitung in Hannover gearbeitet. Anschließend ließ er kein gutes Haar an diesem Blatt. Für uns Schüler war spätestens seitdem die Bildzeitung ein rotes Tuch. Wer dort arbeitete, so viel stand für uns fest, konnte kein reeller Journalist sein.

Seitdem sind viele Jahre ins Land gegangen und manches hat sich geändert. Geblieben war bei mir trotzdem diese tief eingebrannte Skepsis dem Boulevardblatt gegenüber. Umso erstaunter war ich, dass ausgerechnet der Chefredakteur der Onlineplattform von BILD, vor ein paar Jahren mit ganz anderen Schlagzeilen als gewohnt auf sich aufmerksam machte. Er begann ganz offen von seinem Glauben an Jesus Christus zu sprechen und schrieb später sogar ein Buch darüber, Titel: „Ein bisschen Glauben gibt es nicht“.

Am 28. April 2015 stellte Daniel Böcking um 17.15 Uhr einen Artikel auf BILD.de, der folgendermaßen begann: „Dieser Text fällt mir nicht leicht. Denn ich schreibe ihn nicht als ‚die BILD‘ oder als neutraler Reporter. Sondern als Christ.“ Weil er zu manchem, was er als Wahnsinn in dieser Welt erlebte, nicht mehr schweigen wollte. „Mir geht es konkret darum, dass wir als Christen eine Botschaft mitzuteilen haben, und viele trotzdem still sind. Auch ich, bisher“, schreibt Böcking. „Für mich ist es Zeit, laut von der Liebe Gottes zu erzählen und von der Vergebung durch Jesus Christus.“ Gerade angesichts der seinerzeit sehr aktiven IS-Aktivisten.

In quasi BILD-haft knappen Sätzen fasst Daniel Böcking 2017 seine Glaubensgeschichte so zusammen: „Ein Leben lang irgendwie gläubig, aber nur nebenher, ohne eine Beziehung zu Jesus, ohne Relevanz, ohne Gemeinde. Dann Katastrophen vor Ort als Reporter erlebt und gesehen, wie Christen trotz Leid im Gebet bei Jesus Kraft finden. Ich kam mit ihnen ins Gespräch. Recherchiert, gebetet, die Bibel gelesen. Und dann – mit einem Kawumms-Gebet, das für mich eine Gottes-Berührung war – umgekehrt. Jesus zum Zentrum meines Lebens gemacht, mit Gewohnheiten gebrochen, seine Einladung angenommen. Seitdem bin ich ein unendlich dankbarer, erfüllter Christ.“ – Das gilt bis heute. Auf vielen Veranstaltungen spricht Böcking über seinen Weg zu Jesus. Und nach wie vor in der BILD-Zeitung. Dabei erlebt er mehr staunendes Nachfragen als ablehnenden Spott. Natürlich habe ich mich gefragt: Wie kann man ausgerechnet als Christ bei BILD arbeiten? Auch Daniel Böcking hat sich diese Frage gestellt. Aber er ist davon überzeugt, dass Gott ihn genau dort haben möchte; denn mehr Menschen könne er auf kaum einem anderem Weg mit dem Glauben an Jesus bekannt machen.

Daniel Böckings zweites Buch „Warum Glaube großartig ist“ (224 S., geb., 18.- Euro) kann man versandkostenfrei z. B. über den scm-Shop-Link rechts unten auf unserer Homepage bestellen. Peter Hahne dazu: „… das liest sich wie ein Abenteuerroman. … Selten hat mich ein Buch so fasziniert.“

 

Tages-Impuls Matthäus, 21.04.2020 (Wochenthema: Oster-Menschen)

Mutter für mehr als 100 Kinder

Es ist wirklich außergewöhnlich, wenn eine erst 23 Jahre junge Frau eine Art Biografie schreibt. Aber es ist auch tatsächlich außergewöhnlich, was diese Frau bereits erlebt und bewegt hat.

Vor zehn Jahren begann eine beeindruckende Geschichte. Riley Banks war zu diesem Zeitpunkt erst 13 Jahre alt. Ihre Tante und ihr Onkel waren ein Jahr zuvor als Missionare nach Kenia gegangen und Riley wollte sie dort unbedingt besuchen. Um nicht mit leeren Händen zu kommen, wünscht sich Riley zu ihrem 13. Geburtstag keine Geschenke für sich selbst, sondern für die Kinder in Kenia. Dann ist es soweit: ihre erste Reise nach Kenia wird Wirklichkeit. Mit ihrem Vater an der Seite und viel Spielzeug im Gepäck geht es los.

In Kenia angekommen merkt Riley allerdings, dass die Kinder Kenias anderes viel nötiger brauchen als Spielzeug. Ihr fallen die Neugeborenen auf, die im Krankenhaus nackt auf einer einfachen Decke in einer Plastikkiste liegen. Kinder einer Schulklasse müssen sich für ihre Schreibarbeiten einen einzigen Bleistiftstummel teilen. Die Not besonders der Kinder bewegt sie zutiefst. Und sie nimmt sich vor, diesen Kindern zu helfen so gut sie kann.

Wieder zurück in ihrer eigenen Welt in Missouri, geschieht nicht das, was meist geschieht. Es gibt viele Menschen, denen die Not anderer nah geht, wenn sie sie sehen. Aber im eigenen Wohlstandsumfeld verblassen diese Erfahrungen oft. Aus dem Gefühl „ich muss helfen“ wird dann meist ein blasses „ich müsste eigentlich helfen“. Bei Riley ist das anders. Sofort beginnt sie, Mitschüler und Eltern anzustiften, sich für Kenias Kinder einzusetzen. Sie sammelt Rucksäcke und Schulmaterialien dafür. Ein Jahr später reist sie bereits mit 200 prall gefüllten Rucksäcken zum zweiten Mal nach Kenia.

Damit auch Geschäftsleute spenden, gründet sie mit Unterstützung ihrer Eltern den Verein „Generation Next“ und ist mit 14 Jahren dessen Vorsitzende. Mittlerweile gibt es durch Rileys Einsatz ein Waisenhaus, eine Schule, ein Zentrum zur Unterstützung und Ausbildung besonders von allein-erziehenden Müttern, Hygiene-Programme und natürlich nach wie vor die Rucksack-Aktion. Ein Vers aus dem ersten Brief von Paulus an Timotheus steht auf der Homepage generationnextcares.org (1. Tim. 4,12): „Niemand soll auf dich herabsehen, nur weil du so jung bist; aber sei du für andere Glaubende ein Beispiel im Hinblick auf dein Reden, dein Handeln, deine Liebe, im Glauben und in Aufrichtigkeit!“

Nicht alles läuft für Riley reibungslos. Es ist bitter für sie, als sie erfährt, dass sie krankheitsbedingt nie selbst Kinder haben würde. Doch irgendwann beginnt sie, auch darin Gottes Weg zu sehen: „Je mehr ich versuchte, die Puzzleteile zusammenzufügen, umso mehr führten sie mich zurück nach Kenia.“ Es tröstet sie, dass sie dort für viel mehr Kinder da sein kann als in einer eigenen Familie. Riley ist der eindrückliche Beweis, was Gott tun kann, wenn jemand sein Herz für die Not anderer öffnet, nach Gottes Willen fragt – und einfach danach handelt. „Wenn ich mit 13 geahnt hätte“, sagt Riley, „welchen Plan Gott für mich mit Kenia hat, hätte ich es wahrscheinlich nicht geglaubt. Ich hielt mich für zu jung, zu unerfahren, zu still und zu durchschnittlich. Aber Gott wusste, wie er seinen Plan voranbringt.“

Die tagebuchartige Geschichte von Riley können Sie übrigens direkt z. B. über den Link rechts unten auf unserer Homepage über den scm-Shop bestellen (Riley Banks-Snyder, mit Lisa Velthouse: Das Mädchen, das Träume schenkt; 200 Seiten; 9,99 Euro; ISBN 978-3-7751-5795-7).

 

Tages-Impuls Matthäus, 20.04.2020 (Wochenthema: Oster-Menschen)

Der wunderbare Mr. Rogers

Letzte Woche habe ich mit Ihnen einige ganz unterschiedliche Oster-Sachen betrachtet. In dieser Woche soll es um Oster-Menschen gehen. Damit meine ich Frauen und Männer, bei denen man den Eindruck hat, dass der auferstandene Jesus Christus in ihrem Leben sehr deutliche Spuren hinterlassen hat. Menschen, die allesamt dazu beigetragen haben oder noch beitragen, dass unsere oft vom Tod gezeichnete Welt ein wenig österlicher wird. Einige Personen kennen Sie wahrscheinlich noch gar nicht, manche vage, andere besser, – die letzte aber, die ich Ihnen am Samstag vorstellen werde, kennen Sie ganz sicher!

Gehen Sie gerne ins Kino? Dann ist jetzt gerade leider eine wirklich schlechte Zeit dafür. Aber wenn die Kinos wieder öffnen, wird ein Film hoffentlich mit im Programm sein, der eigentlich letzten Donnerstag anlaufen sollte. Von diesem Film schreibt ein Kritiker: „mit Sicherheit einer der besten Filme des Jahres, Pädikat: Unbedingt sehenswert, am besten mit der ganzen Familie“ (Jörn Schumacher in pro-Medienmagazin). Was unter anderem an Oscar-Preisträger Tom Hanks liegt, der im Film „Der wunderbare Mr. Rogers“ die Hauptperson spielt.

