Tagesimpulse

Matthäus-Tagesimpuls, 01.04.2020 (Wochenthema: Stichtage)

Stichtag 01.04.1957: „Aprilscherz.“

Traditionell machen Engländer eigentlich nach 12 Uhr mittags keine Aprilscherze mehr. Für umso mehr Aufruhr sorgte deshalb der erste Aprilscherz, der nach dieser Zeitgrenze und erstmalig innerhalb einer Nachrichtensendung über die Bildschirme flackerte: die BBC berichtete höchst ernsthaft am 1. April 1957 über die außergewöhnlich gute Spaghetti-Ernte der Schweizer Bauern im Tessin. Ein besonders milder Winter und die Ausrottung des berüchtigten Spaghetti-Käfers hätten dafür gesorgt, so der Kommentar des bekannten Nachrichtensprechers. Zuschauer, die am Fernseher das Pflücken der Spaghetti von den Bäumen verfolgt hatten, riefen reihenweise bei der BBC an. Viele wollten selbst einen Spaghetti-Baum pflanzen und bekamen am Telefon dann den Tipp, eine Packung Spaghetti in eine Dose mit Tomatensauce zu stellen und dann einfach abzuwarten. Was Menschen alles glauben! Natürlich ließen sich längst nicht alle Briten von der BBC in den April schicken, es gab auch extrem erboste Anrufe beim Fernsehsender.

Wie ist es Ihnen eigentlich an diesem Tag bis jetzt gegangen? Hat man Sie schon mit einem Aprilscherz erwischt? Der erste Tag im April ist einzigartig: an diesem Tag ist Lügen ausdrücklich erlaubt (zumindest in scherzhafter Form). An allen anderen Tagen des Jahres allerdings finden wir Lügen überhaupt nicht scherzhaft. Sie sind Gift in Beziehungen, zerstören Vertrauen, stumpfen unser Gewissen ab und beschädigen unsere Seele. Kein Wunder, dass die Mahnung, bei der Wahrheit zu bleiben, es in die Top Ten der biblischen Lebensregeln geschafft hat. Und auch Jesus mahnt uns, eindeutig zu leben: „Euer Ja soll ein Ja, euer Nein ein Nein sein, alles andere ist überflüssig und übel“, sagt er in der Bergpredigt (Matthäus 5,37). Es fällt uns schwer, das praktisch im Alltag umzusetzen. Laut wissenschaftlichen Studien soll jeder Mensch nämlich durchschnittlich 25 mal am Tag lügen. Das schafft nicht gerade Vertrauen! – Geht es Ihnen auch so wie mir? Wenn mir ein Mensch begegnet, auf dessen Wort Verlass ist, atme ich innerlich regelrecht auf. Und noch besser finde ich, wenn ich einem anderen gegenüber rückhaltlos ehrlich sein kann, weil ich weiß, dass ich trotz meiner Schattenseiten geliebt, geschätzt werde. Deshalb tut mir die Beziehung mit Gott so gut: er kennt mich durch und durch; ich muss ihm nichts vormachen, weil er mich brutto liebt. Und er ist eindeutig und verlässlich, kein ständiger Wechsel von Licht und Schatten, schreibt der Apostel Jakobus (Jak. 1,17). – Das ist kein Aprilscherz, ehrlich nicht! – Ach ja: und wenn Sie noch nicht wissen, was Sie heute kochen sollen: wie wär’s mit erntefrischen Spaghetti?

 

Matthäus-Tagesimpuls, 31.03.2020 (Wochenthema: Stichtage)

Stichtag 31.03.1889: „Umstritten.“

Schon bei seiner Planung bezeichnete man dieses Bauwerk als Alptraum, tragische Straßenlaterne, Glockenturm-Skelett, konfusen Eisenmast oder düsteren Fabrikschlot, der ein Schandfleck für die ganze Stadt sein werde. Am 31. März 1889 wurde dieses umstrittene Meisterwerk der Ingenieurskunst fertiggestellt – und ist noch heute im übertragenen und wörtlichen Sinn das überragende Symbol seiner Stadt: der Eiffelturm.