Fred Rogers gab es wirklich. In 895 Episoden hat er von 1968 bis 2001 in den USA ganze Familiengenerationen mit seiner Fernsehsendung „Mr. Rogers‘ Neighborhood“ begeistert und geprägt. Wie bei der „Sendung mit der Maus“ wurden von ihm unzählige große und kleine Fragen des Lebensalltags beantwortet, so dass alle es verstehen konnten. Die ersten fünf Berufsjahre war der gelernte Theologe Pastor, ehe er zum Fernsehen wechselte. Und das, obwohl er dieses Medium gar nicht mochte. Aber er wollte es nutzen, um Menschen etwas für’s Leben mitzugeben, egal ob mit Erklär-Filmen, Handpuppen oder selbst komponierten Liedern. Und mit Aktionen, die zeigten, dass sein Herz von Jesus geprägt war. So badete er z. B. 1969 in einer Sendung seine Füße gemeinsam mit dem Sänger François Clemmens – und sorgte damit fast für einen Eklat. Denn zu jener Zeit war Rassentrennung noch allgegenwärtig – und Clemmens war ein schwarzer Sänger! Aber Rogers wollte im Sinne von Jesus ein Zeichen setzen. Auch an etlichen anderen Stellen.

Woher seine unglaublich warme und echte Ausstrahlung kam, die er nicht nur im Fernsehen hatte? Nach Aussage seiner Ehefrau durch seine beiden Lieblingsbeschäftigungen in der Freizeit: Bibellesen und Schwimmen. Wobei auch das Schwimmen für Rogers eine besondere Zeit mit Gott war. Denn Bahn für Bahn betete er für die Menschen, die er kannte. Tief davon überzeugt, dass Gebet nicht ohne Auswirkungen bleibt.

Diese Auswirkungen erfährt ein kritischer Journalist, der nicht nur im Film Fred Rogers für das Magazin „Esquire“ interviewen sollte, am eigenen Leib. Er geht innerlich verändert aus der Begegnung mit diesem besonderen Oster-Menschen heraus, so wie viele andere vor und nach ihm.

Wenn Sie einmal in den Film hineinschnuppern möchten, hier können sie’s:

 

Tages-Impuls Matthäus, 18.04.2020 (Wochenthema: Oster-Sachen)

Das echte Licht

Als letzten Tagesimpuls dieser Woche möchte ich Ihnen eine sehr persönliche Oster-Geschichte erzählen. Es war eine Ostergeschichte, obwohl sie im Winter passierte.

Vielleicht kennen Sie auch so etwas: es gibt Momente im Leben, die man anderen nur schwer vermitteln kann. Aber sie sind real, tiefgehend, ganz individuell und vor allem entscheidend. Obwohl der Anlass an sich objektiv nichtig sein mag. So wie bei mir.

Ich studierte im dritten Semester Theologie an der Kirchlichen Hochschule Bethel. Begonnen hatte ich mein Studium aus der Überzeugung, später einmal im Pfarramt Menschen mit dem lebendigen Jesus Christus in Kontakt zu bringen. Durch verschiedene Umstände gegen Ende meiner Schulzeit fühlte ich mich dazu auch von Gott berufen. Nun hatte ich also bereits mehrere Vorlesungen und Proseminare in alt- und neutestamentlicher Theologie besucht – und war ebenso fasziniert wie verwirrt. Fasziniert, weil ich so etliche neue Zugänge zur Bibel entdeckte. Verwirrt, weil diese neuen Zugänge eins gemeinsam hatten: sie konnten mit einem wirklich auferstandenen Jesus Christus nichts anfangen. Die Idee der Auferstehung sei den geplatzten Träumen der Jünger entsprungen. Und dann habe Jesus ja wirklich irgendwie weitergelebt, nämlich in den Erzählungen der Jünger, in ihrer Ethik, in ihrer Lebenseinstellung, in ihrem Mut zur Veränderung. Aber: das Grab sei natürlich nicht leer gewesen.

Also fragte ich mich irgendwann, ob die Professoren nicht vielleicht doch Recht haben könnten. War die Sache mit der Auferstehung letztlich nur eine Idee, nach dem Motto: „Nur die Sache von Jesus geht weiter“? Diese Gedanken ließen mich nicht so schnell los. Denn wenn das stimmte, hatte ich bis jetzt, salopp gesprochen, auf’s falsche Pferd gesetzt. Dann hätte ich mir so manches in meinem Leben mit Jesus offensichtlich nur eingebildet oder eingeredet. Dann wäre mein Glaube irgendwie unecht. Und dann … dann könnte ich unmöglich Pastor werden!

Ich weiß noch genau, wie ich an einem völlig grau-verhangenen Wintervormittag den Gang zur Bibliothek entlang ging. Mit genau diesen Gedanken im Kopf. Am Ende des Ganges lag der Fußboden ins warme Licht der Deckenlampen getaucht. Und unwillkürlich musste ich denken: Das Licht ist genauso unecht wie die Auferstehung! Als ich weiterging und in den Bereich der Fenster kam, sah ich das, was mir sofort unter die Haut ging: der Lichtkegel kam überhaupt nicht von der Deckenleuchte, die war nämlich gar nicht an. Die Wolken waren gerade aufgerissen und einige Sonnenstrahlen zauberten das Licht auf den Fußboden. Dieses Licht war echt! Fast hörte ich Jesus in mein Ohr und in mein Herz flüstern: Und so echt und wahrhaftig auferstanden bin ich auch! – Das war mein ganz persönlicher Oster-Moment, ohne den ich wahrscheinlich nicht Pfarrer geworden wäre. Vielleicht ist die Sache mit der Auferstehung für Sie auch gerade eher zweifelhaft und Sie können meine innere Auseinandersetzung nachvollziehen. Dann wünsche ich Ihnen einen vielleicht ganz anderen, aber ebenso persönlichen und echten Oster-Moment!

 

Tagesimpuls Matthäus, 17.04.2020 (Wochenthema: Oster-Sachen)

Die große Verwandlung

Jesus – auferstanden? Was für ein Unsinn! Wer sich solche Fake-News ausdenkt und verbreitet, muss unschädlich gemacht werden. Mit allen Mitteln! Denn solche Menschen sind gefährlich, vergiften das Denken der Öffentlichkeit. Und deshalb verschrieb er sich der scheinbar guten Sache: diese Brunnenvergifter aufzuspüren und unschädlich zu machen. Sehr erfolgreich tat er das. Bis zu dem Tag, an dem Jesus selbst ihm in den Weg trat und er plötzlich wusste: die, die er verfolgte, hatten tatsächlich recht gehabt. Dass Jesus auferstanden war, war keine fixe Idee von Verschwörungstheoretikern, sondern einfach wahr. Seit diesem Tag war alles anders. Er wurde vom glühenden Verfolger zum überzeugten Verfechter des christlichen Glaubens. Diese radikale Lebensveränderung machte seinen Weg sprichwörtlich: vom Saulus zum Paulus.

Dieser Paulus schrieb einmal an die von ihm gegründete Gemeinde in Korinth (2. Korinther 5,17): „Wenn jemand zu Christus gehört, ist er eine neue Schöpfung. Das Alte ist vergangen; etwas ganz Neues hat begonnen!“ Dieser Satz hat es in sich. Er macht denen Mut, die schon lange enttäuscht von sich sind. Sie sehnen sich nach echter Lebensveränderung. So viele Anläufe haben sie schon vergeblich genommen. Und sind doch immer die alten geblieben. Jesus Christus ist ihre Chance zum Neuanfang. Aber dieser Satz des Paulus hat die Christen in Korinth auch herausgefordert, und nicht nur sie. Dann da geht es um Glaubwürdigkeit. Wie glaubwürdig können Christen denn von Auferstehung reden, wenn man an ihrem Leben nicht ablesen kann, dass Jesus Christus wirklich einen Unterschied macht?

„Das Alte ist vergangen; etwas ganz Neues hat begonnen!“ Das kann einen Menschen durchaus auch ängstlich machen. Wenn Jesus Christus wirklich lebt, wenn ich ihm mein Leben öffne, verliere ich dann nicht quasi meine alte Identität? Ich möchte mich ja schon verändern, aber ich will dabei doch auch ich selbst bleiben!

Schon immer war die Verwandlung der Raupe zum Schmetterling ein hervorragendes Bild, um diese Ängste zu nehmen. Denn zum einen finden die allermeisten den Schmetterling wesentlich schöner als die Raupe. Die Verwandlung hat sich also gelohnt! Zum anderen ist im Grunde alles, was die Raupe ausmachte, auch im Schmetterling präsent, nur in ganz anderer Form, aber zum Beispiel angedeutet durch ähnliche Musterung. Das alte Leben der Raupe ist Vergangenheit, ein ganz neues Leben als Schmetterling hat begonnen. Und doch ist es immer noch ein und dieselbe Identität. So verändert die Begegnung mit dem lebendigen Jesus Christus das Leben eines Menschen. Davor muss man keine Angst haben, darüber kann man nur staunen. Denn egal wie sie bei einem Menschen konkret aussieht, ob so krass wie bei Paulus oder eher sanft und wenig spektakulär wie bei den meisten von uns: die große Verwandlung durch Jesus ist das Beste, das Menschen passieren kann!

 

Tagesimpuls Matthäus, 16.04.2020 (Wochenthema: Oster-Sachen)

Die offene Tür

(Musikeinspielung EG 27 „Lobt Gott, ihr Christen alle gleich“, erste Strophe; Text: „Lobt Gott, ihr Christen alle gleich, in seinem höchsten Thron, der heut schließt auf sein Himmelreich und schenkt uns seinen Sohn.“)

Ja, richtig: ein Weihnachtslied. Und das nach Ostern, in der Wochen-Reihe „Oster-Sachen“! Das hat natürlich einen guten Grund. Für jede Woche des Kirchenjahres gibt es einen biblischen Leitvers, den sogenannten Wochenspruch. Er wird meist passend zur Kirchenjahreszeit ausgesucht. Für diese Osterwoche ist es ein Vers aus dem letzten Buch der Bibel, Offenbarung 1,18: „Christus spricht: Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.“ Tod und Hölle, das klingt direkt nach Ostern etwas düster. Man kann es auch ganz positiv formulieren. So wie es Nikolaus Hermann, der Komponist und Dichter in seinem Weihnachtslied getan hat, von dem wir gerade die erste Strophe gehört haben: „der heut schließt auf sein Himmelreich und schenkt uns seinen Sohn“. Dass Jesus die Schlüssel zu Tod und Hölle hat, bedeutet ja genau dies: dass die Tür zum Himmel wieder offen ist.