Zur Pariser Weltausstellung 1889 erbaut, sollte er eigentlich nach zwanzig Jahren wieder demontiert werden. Doch von Anfang an entwickelte sich der Eiffelturm zu einem Publikumsmagneten, der durch die Eintrittsgelder schon 18 Monate nach der Eröffnung die enormen Baukosten zu Dreiviertel wieder eingebracht hatte.

Erst umstritten, dann umjubelt! So war es beim Eiffelturm. – Genau umgekehrt war es bei Jesus: erst umjubelt, dann umstritten. Wir denken daran insbesondere in dieser Woche, an deren Ende der Palmsonntag steht. Daran, wie Jesus umjubelt in Jerusalem einzog, und wie dann die Stimmung in offene Ablehnung bei Vielen umschlug. Der Weg vom „Hosianna“ bis zum „Kreuzige ihn“ war erschreckend kurz! Und nach der Auferstehung wurde Jesus erst Recht zu einer umstrittenen Figur. Aber gerade der Tod am Kreuz, so sagt es Paulus am Anfang des 1. Korintherbriefes, war für die Menschen damals eine Zumutung. Paulus schreibt: „Wenn wir Christus als den Gekreuzigten verkünden, sind die Juden entrüstet und die Griechen erklären es für Unsinn“ (1. Kor. 1,23). – Daran hat sich bis heute nicht viel geändert. Für die einen ist Jesus ein Weisheitslehrer mit tragischem Ende, für die anderen im besten Fall ein Vorbild für Liebe und Leidensbereitschaft. Aber dann gibt es noch die, die aus vollster Überzeugung sagen: „In Jesus begegnet mir Gott selbst und zeigt mir seine Liebe!“ Zu denen gehöre auch ich, – nicht nur, weil ich Pastor bin. Es ist mit Jesus wie mit dem Eiffelturm damals: wer den nur von unten sah, zweifelte vielleicht an seiner Stabilität oder spottete über sein Aussehen. Aber die fast zwei Millionen Menschen, die ihn schon während der Weltausstellung 1889 bestiegen, waren begeistert von Bauwerk und Aussicht. – Wer sich innerlich unbeteiligt, wie von außen, mit Jesus beschäftigt, für den bleibt Jesus immer umstritten. Wer sich vertrauensvoll auf ihn einlässt, wird begeistert erleben, wer Jesus wirklich war – und ist. Und bekommt übrigens ebenfalls eine ganz neue Perspektive auf das Leben!

 

Matthäus-Tagesimpuls, 30.03.2020 (Wochenthema: Stichtage)

Stichtag 30.03.1867: „Ein bitterer Tag für Liechtenstein!“

Mitte des 19. Jahrhunderts bot das riesige Zarenreich Russland dem kleinen Fürstentum Liechtenstein ein kaltes, unwirtliches, dünn besiedeltes Stück Land zum Kauf an, ein Schnäppchen angeblich. Die Liechtensteiner prüften das: immerhin ging es um fast 2 Millionen Quadratkilometer Landfläche, allerdings mit ungünstigen klimatischen Verhältnissen und auf der anderen Seite der Erdkugel gelegen. Also winkten sie dankend ab.

Daraufhin ging Russland auf die US-Amerikaner zu. Und am 30. März 1867 unterzeichnete man den Kaufvertrag: für nur 7,2 Millionen US-Dollar, also lächerliche 0,0004 Cent pro Quadratmeter, erwarben die USA Alaska und machten das Land knapp einhundert Jahre später zu ihrem 49. Bundesstaat. Durch die Gold- und später vor allem die Ölvorkommen hat sich dieser Handel mehr als bezahlt gemacht: seit 1976 erhält jeder Bürger Alaskas deshalb jährlich ca. 2.000 Dollar aus der gut gefüllten Staatskasse. – Ob man sich in Liechtenstein wohl heute noch ärgert, dass man seinerzeit die Gelegenheit auf das Geschäft des Jahrhunderts verpasst hatte?