Wir mögen es nicht, wenn uns Türen verschlossen sind, wir uns von etwas ausgesperrt fühlen. Oder sogar selbst ausgesperrt sind. Viele haben bereits einmal vor der Tür der eigenen Wohnung gestanden und kamen nicht mehr hinein. Sie hatten den Schlüssel drinnen vergessen. Noch viel schlimmer sind verschlossene Türen für Menschen, die eingesperrt, vom normalen Leben „draußen“ abgeschnitten sind.

Der Wochenspruch redet im Grunde von einem Gefängnis. Und vielleicht ist dabei sogar an den Anfang des ersten Buches der Bibel gedacht. Dort kann man nachlesen, dass Adam und Eva (also die Menschheit an sich) keine Lust mehr hatten, nur nach Gottes Pfeife zu tanzen. Also ignorierten sie dessen Verbot und aßen von dem einzigen Baum, von dem sie gerade nicht essen sollten. Die Konsequenz: Ausschluss aus dem Paradies, ausgesperrt! Tür zu, unüberwindbar bewacht. Und damit auch abgeschnitten vom Baum des Lebens. Seitdem, so erzählt die Bibel, ist das Leben von uns Menschen im Grunde genommen so etwas wie eine Todeszelle. Der können wir nun einmal nicht entkommen.

Konnten nicht entkommen, sagt der Wochenspruch. Denn Jesus ist auferstanden und hat den Schlüssel zu dieser Todeszelle in der Hand. Sein Tod hat uns die Tür zum ewigen Leben wieder geöffnet. Zum Leben in Harmonie mit Gott. Nikolaus Hermann hat deshalb sein Weihnachtslied damit beendet, dass die Paradiestür weit offen steht. Für mich ist diese Strophe Osterbotschaft pur:

(Musikeinspielung EG 27 „Lobt Gott, ihr Christen alle gleich“, letzte Strophe; Text: „Heut schließt er wieder auf die Tür zum schönen Paradeis; der Cherub steht nicht mehr dafür. Gott sei Lob, Ehr und Preis!“)

 

Tagesimpuls Matthäus, 15.04.2020 (Wochenthema: Oster-Sachen)

Die seltsame Gabel

In Brownstown (Michigan) redeten die Menschen noch lange über jene seltsame Beerdigung. Anders als bei uns üblich, werden in den USA die Särge beim Trauergottesdienst noch offen gelassen. Als die Trauergäste der Verstorbenen die letzte Ehre erweisen wollten und an ihren Sarg traten, staunten sie nicht schlecht: dort sahen sie eine Gabel in der rechten Hand dieser Frau. – Und das kam so:

Nachdem bei ihr eine unheilbare Krankheit festgestellt worden war, bat sie ihren Pastor um einen Besuch. Bei diesem Besuch teilte sie ihm ihre letzten Wünsche für die Beerdigung mit: welche Lieder gesungen, welche Bibelstellen gelesen und welche Kleidungsstücke ihr angezogen werden sollten. Außerdem wollte sie, dass man ihre Lieblingsbibel mit in den Sarg legte. Als das alles geklärt war und sich der Pastor verabschieden wollte, sagte die Dame aufgeregt: „Eine Sache noch, Herr Pastor!“ „Was denn?“ wollte dieser wissen. Sie erwiderte: „Ich möchte mit einer Gabel in meiner rechten Hand beerdigt werden!“ Der Pastor sah die Frau an, als ob er an ihrem Verstand zweifelte. Deshalb erklärte sie ihre Bitte schnell.

„Wissen Sie“, meinte sie, „ich bin schon oft zu einem festlichen Abendessen eingeladen gewesen. Wenn das Geschirr abgeräumt wurde, sagte der Gastgeber dann manchmal: ‚Behalten Sie Ihre Gabel noch!‘ Das war meine Lieblingsstelle des Abends, denn dann wusste ich, dass noch etwas besonders Gutes kommen würde, zum Beispiel ein Stück herrlicher Schokoladen- oder Apfelkuchen. – Also, Herr Pastor“, fuhr sie fort, „wenn die Trauergäste bei meiner Beerdigung die Gabel in meiner Hand sehen und fragen, was um Himmels willen das denn zu bedeuten habe, dann erklären Sie es Ihnen bitte: Behalten Sie Ihre Gabel, das Beste kommt noch!“

Als ich diese Geschichte gelesen habe, musste ich nicht nur schmunzeln. Denn bei vielen Menschen ist die Lebenshaltung genau umgekehrt, wenn sie auf den Tod zugehen: sie leben so, als ob sie das Beste schon hinter sich hätten. Paulus sagt einmal (Philipper 1,21): „Christus ist mein Leben, und Sterben ist mein Gewinn.“ – Es ist in diesem Leben schon fantastisch, Jesus Christus kennen zu lernen und zu erfahren, wie sehr er das Leben bereichert. Aber das ist nur der Auftakt. Für Christen ist Sterben nicht der große Verlust von Leben, sondern der Beginn eines Lebens ohne Angst, Leid, Tränen, Schmerz und Tod, für alle Ewigkeit geborgen in der Liebe Gottes und in der Nähe von Jesus. Darauf vertraue ich, auch ohne Gabel in der Hand: Das Beste kommt erst noch!

 

Tagesimpuls Matthäus, 14.04.2020 (Wochenthema: Oster-Sachen)

Das beste Lachen

„Der da wohnet im Himmel, er lachet ihrer Wut“. Das ist ein Zitat aus Psalm 2, verwendet im „Messias“ von Georg Friedrich Händel, der heute vor 261 Jahren in London starb. Charles Jennens, der das englische Libretto für die Musik schrieb, verwendete in diesem Oratorium fast ausschließlich Bibelstellen, meist aus dem Alten Testament. Direkt vor diesem Rezitativ geht es um die Schadenfreude der Feinde von Jesus. Am Kreuz toben sich Wut und Rebellion aller bösen Mächte gegen Gott aus. Scheinbar das Ende! – Dem setzte Jennens allerdings anschließend das Lachen Gottes im Himmel gegenüber. Es ist wie in der bekannten Redewendung: „Wer zuletzt lacht, lacht am besten“. Denn am Ende stehen nicht Kreuz und Tod, sondern Auferstehung und ein leeres Grab.

Jahrhundertelang gab es, vor allem in Bayern, die feste Tradition des Osterlachens. An irgendeiner Stelle des Gottesdienstes versuchte der Pfarrer, die Gemeinde durch einen Witz oder eine lustige Geschichte zum Lachen zu bringen. Damit sollte der Triumpf über den Tod zum Ausdruck gebracht werden. Aber dieses Lachen hatte natürlich auch etwas Befreiendes. Nach der langen Passions- und Fastenzeit, insbesondere nach der bedrückenden Karwoche, durfte man endlich wieder aufatmen, ausgelassen feiern, dem Jubel Raum geben.

Darüber hinaus lebte man damals in Zeiten, in denen den meisten nicht zum Lachen zumute war. Wenn nicht gerade Krieg herrschte oder man von egoistischen Machthabern unterdrückt wurde, grassierten verschiedenste Seuchen, gegen die unsere Corona-Krise geradezu harmlos wirkt. Ganz abgesehen von einem Alltag, in dem fast alle sich von früh bis spät ihr Brot tatsächlich „im Schweiße ihres Angesichtes“ hart erarbeiten mussten. Wie gut, wenn man dann doch ab und zu einmal alles Schwere einfach weglachen durfte, zum Beispiel an Ostern, wenigstens für einen Moment.

Und heute? Finden etliche immer noch ihr Leben nicht zum Lachen, egal aus welchen Gründen. Das Dunkle, ob von innen oder außen, scheint zu mächtig zu sein. Aber durch die Auferstehung von Jesus steht am Ende nicht Niederlage, sondern Sieg. Auch für uns! Weil Jesus seit seiner Auferstehung alles in der Hand hat, sogar unsere Zukunft. „Und er regiert auf immer und ewig“, so heißt im bekanntesten Chor aus Händels Messias. Er unterstreicht das befreiende Lachen Gottes noch einmal und ist musikalisch ein einziger Triumpf! Und eine Ermutigung, Jesus zu vertrauen: Wer zuletzt lacht, lacht am besten!

 

Tagesimpuls Matthäus, 13.04.2020 (Wochenthema: Oster-Sachen)

 Die letzte Unterschrift

In unserem Land gibt es eine Unzahl von verschiedensten Bundesgesetzen. In mittlerweile wahrscheinlich über 1.700 Gesetzen ist alles Mögliche geregelt. Es ist allerdings normalerweise ein relativ langer Weg von der Idee bis zum gültigen Gesetz. Wer diesen Weg etwas genauer nachverfolgen will, kann das beispielsweise hier tun: https://www.youtube.com/watch?v=svM8Vaj170Q.

Gesetze laufen in einem meist monatelangen Verfahren durch Bundestag, Fachausschuss und Bundesrat, benötigen dann die Unterschriften von Kanzlerin und zuständigem/er Minister/in und ganz am Ende die des Bundespräsidenten. Erst dann können sie in Kraft treten. Theoretisch kann der Bundespräsident seine Unterschrift verweigern. Mehrfach ist dies in der Geschichte der bundesdeutschen Gesetzgebung auch bereits geschehen. Dann ist alles, was vorher war, nur noch Makulatur.

Für mich ist die Auferstehung von Jesus die letzte Unterschrift Gottes unter alles das, was vorher passiert ist. Dass Jesus Gottes Sohn ist, Wunder tun konnte, am Kreuz für meine Schuld starb, das alles bliebe letztendlich kraftlos, wenn Jesus nicht am Ende auferstanden wäre. Paulus sagt das in 1. Korinther 15,17 so: „Wenn aber Christus nicht von den Toten auferweckt wurde, ist euer Glaube nichts als Selbstbetrug, und ihr seid auch von eurer Schuld nicht frei.“ Gleich anschließend führt er diesen Gedanken ganz logisch weiter: Wer im Vertrauen darauf gestorben sei, dass er durch Jesus ewiges Leben bekommt, sei leider schief gewickelt. Wenn Jesus nicht wirklich auferstanden sei, dann wären die bedauernswertesten Menschen die, die trotzdem an Jesus glauben.