Solche verpassten Gelegenheiten, die nicht wiederkommen, gehören jedenfalls zu den bittersten Lebenserfahrungen, die man machen kann. Das Leben mancher Menschen hat diesen bitteren Beigeschmack, weil sie bei der Berufswahl nicht ihrem Herzen, sondern ihrem Kopf gefolgt sind. Oder weil sie beruflich immer so eingespannt waren und dadurch die prägenden Jahre ihrer Kinder irgendwie verpasst haben. Und manchen geht es bitter nach, dass jemand gestorben ist, bevor man sich mit ihm versöhnen konnte. – Unser Leben ist voller Gelegenheiten, die man ergreifen oder verpassen kann. So wie die Chance, an diesem Tag lebendige Erfahrungen mit Gott zu machen. Im Hebräerbrief heißt es deshalb: „Heute, wenn ihr Gottes Stimme hört, dann verschließt eure Herzen nicht!“ (Hebr. 3,7+8).

Bei Alaska ging es letztendlich „nur“ um ein Stück Land. Richtig bitter werden verpasste Gelegenheiten aber immer dann, wenn es um Beziehungen zwischen Menschen geht, oder eben zwischen Mensch und Gott. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen Tag ganz ohne Bitterkeit.

 

Matthäus-Tagesimpuls, 28.03.2020 (Wochenthema: Stichworte)

Stichwort „Hoffnung“

Bei Facebook kursiert gerade ein kleiner Text, den C. S. Lewis (Autor der Narnia-Chroniken) im Jahr 1942 geschrieben haben soll, wahrscheinlich unter dem Eindruck der Schrecken des Zweiten Weltkrieges. Er enthält angesichts der gleichen Krise zwei völlig gegensätzliche Statements, die unglaublich aktuell klingen:

„Satan: ‚Ich werde Sorge, Furcht und Panik verursachen. Ich werde Geschäfte, Schulen, Orte der Anbetung und Sport-Ereignisse stilllegen. Ich werde für wirtschaftliche Turbulenzen sorgen!‘ – Jesus: ‚Ich werde Nachbarn zusammenbringen, die Einheit von Familien wiederherstellen. Ich werde das Abendessen zurück auf den Küchentisch bringen. Ich werde den Menschen helfen, ihre Leben zu entschleunigen und wieder das zu schätzen, was wirklich zählt. Ich werde meine Kinder lehren, sich auf mich zu verlassen und nicht auf die Welt. Ich werde meine Kinder lehren, mir zu vertrauen und nicht ihrem Geld und ihren materiellen Reichtümern.‘“

In den letzten Wochen gibt es eine steigende Zahl von Einträgen im Netz, die sich ähnlich anhören. Viele haben den Grundton: Ja, die Zeiten sind schlimm, aber durch diese Krise werden wir auch wieder das Wesentliche neu entdecken und schätzen lernen! Auch Menschen des öffentlichen Lebens drücken zunehmend diese Hoffnung aus. Es wäre wirklich schön, wenn die Welt nach Covid-19 eine andere, bessere wäre als vorher.

Aber irgendwie mag ich diese Hoffnung trotz aller augenblicklich sichtbaren Zeichen der Solidarität und Nächstenliebe nicht ganz teilen. Zu schnell vergessen wir, zu schnell kehren wir nicht nur in den Alltag, sondern auch in die eingefahrenen Wege zurück, zu schnell atmen wir kurz erleichtert auf – und knüpfen dann so nahtlos wie möglich an die Zeit vor Corona an. Die Vergangenheit hat allzu oft gezeigt, wie wenig wir aus unserer Geschichte lernen.