Paulus würde ein neuzeitliches Phänomen überhaupt nicht verstehen können: dass es erstaunlich viele Menschen gibt, die einerseits nicht glauben, dass Jesus tatsächlich, leibhaftig auferstanden ist, die aber andererseits sagen, dass sie trotzdem an Jesus Christus glauben. Irgendwie erinnert das ein wenig an das, was wir als Kinder manchmal gerne gespielt haben: „So tun, als ob …“. So tun, als ob Jesus Gottes Sohn wäre, so tun, als ob man Jesus alles zutrauen könnte, so tun, als ob man durch Jesus Sündenvergebung und ewiges Leben bekäme. Mir persönlich würde das nicht reichen. Bei dermaßen wichtigen Lebensfragen möchte ich nicht nur so tun, als ob! Deshalb halte ich es mit Paulus: durch die Auferstehung setzt Gott seine Unterschrift unter Leben und Leiden von Jesus. Und damit wird auch der Glaube an Jesus erst sinnvoll und kraftvoll. Dann aber „in echt“ und nicht nur „als ob“!

 

Matthäus-Tagesimpuls, 11.04.2020 (Wochenthema: Letzte Tage)

Der Tag danach: „Wenn Gott schweigt.“

Die Geschäfte haben heute geöffnet. Menschen decken sich dann normalerweise für die nächsten beiden Feiertage ein, als müsse man sich auf ganz schlechte Zeiten einstellen. Aber dieses Kaufverhalten haben wir in diesem Jahr ja schon hinter uns. Außer wenn es um gewisse Papierrollen und Teigwaren geht. Irgendwie aber ein relativ normaler Tag nach dem stillen Karfreitag.

Eigentlich müsste aber gerade der Karsamstag der stillste Tag sein. Der Tag, an dem Jesus getötet wurde, war von Anfang bis Ende hektisch, dramatisch und ereignisreich. Auch der Ostersonntag, der Auferstehungstag, ist ein Tag voller Bewegung, voller Fragen und Antworten, Zweifel und Hoffnungen. Aber der Tag dazwischen hat es in sich gehabt. Nicht mehr für uns, aber damals für die Jünger von Jesus.

Vor sechs Jahren haben wir mit etlichen Mitarbeitenden unserer Gemeinde in Leipzig an einem Kongress teilgenommen. John Ortberg, ein amerikanischer Theologe, hielt dort einen Vortrag, der sehr vielen von uns unter die Haut ging. Ortberg redete über das Thema: „Wenn Gott schweigt“. Im Mittelpunkt stand der Karsamstag. Der Tag, an dem nichts geschah. Nicht nur, weil der Tag nach der Kreuzigung ein Sabbat war, an dem alle Arbeit ruhte. Sondern vor allem, weil Jesus tot war und tot blieb. An diesem Tag jedenfalls. Wir wissen, dass diesem Tag der Ostersonntag mit der Auferstehung von Jesus folgte. Die Jünger damals wussten das nicht. Es muss schwer für sie gewesen sein, dieses Schweigen Gottes auszuhalten.

Der Karsamstag ist wie ein Symboltag für diese besonderen Lebenssituationen, in denen wir so gerne hätten, dass Gott eingriffe. Aber es geschieht nichts. Gott schweigt. Die Jünger von Jesus mussten das nur einen Tag aushalten. Manche Menschen wünschen sich vielleicht schon jahrelang, dass Gott endlich handelt: zum Beispiel im Hinblick auf die Tochter, die ins Drogenmilieu abgerutscht ist; oder in der Ehe, in der schon so lange Gleichgültigkeit herrscht; oder bei den alten Eltern, immer noch dem Glauben fern, obwohl die Kinder beharrlich für sie beten. Aber es ist, als ob Gott schweigt.

Mich hat diese Deutung des Karsamstages durch John Ortberg tief bewegt. Seitdem ist dieser Tag für mich ein Trosttag geworden: Mitten in der Zeit des Schweigens Gottes darf ich wissen, dass dieses Schweigen nicht das letzte sein wird. Ostern wird kommen, Gottes mächtiges Reden gegen Tod und Verzweiflung. Und dann werden wir uns umdrehen und sogar im schweigenden Gott den liebenden Vater erkennen. Aber heute, am Karsamstag, müssen wir noch das Schweigen dieses Vaters vertrauensvoll aushalten. Wenn in Ihrem Leben gerade Karsamstag ist, wünsche ich Ihnen alle nötige Kraft dazu.

 

Matthäus-Tagesimpuls, 08.04.2020 (Wochenthema: Letzte Tage)

Noch zwei Tage: „Hingabe.“

Im Klingelbeutel, der während des Gottesdienstes herumgegeben wird, klingelt es tatsächlich. Ein großer Teil der Kollekten besteht aus Münzen. Diese Münzen bei den Banken einzuzahlen, ist mittlerweile allerdings eine recht kostspielige Angelegenheit. Und daher wird hier oder da mit dem digitalen Klingelbeutel experimentiert, Bankkarte genügt. In den letzten Tagen des irdischen Lebens von Jesus spielt sogar die Kollekte eine Rolle, insbesondere zwei Lepta, die kleinsten römischen Münzen, die in Umlauf waren.

Jesus hält sich im Tempel auf. Er setzt sich in die Nähe des sogenannten Schatzkastens und beobachtet das Verhalten der Menschen. Eine Menge reicher Leute sind an diesem Tag dort. Sie spenden großzügig für die Sache Gottes. Dann nähert sich eine Frau. Ihre Kleidung lässt erkennen, dass sie nicht nur Witwe, sondern auch bettelarm ist. Ihre bescheidene Gabe für Gott besteht aus zwei Lepta, umgerechnet auf heutige Verhältnisse etwa ein Euro. Nachdem sie die beiden kleinen Münzen eingeworfen hat, geht sie schnell weiter. Die Jünger von Jesus haben in der Nähe diese Szene ebenfalls gesehen. Nun winkt Jesus sie zu sich.

Er verliert kein kritisches Wort über die Gaben der reichen Leute. Immerhin haben sie wirklich viel gegeben, und das ist ja auch nicht selbstverständlich: Je mehr er hat, je mehr er will … usw., Sie kennen den Spruch. Jesus weist seine Jünger auf die Innenseite der Situation hin und sagt wörtlich dazu: „Sie alle haben von ihrem Überfluss gegeben; diese Frau aber, so arm sie ist, hat alles gegeben, was sie besaß – alles, was sie zum Leben nötig hatte“ (Markus 12,44).

Dieses unterschiedliche Verhalten spiegelt wider, welche Stellung Gott im Leben dieser Menschen wirklich einnimmt. Es ist der Unterschied zwischen Gabe und Hingabe. Bei den einen kommen erst einmal (in welcher Reihenfolge auch immer) Familie, Beruf, Hobbies usw. – und irgendwann, wenn überhaupt, kommt auch Gott an die Reihe. Immerhin bekommt er den Rest ab. Bei der Witwe ist es genau umgekehrt: an erster Stelle steht bei ihr Gott, und im Hinblick auf den Rest hat sie großes Vertrauen, dass Gott schon für sie sorgen wird.

Es geht nicht darum, dass ausgerechnet die Ärmsten ihr letztes Hemd für Gott opfern sollen. Es geht um die Einstellung des Herzens, um einen Glauben, der von Hingabe und Vertrauen geprägt ist. Das sind übrigens die beiden wichtigsten Kennzeichen von Liebe: Hingabe und Vertrauen. Darum ging es ja gestern: Gott mit ganzer Hingabe zu lieben und ebenso die Mitmenschen, das seien die wichtigsten Gebote, hatte Jesus gesagt. – Menschen mit dieser Herzenshaltung erleben in der Regel den Sterntaler-Effekt: Hingabe macht nicht ärmer, sondern letztendlich reicher, – auch diese Welt!

Noch zwei Tage, bis wir die größte Hingabe der Liebe überhaupt vor Augen haben.

 

Matthäus-Tagesimpuls, 07.04.2020 (Wochenthema: Letzte Tage)

Noch drei Tage: „Doppelherz.“

Es gibt wirklich unnütze Fragen. Hier ein paar bekannte Beispiele: „Woran ist das Tote Meer gestorben?“ „Was passiert, wenn man sich zweimal halbtot lacht?“ oder „Wie kommen die Betreten-verboten-Schilder eigentlich in die Mitte des Rasens?“ – Und es gibt Fragen, die ganz bestimmt wichtig sind, aber die wenigsten interessieren; zum Beispiel die Frage, welche Ziffer an 81. Stelle hinter dem Komma bei der Kreiszahl Pi steht (es ist übrigens die Acht). – Es gibt aber auch Fragen, bei denen man auf die Antwort wirklich gespannt ist. Weil man selbst im Moment gar nicht wüsste, was man sagen sollte. Oder weil man einfach wissen will, wie ein anderer auf diese Frage reagiert. Oder aber, weil einem nicht einmal die Frage an sich eingefallen wäre. Bei der Frage, um die es heute geht, trifft für mich alles drei zu. Wäre sie mir gestellt worden, hätte sie mich wahrscheinlich auf dem völlig falschen Fuß erwischt. Ich hätte sie mir aber vorher auch gar nicht gestellt. Und deshalb ist es umso interessanter, was Jesus darauf antwortet. Urplötzlich steht sie im Raum, gestellt von einem Schriftgelehrten, der Jesus zugehört hatte: „Was ist eigentlich das wichtigste Gebot von allen?“ – Und: Was hätten Sie geantwortet? Jesus antwortet mit einem Zitat, das jeder fromme Israelit damals in- und auswendig kannte. Weil er es jeden Morgen und Abend betete. Das sogenannte „Schema Jisrael“, benannt nach den ersten beiden Worten der hebräischen Fassung: „Hört, ihr Israeliten! Der Herr ist unser Gott, der Herr allein. Ihr sollt ihn von ganzem Herzen lieben, mit ganzer Hingabe, mit eurem ganzen Verstand und mit all eurer Kraft.“ Vielleicht nickte der Schriftgelehrte zustimmend, als das hörte und holte schon Luft, um etwas dazu zu sagen, da fährt Jesus fort: „Ebenso wichtig ist das andere Gebot: Liebe deinen Mitmenschen wie dich selbst. Kein anderes Gebot ist wichtiger als diese beiden“ (Markus 12,29-31).

Möglicherweise haben Sie bei diesem „Doppelherz“-Gebot der Liebe auch innerlich genickt und gemurmelt: gute Antwort! Recht hat Jesus. Und auch ich glaube, dass Jesus uns damit eine überaus weise Richtschnur für unser Leben gegeben hat. Ich bin fest davon überzeugt, dass unser Miteinander in der Gesellschaft kränkelt, wenn man nur eine Seite dieses Doppelherz-Gebotes ernst nimmt. Wenn die Liebe zum Mitmenschen fehlt, wird aus dem Glauben an Gott meist liebloser Fanatismus. Wo die Ehrfurcht vor Gott auf der Strecke bleibt, geht auch die Achtung vor dem Mitmenschen oft verloren. Die Geschichtsbücher sind voll von Beispielen für beides. Vielleicht hat die Menschen in Israel gerade das an Jesus damals so fasziniert: dass die Hingabe an Gott und die Liebe zu uns Menschen bei ihm mit Händen zu greifen ist. Und diese Doppelherz-Liebe ist es, für die er am Ende bis ans Kreuz geht. Nur noch drei Tage!

 

Matthäus-Tagesimpuls, 05.04.2020 (Wochenthema: Letzte Tage)

Noch vier Tage: „Heiliger Zorn.“

Noch vier Tage bis Karfreitag. Ich möchte Sie deshalb auf einen besonderen Weg mitnehmen. Gerade jetzt, wo andere Touren ja nicht erlaubt sind, gehen wir während der nächsten Tage in Gedanken die letzten Wege von Jesus bis ans Kreuz mit.

Das führt uns heute zu einem der heiligsten Orte, die ein Israelit zur Zeit von Jesus kannte: den Tempel. Wenn man, gerade kurz vor dem Passahfest, in den Tempel hineinging, sah man sich sofort einem regen Treiben gegenüber: da wurden Opfertiere verkauft, Geld aus fremden Währungen eingetauscht, damit man so einen Kauf überhaupt in der Landeswährung erledigen konnte, da wurden verschiedenste Waren von links nach rechts und von rechts nach links getragen. Es ging ein bisschen zu wie auf einem orientalischen Basar. Auf jeden Fall war hier, im äußersten Kreis des Tempels, von Besinnlichkeit keine Spur.

Plötzlich wird aus der geschäftigen und geschäftlichen Betriebsamkeit geradezu ein Chaos. Verängstigte und wütende Schreie hallen durcheinander. Tische kippen um, so dass Tiere und Geldstücke in hohem Bogen durch die Gegend fliegen. Mittendrin mit wütender Miene und peitschenschwingend: Jesus! So kannte man ihn gar nicht! – Nachdem sich der erste Tumult gelegt hat und einer gespannt-gedrückten Stille gewichen ist, erklärt Jesus seinen Wutausbruch, und zwar mit einem Zitat aus den heiligen Schriften (Jesaja 56,7): „Gott spricht: mein Haus soll für Menschen aus allen Völkern ein Ort des Gebetes sein.“ Und Jesus fügt hinzu, vielleicht nun mehr enttäuscht als wütend: „Ihr habt aber eine Räuberhöhle daraus gemacht“, einen Ort also, wo das Geld und nicht das Gebet zählt. Sie können dieses Ereignis nachlesen im 11. Kapitel des Markusevangeliums (Mark. 11,15-18).

Ich staune immer wieder darüber, wie wenig sich über Jahrhunderte ändert, oder anders ausgedrückt: wie aktuell die Bibel ist. Kirche und Geld! Das ist fast so ein verhängnisvolles Duo wie Bonnie und Clyde oder Pech und Schwefel. Immer wenn die Finanzen in der Kirche wichtiger wurden als der Glaube an Jesus Christus, verlor die Kirche den Boden unter den Füßen – und nicht selten auch ihre Glaubwürdigkeit und ihre Mitglieder. Von dem her, was damals im Jerusalemer Tempel geschehen ist, kann man wohl sagen: diese unheilige Allianz entfacht in Jesus einen heiligen Zorn – und große Enttäuschung.

Andererseits: wo nicht das Geld, das persönliche Wohlergehen, die selbstgesetzten Lebensprioritäten das Sagen haben, sondern Gott selbst, da bewirken Christen und Gemeinden bis heute genau das Gegenteil: sie laden glaubwürdig zu Jesus ein, sind attraktiv für andere Menschen, – und Kirchen sind das, was sie vor allem sein sollen: Orte, an denen man Gott begegnen kann. Ich hoffe, dass Sie das genau so erleben können, wenn unsere Kirchen wieder geöffnet sind.

 

Matthäus-Tagesimpuls, 04.04.2020 (Wochenthema: Stichtage)

Stichtag 04.04.1960: „Oscar-Gewinner.“

(Musikausschnitt)

Mit dieser Musik beginnt der erste deutsche Film, dem ein Oscar verliehen wurde: „Serengeti darf nicht sterben“, gedreht von Bernhard Grzimek und seinem Sohn Michael. Vor genau 60 Jahren, am 4. April 1960, erhielt Bernhard Grzimek von der Jury den Oscar für den besten Dokumentarfilm. Die Freude darüber war allerdings sehr getrübt, denn sein Sohn Michael war während der Dreharbeiten zum Film durch einen Flugzeugabsturz tödlich verunglückt.

Die Freude über die Oscars ist ja ohnehin meist sehr zwiespältig: immerhin ist es schon eine große Ehre, mit einem Film, für eine Rolle oder einen anderen Beitrag nominiert zu sein. Wenn dann aber der Moment kommt, an dem von den Laudatoren der sagenumwobene Umschlag mit dem oder der Erstplatzierten geöffnet wird, liegen Jubel bei den Gewinnern und Enttäuschung bei den Nur-Nominierten dicht beieinander. Wobei, das liegt in der Natur der Sache, die Enttäuschten natürlich weit in der Überzahl sind. Und so wird Jahr für Jahr die innere Zerknirschung von den Verlierern tapfer weggelächelt und unter höflichem Applaus für die Gewinner versteckt. Niemand will nur Zweiter, alle wollen die Ersten sein!

Das war sogar im Jüngerkreis von Jesus so. Da kommen doch tatsächlich einmal die beiden Brüder Jakobus und Johannes zu Jesus und bitten ihn um die Zusage, im Himmel die Erstplatzierten neben ihm zu sein (nachzulesen in Markus 10,35-45). Jesus rückt diesen falschen Ehrgeiz gerade und macht deutlich: Die Ersten zeichnen sich dadurch aus, dass sie dienend für alle anderen da sind. So wie er, Jesus, nicht gekommen sei, um sich dienen zu lassen, sondern um die Lebenslast aller am Kreuz auf sich zu nehmen. Daran sollen sich seine Jünger orientieren!

Es gibt glücklicherweise nicht wenige, die ohne falschen Ehrgeiz ganz einfach für andere da sind, egal ob bei der Feuerwehr, in Krankenhäusern, als Eltern und Großeltern oder zum Beispiel beim Spargelstechen. Die meisten von ihnen sind wie die vielen Mitwirkenden, deren Namen man nur im Abspann eines Filmes liest, aber nie bei einer Oscar-Verleihung hören wird. Das sind genau die Menschen, ohne die aus so einem Filmprojekt nie etwas geworden wäre! Vielleicht sind Sie so ein Mensch, nie auf Titelseiten oder im Rampenlicht, eigentlich nie der oder die Erste, außer in den Augen von Jesus. Aber denken Sie daran: die Welt braucht nicht vor allem Oscar-Preisträger, sondern Menschen wie Sie!

 

Matthäus-Tagesimpuls, 03.04.2020 (Wochenthema: Stichtage)

Stichtag 03.04.1882: „Blutgeld.“

Jesse James ist einer der berühmtesten und berüchtigsten Banditen der Vereinigten Staaten gewesen. Verewigt in Liedern und Kinofilmen, verklärt zu einer Art Robin-Hood-Figur, obwohl sich eine Spur aus Blut und Leid durch sein Leben zog. Man jagte ihn, aber er entzog sich immer wieder seinen Häschern. Trotzdem hinterließ dieses Leben auf der Flucht Spuren. Jesse James litt zunehmend unter Verfolgungswahn und traute schließlich nur noch den beiden Brüdern Bob und Charley Ford, mit denen er unter einem Dach zusammenlebte.

Mittlerweile war ein hohes Kopfgeld auf seine Ergreifung – „tot oder lebendig“ – ausgesetzt worden. Am 3. April 1882 entstaubte Jesse James einige Bilder. Für ein etwas höher hängendes Bild stieg er dabei auf einen Stuhl. In diesem Moment traf ihn eine Kugel am Kopf und verletzte ihn tödlich. Auf seinem Grabstein konnte man später lesen: „Jesse Woodson James, hingebungsvoller Ehemann und Vater, ermordet von einem Verräter und Feigling, dessen Name es nicht wert ist, hier zu erscheinen“. Der Name dessen, der ihn für ein paar tausend Dollar Kopfgeld getötet hatte, lautete nämlich Bob Ford, einer der wenigen Menschen, denen Jesse James noch getraut hatte.

Für nur 30 Silberlinge, etwa einem Monatslohn damals, wurde Jesus von einem seiner Vertrauten verraten, wenn auch nicht eigenhändig umgebracht. Warum Judas seinen Rabbi an dessen Gegner verkauf, wird auch in der Bibel nie wirklich erklärt. Am Ende jedenfalls bereut Judas, dass er einen Unschuldigen ans Messer geliefert hat. Er will seinen Bluthandel wieder rückgängig machen. Als das misslingt, erhängt er sich voller Verzweiflung und stirbt noch vor dem, den er verraten hatte. Wenig später nur wird dann Jesus an einem Kreuz hingerichtet.

Für den Apostel Paulus ist dieser Tod von Jesus auch eine Art Blutgeld, das gezahlt wird, allerdings ein ganz anderes als bei Jesse James oder Judas. An die Christen in Korinth schreibt er: „Christus hat den Preis für eure Freiheit gezahlt; macht euch also nicht wieder selbst von Menschen abhängig“ (1. Kor. 7,23). Fast zweitausend Jahre später klingt diese Aussage fast erschreckend aktuell; denn wie sehr machen wir uns abhängig von Technik, Medien, Mehrheitsmeinungen, Mode, Konsum, Terminkalender, Smartphone usw. usw.! All das macht uns wesentlich unfreier als die Einschränkungen, unter denen wir zurzeit leiden. Jesus hatte seinen Jüngern, also auch Judas, früher einmal folgendes gesagt: „Wenn euch der Sohn Gottes frei machen wird, dann werdet ihr wirklich frei sein!“ (Johannes 8,36). – Meine drei Minuten für heute sind um, aber vielleicht nehmen Sie diesen Satz einfach einmal mit in Ihren Tag.

 

Matthäus-Tagesimpuls, 02.04.2020 (Wochenthema: Stichtage)

Stichtag 02.04.1963: „Werbe-Ikonen.“

Sie sind bekannter als Klementine, das HB-Männchen, Frau Antje oder Herr Kaiser – und haben all diese Ikonen des Werbefernsehens locker überlebt. Heute feiern sie ihren 57. Geburtstag und werben ganz aktuell für richtiges Verhalten in der Corona-Krise. In ihrer Heimatstadt kann man sie mittlerweile sogar in Rot und Grün auf Fußgängerampeln sehen: die Mainzelmännchen.

Am 2. April 1963 sorgten sie erstmals im ZDF für gute Laune zwischen den einzelnen Werbespots. In jeweils 3-sekündigen Trickfilmchen dürfen Anton, Berti, Conni, Det, Edi und Fritzchen ein wenig Schabernack treiben. 50.000 verschiedene Kürzest-Geschichten mit ihnen gibt es bereits und jedes Jahr kommen etwa tausend neue hinzu. Die wahren Werbe-Ikonen des deutschen Fernsehens und längst Kultfiguren sind also sechs Mützen tragende Zeichentrick-Männchen. Denn eins steht fest: an etliches, wofür in den unliebsamen Programm-Unterbrechungen geworben wurde, erinnern wir uns nicht mehr. An die Mainzelmännchen schon! Dabei sind sie gar keine echten Werbe-Ikonen, denn sie werben ja im Grunde für nichts. Außer für eins: bei der Werbeunterbrechung nicht Toilette oder Kühlschrank aufzusuchen, sondern dran zu bleiben.

Ist Ihnen eigentlich bewusst, dass es eine Kult-Werbung gibt, die schon seit tausenden von Jahren läuft? Und zumindest in den Kirchen des Ostens spielen dabei auch Ikonen eine Rolle. Es geht um Gottes höchsteigene Werbeaktion, in immer neuen Variationen in der Bibel festgehalten. Einige unserer Konfirmanden-Jahrgänge sollten einmal eine Art Werbe-Ikone bzw. -Logo für den Glauben an Gott entwerfen. Erstaunlich oft tauchte ein bestimmtes Symbol dabei auf: ein Herz. Die Konfirmanden hatten – bewusst oder unbewusst – verstanden, dass es in der Bibel um zwei große Themen geht: Gott zeigt uns sein Herz und Gott wirbt um unser Herz. Gott wirbt um unser Vertrauen in seine Liebe.

Manche haben angesichts dessen, was in dieser Welt tagtäglich an Leid zu sehen ist, ihre Schwierigkeiten mit dieser Liebe Gottes. Kann ich verstehen! Und gerade so etwas wie eine Viren-Epidemie können wir nicht so ohne weiteres mit menschlichem Eigenverschulden erklären. Da bricht schnell die Frage danach auf, wie das mit einem liebenden Vater im Himmel zusammen passt. Ich habe eigentlich auch nur eine Hilfestellung für mich selbst dabei: Jesus! Am Kreuz lässt Gott uns in sein Herz blicken, und da sieht man vor allem abgrundtiefe, selbstlose, hingebungsvolle Liebe zu uns Menschen. Da wirbt Gott darum, dass wir dranbleiben, unser Vertrauen nicht wegwerfen, wie es einmal im Hebräerbrief heißt (Hebr. 10,35), gerade dann, wenn uns das nicht so leicht fällt. – Nicht die Mainzelmännchen, sondern ich möchte Sie deshalb heute ermutigen: Bleiben Sie dran!

 

Matthäus-Tagesimpuls, 01.04.2020 (Wochenthema: Stichtage)

Stichtag 01.04.1957: „Aprilscherz.“

Traditionell machen Engländer eigentlich nach 12 Uhr mittags keine Aprilscherze mehr. Für umso mehr Aufruhr sorgte deshalb der erste Aprilscherz, der nach dieser Zeitgrenze und erstmalig innerhalb einer Nachrichtensendung über die Bildschirme flackerte: die BBC berichtete höchst ernsthaft am 1. April 1957 über die außergewöhnlich gute Spaghetti-Ernte der Schweizer Bauern im Tessin. Ein besonders milder Winter und die Ausrottung des berüchtigten Spaghetti-Käfers hätten dafür gesorgt, so der Kommentar des bekannten Nachrichtensprechers. Zuschauer, die am Fernseher das Pflücken der Spaghetti von den Bäumen verfolgt hatten, riefen reihenweise bei der BBC an. Viele wollten selbst einen Spaghetti-Baum pflanzen und bekamen am Telefon dann den Tipp, eine Packung Spaghetti in eine Dose mit Tomatensauce zu stellen und dann einfach abzuwarten. Was Menschen alles glauben! Natürlich ließen sich längst nicht alle Briten von der BBC in den April schicken, es gab auch extrem erboste Anrufe beim Fernsehsender.

Wie ist es Ihnen eigentlich an diesem Tag bis jetzt gegangen? Hat man Sie schon mit einem Aprilscherz erwischt? Der erste Tag im April ist einzigartig: an diesem Tag ist Lügen ausdrücklich erlaubt (zumindest in scherzhafter Form). An allen anderen Tagen des Jahres allerdings finden wir Lügen überhaupt nicht scherzhaft. Sie sind Gift in Beziehungen, zerstören Vertrauen, stumpfen unser Gewissen ab und beschädigen unsere Seele. Kein Wunder, dass die Mahnung, bei der Wahrheit zu bleiben, es in die Top Ten der biblischen Lebensregeln geschafft hat. Und auch Jesus mahnt uns, eindeutig zu leben: „Euer Ja soll ein Ja, euer Nein ein Nein sein, alles andere ist überflüssig und übel“, sagt er in der Bergpredigt (Matthäus 5,37). Es fällt uns schwer, das praktisch im Alltag umzusetzen. Laut wissenschaftlichen Studien soll jeder Mensch nämlich durchschnittlich 25 mal am Tag lügen. Das schafft nicht gerade Vertrauen! – Geht es Ihnen auch so wie mir? Wenn mir ein Mensch begegnet, auf dessen Wort Verlass ist, atme ich innerlich regelrecht auf. Und noch besser finde ich, wenn ich einem anderen gegenüber rückhaltlos ehrlich sein kann, weil ich weiß, dass ich trotz meiner Schattenseiten geliebt, geschätzt werde. Deshalb tut mir die Beziehung mit Gott so gut: er kennt mich durch und durch; ich muss ihm nichts vormachen, weil er mich brutto liebt. Und er ist eindeutig und verlässlich, kein ständiger Wechsel von Licht und Schatten, schreibt der Apostel Jakobus (Jak. 1,17). – Das ist kein Aprilscherz, ehrlich nicht! – Ach ja: und wenn Sie noch nicht wissen, was Sie heute kochen sollen: wie wär’s mit erntefrischen Spaghetti?

 

Matthäus-Tagesimpuls, 31.03.2020 (Wochenthema: Stichtage)

Stichtag 31.03.1889: „Umstritten.“

Schon bei seiner Planung bezeichnete man dieses Bauwerk als Alptraum, tragische Straßenlaterne, Glockenturm-Skelett, konfusen Eisenmast oder düsteren Fabrikschlot, der ein Schandfleck für die ganze Stadt sein werde. Am 31. März 1889 wurde dieses umstrittene Meisterwerk der Ingenieurskunst fertiggestellt – und ist noch heute im übertragenen und wörtlichen Sinn das überragende Symbol seiner Stadt: der Eiffelturm.

Zur Pariser Weltausstellung 1889 erbaut, sollte er eigentlich nach zwanzig Jahren wieder demontiert werden. Doch von Anfang an entwickelte sich der Eiffelturm zu einem Publikumsmagneten, der durch die Eintrittsgelder schon 18 Monate nach der Eröffnung die enormen Baukosten zu Dreiviertel wieder eingebracht hatte.

Erst umstritten, dann umjubelt! So war es beim Eiffelturm. – Genau umgekehrt war es bei Jesus: erst umjubelt, dann umstritten. Wir denken daran insbesondere in dieser Woche, an deren Ende der Palmsonntag steht. Daran, wie Jesus umjubelt in Jerusalem einzog, und wie dann die Stimmung in offene Ablehnung bei Vielen umschlug. Der Weg vom „Hosianna“ bis zum „Kreuzige ihn“ war erschreckend kurz! Und nach der Auferstehung wurde Jesus erst Recht zu einer umstrittenen Figur. Aber gerade der Tod am Kreuz, so sagt es Paulus am Anfang des 1. Korintherbriefes, war für die Menschen damals eine Zumutung. Paulus schreibt: „Wenn wir Christus als den Gekreuzigten verkünden, sind die Juden entrüstet und die Griechen erklären es für Unsinn“ (1. Kor. 1,23). – Daran hat sich bis heute nicht viel geändert. Für die einen ist Jesus ein Weisheitslehrer mit tragischem Ende, für die anderen im besten Fall ein Vorbild für Liebe und Leidensbereitschaft. Aber dann gibt es noch die, die aus vollster Überzeugung sagen: „In Jesus begegnet mir Gott selbst und zeigt mir seine Liebe!“ Zu denen gehöre auch ich, – nicht nur, weil ich Pastor bin. Es ist mit Jesus wie mit dem Eiffelturm damals: wer den nur von unten sah, zweifelte vielleicht an seiner Stabilität oder spottete über sein Aussehen. Aber die fast zwei Millionen Menschen, die ihn schon während der Weltausstellung 1889 bestiegen, waren begeistert von Bauwerk und Aussicht. – Wer sich innerlich unbeteiligt, wie von außen, mit Jesus beschäftigt, für den bleibt Jesus immer umstritten. Wer sich vertrauensvoll auf ihn einlässt, wird begeistert erleben, wer Jesus wirklich war – und ist. Und bekommt übrigens ebenfalls eine ganz neue Perspektive auf das Leben!

 

Matthäus-Tagesimpuls, 30.03.2020 (Wochenthema: Stichtage)

Stichtag 30.03.1867: „Ein bitterer Tag für Liechtenstein!“

Mitte des 19. Jahrhunderts bot das riesige Zarenreich Russland dem kleinen Fürstentum Liechtenstein ein kaltes, unwirtliches, dünn besiedeltes Stück Land zum Kauf an, ein Schnäppchen angeblich. Die Liechtensteiner prüften das: immerhin ging es um fast 2 Millionen Quadratkilometer Landfläche, allerdings mit ungünstigen klimatischen Verhältnissen und auf der anderen Seite der Erdkugel gelegen. Also winkten sie dankend ab.

Daraufhin ging Russland auf die US-Amerikaner zu. Und am 30. März 1867 unterzeichnete man den Kaufvertrag: für nur 7,2 Millionen US-Dollar, also lächerliche 0,0004 Cent pro Quadratmeter, erwarben die USA Alaska und machten das Land knapp einhundert Jahre später zu ihrem 49. Bundesstaat. Durch die Gold- und später vor allem die Ölvorkommen hat sich dieser Handel mehr als bezahlt gemacht: seit 1976 erhält jeder Bürger Alaskas deshalb jährlich ca. 2.000 Dollar aus der gut gefüllten Staatskasse. – Ob man sich in Liechtenstein wohl heute noch ärgert, dass man seinerzeit die Gelegenheit auf das Geschäft des Jahrhunderts verpasst hatte?

Solche verpassten Gelegenheiten, die nicht wiederkommen, gehören jedenfalls zu den bittersten Lebenserfahrungen, die man machen kann. Das Leben mancher Menschen hat diesen bitteren Beigeschmack, weil sie bei der Berufswahl nicht ihrem Herzen, sondern ihrem Kopf gefolgt sind. Oder weil sie beruflich immer so eingespannt waren und dadurch die prägenden Jahre ihrer Kinder irgendwie verpasst haben. Und manchen geht es bitter nach, dass jemand gestorben ist, bevor man sich mit ihm versöhnen konnte. – Unser Leben ist voller Gelegenheiten, die man ergreifen oder verpassen kann. So wie die Chance, an diesem Tag lebendige Erfahrungen mit Gott zu machen. Im Hebräerbrief heißt es deshalb: „Heute, wenn ihr Gottes Stimme hört, dann verschließt eure Herzen nicht!“ (Hebr. 3,7+8).

Bei Alaska ging es letztendlich „nur“ um ein Stück Land. Richtig bitter werden verpasste Gelegenheiten aber immer dann, wenn es um Beziehungen zwischen Menschen geht, oder eben zwischen Mensch und Gott. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen Tag ganz ohne Bitterkeit.

 

Matthäus-Tagesimpuls, 28.03.2020 (Wochenthema: Stichworte)

Stichwort „Hoffnung“

Bei Facebook kursiert gerade ein kleiner Text, den C. S. Lewis (Autor der Narnia-Chroniken) im Jahr 1942 geschrieben haben soll, wahrscheinlich unter dem Eindruck der Schrecken des Zweiten Weltkrieges. Er enthält angesichts der gleichen Krise zwei völlig gegensätzliche Statements, die unglaublich aktuell klingen:

„Satan: ‚Ich werde Sorge, Furcht und Panik verursachen. Ich werde Geschäfte, Schulen, Orte der Anbetung und Sport-Ereignisse stilllegen. Ich werde für wirtschaftliche Turbulenzen sorgen!‘ – Jesus: ‚Ich werde Nachbarn zusammenbringen, die Einheit von Familien wiederherstellen. Ich werde das Abendessen zurück auf den Küchentisch bringen. Ich werde den Menschen helfen, ihre Leben zu entschleunigen und wieder das zu schätzen, was wirklich zählt. Ich werde meine Kinder lehren, sich auf mich zu verlassen und nicht auf die Welt. Ich werde meine Kinder lehren, mir zu vertrauen und nicht ihrem Geld und ihren materiellen Reichtümern.‘“

In den letzten Wochen gibt es eine steigende Zahl von Einträgen im Netz, die sich ähnlich anhören. Viele haben den Grundton: Ja, die Zeiten sind schlimm, aber durch diese Krise werden wir auch wieder das Wesentliche neu entdecken und schätzen lernen! Auch Menschen des öffentlichen Lebens drücken zunehmend diese Hoffnung aus. Es wäre wirklich schön, wenn die Welt nach Covid-19 eine andere, bessere wäre als vorher.

Aber irgendwie mag ich diese Hoffnung trotz aller augenblicklich sichtbaren Zeichen der Solidarität und Nächstenliebe nicht ganz teilen. Zu schnell vergessen wir, zu schnell kehren wir nicht nur in den Alltag, sondern auch in die eingefahrenen Wege zurück, zu schnell atmen wir kurz erleichtert auf – und knüpfen dann so nahtlos wie möglich an die Zeit vor Corona an. Die Vergangenheit hat allzu oft gezeigt, wie wenig wir aus unserer Geschichte lernen.

Und trotzdem gibt es Hoffnung! Die beginnt da, wo alle nachhaltigen Veränderungen ihren Ursprung haben: in unserem Herzen. Solange dort alles beim Alten bleibt, wird sich nichts ändern. Schon im Alten Testament lässt Gott durch den Propheten Hesekiel deshalb folgende Hoffnungs-Botschaft weitersagen (Hesekiel 36,26): „Ich will euch ein neues Herz und einen neuen Geist geben. Ja, ich nehme das versteinerte Herz aus eurer Brust und gebe euch ein lebendiges Herz“. Für kurzfristige Selbstbesinnung reicht vielleicht Corona, für echte Hoffnung auf eine bessere Gesellschaft aber brauchen wir Menschen mit erneuerten Herzen!

 

Matthäus-Tagesimpuls, 27.03.2020 (Wochenthema: Stichworte)

Stichwort „Normalität“

Ende Januar nahm hier in Deutschland kaum jemand das Ausmaß der Corona-Epidemie schon richtig ernst. Seit Ende Februar hat sich das etwas geändert, aber noch am 8. März wurden überall Gottesdienste gefeiert und für den Sonntag danach noch die nächsten geplant. Erst seit gut zwei Wochen gibt es überall in Deutschland zunehmend wirklich deutliche Einschränkungen in unserer ganz persönlichen Bewegungsfreiheit. Dabei darf man immerhin noch zum Einkaufen, zum Arzt, zur Arbeitsstelle und sogar in familiären Kleinstgruppen Spazieren gehen. Trotzdem begegnet man überall einer gedrückten Stimmung, als würde dieser Zustand nun schon wochenlang anhalten. Die ersten Politiker reden sogar schon von möglichst schneller Rückkehr zu mehr Normalität (was im Moment aber wahrscheinlich das Falscheste wäre).

Vor neun Jahren war ich für vier Monate krankheitsbedingt aus dem Alltag gerissen worden und konnte lange Zeit das Haus eigentlich nur für therapeutisch notwendige Maßnahmen verlassen. So gut es ging, versuchte ich im Hintergrund für die Gemeinde ein wenig „Homeoffice“ zu machen. Immer wieder wurde mir geraten, im Anschluss an die Behandlungen doch eine Reha-Maßnahme zu machen. Was ich mir sehnlich wünschte, war aber etwas ganz anderes: Normalität! Wieder Gottesdienste mit den anderen feiern zu können, die ganz alltäglichen pfarramtlichen Aufgaben zu erledigen, auch die eigentlich allzu bürokratisch-langweiligen. Als es dann so weit war, war ich Gott sehr dankbar für alles ganz Normale.

Vielleicht geht es Ihnen jetzt ähnlich. Der „graue Alltag“, über den wir uns oft beklagt haben, bekommt ein anderes Gesicht, wenn er uns plötzlich verloren geht. Wir merken, dass es nicht die Highlights sind, die unser Leben sinn- und wertvoll machen, sondern die Alltäglichkeiten, auch in unseren Beziehungen. – Vielleicht ist es kein Zufall, dass Jesus uns ein besonderes Versprechen gerade für den Alltag macht: „Siehe, ich bin bei Euch alle Tage!“ (Matthäus 28,20). Das ist eine herrliche „Normalität“, die nicht einmal der Corona-Ausnahmezustand aushebeln kann: Jesus ist bei uns, gestern, morgen, und ganz sicher auch heute!

 

Matthäus-Tagesimpuls, 26.03.2020 (Wochenthema: Stichworte)

Stichwort „Kalender“

Wahrscheinlich geht es Ihnen ähnlich wie mir: mein Kalender hat sich ganz schön verändert. Vieles, was darin eingetragen war, ist ausgefallen oder auf unbestimmte Zeit verschoben. Gemeindliche Planungen für die Wochen nach dem 19. April (bis dahin dürfen ja auf jeden Fall erst einmal keinerlei Veranstaltungen stattfinden) liegen ebenso auf Eis wie die privaten. Im Grunde leben wir irgendwie von Tag zu Tag. Das ist eine Situation, die wir – zumindest zu meinen Lebzeiten – in Deutschland so noch nicht hatten.

Alle Kalendereinträge mache ich in dieser Zeit nur unter Vorbehalt. Apropos Vorbehalt: kennen Sie den „jakobäischen Vorbehalt“? Den hat man früher öfter gehört als heute. Wenn Menschen sich verabschiedeten, sagten sie nicht nur „Auf Wiedersehen“, sondern fügten häufig an: „so Gott will und wir leben“. Im Original ist er im Jakobus-Brief in der Bibel zu finden (Kapitel 4,15). Auch wenn Terminkalender zu seiner Zeit noch keine große Rolle spielten, planten die meisten so, als hätten sie ihre Zeit (auch ihre Lebenszeit) voll im Griff. Deshalb mahnte Jakobus zu etwas mehr Demut: „Dagegen solltet ihr sagen: Wenn der Herr will, werden wir leben und dies oder das tun.“ Leben unter Vorbehalt.

Menschen leben ungern freiwillig so. Meist sind es gravierende Lebenskrisen, die uns deutlich machen, wie wenig wir unser Leben und unsere Zukunft letztlich in der Hand haben. Jetzt befinden wir uns mitten in so einer Krise. Viele Kalendereinträge sind nur noch Makulatur und wir planen eher von Tag zu Tag. Das ist auch gut so! Weil unser Leben doch im Grunde schon immer unter diesem jakobäischen Vorbehalt stand. Wir verdrängen das nur allzu gerne. Und jetzt lernen wir es „auf die harte Tour“: Kein Tag ist selbstverständlich, jeder Tag ist ein Geschenk Gottes. Auch dieser Tag! Das klingt ein wenig wie eine etwas angestaubte Kalenderweisheit. Und wenn schon: in vielen Kalendern fand sich von dieser Weisheit einfach nichts mehr. Das könnte jetzt anders werden. Natürlich nur unter dem anderen wichtigen Vorbehalt: dass wir aus unseren Fehlern lernen!

 

Matthäus-Tagesimpuls, 25.03.2020 (Wochenthema: Stichworte)

Stichwort „Angst“

Leider können sich im Moment auch die vielen Kinder nicht treffen, die sonst immer dienstags im LaKrIDS-Club zusammenkommen. Auch gestern blieb es deshalb im Matthäus-Gemeindehaus leider leer und still. Das ist sonst anders. In einem Lied, das die LaKrIDS-Kinder seit unserer Jubiläums-Kinderwoche letztes Jahr aus vollem Hals singen, heißt es: „Sei mutig und stark und fürchte dich nicht!“ Warum die Kinder es so gerne singen? Natürlich auch, weil es ein Ohrwurm ist und die Bewegungen dabei mitreißen. Ich glaube aber, auch weil dieses Lied eines unserer kreatürlichsten Gefühle anspricht: Angst!

Es gibt niemanden, der dieses Gefühl nicht kennt. Mit der allerersten Atemluft nach der Geburt schreien wir unsere Todesangst vor dem Ersticken heraus – und mit dem letzten Atemzug ist oft wieder die Angst vor der Dunkelheit des Todes verbunden. Auch zwischen diesen beiden Atemzügen gibt es kein Leben ohne Angst. Manchmal ist sie weit weg und wir fühlen uns ganz sicher, manchmal kriecht sie uns unter die Haut und ins Herz, so wie jetzt gerade wieder. Unsicherheit erzeugt Angst. Und wir sind angesichts der großen Hilflosigkeit gegenüber Covid-19 sehr verunsichert!

„Sei mutig und stark und fürchte dich nicht!“ Ist das die Lösung? Sich das wie ein Mantra immer wieder vorzusagen oder vorzusingen, bis man es irgendwann glaubt? Das Lied bleibt allerdings nicht beim Appell gegen die Angst stehen, sondern lautet weiter: „denn der Herr, dein Gott, ist bei dir!“ Ich höre förmlich die Vorbehalte, die jetzt manche haben: das ist doch zu naiv, zu einfach, zu kindlich!

Glaube ist tatsächlich irgendwie kindlich und auch viel einfacher, als wir meist denken. Allerdings nicht naiv im negativen Sinn. Glaube hat es nämlich immer mit Vertrauen zu tun. Das können Kinder noch. Erinnern Sie sich, wie Sie sich als Kind mit Ihrer Angst vertrauensvoll zu Ihren Eltern geflüchtet haben? Und dann war alles gut, obwohl der eigentliche Grund für Ihre Angst sich doch gar nicht geändert hatte. Aber die Eltern waren bei Ihnen. Und die Angst war weg. Mit so einem Vertrauen, ganz kindlich und ganz einfach, flüchte ich zu Gott mit meinen Lebensängsten, auch jetzt. Und es tut – mir jedenfalls – sehr gut zu wissen: „denn der Herr, dein Gott, ist bei dir!“ Mit dieser Gewissheit möchte ich auch in diesen Tag starten.

 

Matthäus-Tagesimpuls, 24.03.2020 (Wochenthema: Stichworte)

Stichwort „Zeit“

„Ich habe leider keine Zeit“ ist ein Satz, der fast zu so etwas wie einem Glaubensbekenntnis der hektischen Moderne geworden ist. Wie so vieles in diesen Wochen ist auch dieser Satz nicht mehr in Stein gemeißelt. Virenbedingt ist uns einiges an Freiheiten genommen worden, aber eines ist vielen von uns dafür geschenkt worden: mehr Zeit als sonst.

Zeit, die manche vor die erschreckende Frage stellt: Was fange ich nun eigentlich damit an? Zeit, die aber vor allem eine Chance ist, Dinge anzupacken, die sonst allzu schnell im Alltagstrubel untergehen. Mehr Zeit füreinander zum Beispiel, mehr Zeit für Gespräche und gemeinsames Essen, mehr Zeit für die Kinder usw. usw.

Und natürlich habe auch ich einen konstruktiven Vorschlag, was Sie mit ihrer gewonnenen Zeit tun können. Einen für manche geradezu innovativen Vorschlag: nehmen Sie sich doch einfach einmal Zeit für … Gott! Die bleibt ja sonst wirklich meist auf der Strecke. Aber jetzt wäre doch Zeit dazu. Wie man das macht? Jetzt könnte ich es mir leicht machen und einfach auf Bibel und Beten verweisen (wäre aber auch keine schlechte Idee). Aber es gibt dazu auch jede Menge Hilfen im Internet. Hier sind ein paar, die Sie entdecken könnten:

https://www.erf.de/erf-workshops/18000?ref=top&reset=1 (Online-Workshop mit verschiedenen Themen wie „Das Jesus-Experiment“, „Leben mit Sinn“ und viele andere)

http://www.online-glauben.de/de/ (Grundlagen des christlichen Glaubens neu entdecken)

https://dasbibelprojekt.de (coole animierte Einführungen in biblische Bücher und Themen)

Von einem bin ich jedenfalls überzeugt (vor allem auch aus eigener Erfahrung): Zeit, die Sie sich für’s Nachdenken über Gott nehmen, ist nie falsch investiert! Wenn nicht jetzt, wann dann?!

 

Matthäus-Tagesimpuls, 23.03.2020 (Wochenthema: Stichworte)

Stichwort „Durcheinander“

„Heute gibt es Durcheinander!“ Vielleicht kennt man diese Redewendung ja auch in Hagen, wahrscheinlich ist sie aber vor allem in meiner Heimat Ostwestfalen gebräuchlich. Gemeint ist nicht ein vorhergesagtes großes Chaos zuhause, sondern der angekündigte Eintopf auf dem Mittagstisch.

So ein Durcheinander wäre ja wenigstens schmackhaft. Das Durcheinander, mit dem wir jetzt gerade leben, schmeckt uns dagegen überhaupt nicht: niemand kann sagen, was kommt, wie lange die Krise dauern wird, worauf wir uns einstellen müssen. Hinzu kommen geschmacklose Fake-News im Netz, die oft unsere ohnehin schon wachsenden Ängste mit frei erfundenen Prognosen oder Verschwörungstheorien nur noch befeuern. Wer blickt da noch durch dieses ganze Durcheinander, mit dem wir gerade leben? Wir bleiben mit vielen Gedanken, die wir uns machen, relativ hilflos zurück.

Seit vielen Jahren fällt mir immer dann, wenn ich so ein Gedanken-Durcheinander erlebe, ein Vers aus dem Lieder- und Trostbuch der Bibel, den Psalmen, ein. Weil es mir einen Hinweis gibt, wie ich mit diesem Wirrwarr in Kopf und Herz umgehen kann, ja, wohin ich damit gehen kann: „Liebe Leute, schüttet euer Herz vor ihm aus: Gott ist unsere Zuversicht“ (Psalm 62,9). Dieser Vers ermutigt mich sehr zum Beten, mit oder ohne wohlformulierte Worte. Gott ist die richtige Adresse für mein Durcheinander, sogar für Klagen, Vorwürfe, Zweifel. Denn daran halte ich auch jetzt fest: selbst wenn Politiker, Fachleute, Medienvertreter im Moment keinen Durchblick haben können, Gott hat ihn! Und deshalb ist er auch die richtige Adresse für unsere Hilflosigkeit, die manchmal wie ein heilloses Durcheinander aussieht.