Und trotzdem gibt es Hoffnung! Die beginnt da, wo alle nachhaltigen Veränderungen ihren Ursprung haben: in unserem Herzen. Solange dort alles beim Alten bleibt, wird sich nichts ändern. Schon im Alten Testament lässt Gott durch den Propheten Hesekiel deshalb folgende Hoffnungs-Botschaft weitersagen (Hesekiel 36,26): „Ich will euch ein neues Herz und einen neuen Geist geben. Ja, ich nehme das versteinerte Herz aus eurer Brust und gebe euch ein lebendiges Herz“. Für kurzfristige Selbstbesinnung reicht vielleicht Corona, für echte Hoffnung auf eine bessere Gesellschaft aber brauchen wir Menschen mit erneuerten Herzen!

 

Matthäus-Tagesimpuls, 27.03.2020 (Wochenthema: Stichworte)

Stichwort „Normalität“

Ende Januar nahm hier in Deutschland kaum jemand das Ausmaß der Corona-Epidemie schon richtig ernst. Seit Ende Februar hat sich das etwas geändert, aber noch am 8. März wurden überall Gottesdienste gefeiert und für den Sonntag danach noch die nächsten geplant. Erst seit gut zwei Wochen gibt es überall in Deutschland zunehmend wirklich deutliche Einschränkungen in unserer ganz persönlichen Bewegungsfreiheit. Dabei darf man immerhin noch zum Einkaufen, zum Arzt, zur Arbeitsstelle und sogar in familiären Kleinstgruppen Spazieren gehen. Trotzdem begegnet man überall einer gedrückten Stimmung, als würde dieser Zustand nun schon wochenlang anhalten. Die ersten Politiker reden sogar schon von möglichst schneller Rückkehr zu mehr Normalität (was im Moment aber wahrscheinlich das Falscheste wäre).

Vor neun Jahren war ich für vier Monate krankheitsbedingt aus dem Alltag gerissen worden und konnte lange Zeit das Haus eigentlich nur für therapeutisch notwendige Maßnahmen verlassen. So gut es ging, versuchte ich im Hintergrund für die Gemeinde ein wenig „Homeoffice“ zu machen. Immer wieder wurde mir geraten, im Anschluss an die Behandlungen doch eine Reha-Maßnahme zu machen. Was ich mir sehnlich wünschte, war aber etwas ganz anderes: Normalität! Wieder Gottesdienste mit den anderen feiern zu können, die ganz alltäglichen pfarramtlichen Aufgaben zu erledigen, auch die eigentlich allzu bürokratisch-langweiligen. Als es dann so weit war, war ich Gott sehr dankbar für alles ganz Normale.

Vielleicht geht es Ihnen jetzt ähnlich. Der „graue Alltag“, über den wir uns oft beklagt haben, bekommt ein anderes Gesicht, wenn er uns plötzlich verloren geht. Wir merken, dass es nicht die Highlights sind, die unser Leben sinn- und wertvoll machen, sondern die Alltäglichkeiten, auch in unseren Beziehungen. – Vielleicht ist es kein Zufall, dass Jesus uns ein besonderes Versprechen gerade für den Alltag macht: „Siehe, ich bin bei Euch alle Tage!“ (Matthäus 28,20). Das ist eine herrliche „Normalität“, die nicht einmal der Corona-Ausnahmezustand aushebeln kann: Jesus ist bei uns, gestern, morgen, und ganz sicher auch heute!

 

Matthäus-Tagesimpuls, 26.03.2020 (Wochenthema: Stichworte)

Stichwort „Kalender“

Wahrscheinlich geht es Ihnen ähnlich wie mir: mein Kalender hat sich ganz schön verändert. Vieles, was darin eingetragen war, ist ausgefallen oder auf unbestimmte Zeit verschoben. Gemeindliche Planungen für die Wochen nach dem 19. April (bis dahin dürfen ja auf jeden Fall erst einmal keinerlei Veranstaltungen stattfinden) liegen ebenso auf Eis wie die privaten. Im Grunde leben wir irgendwie von Tag zu Tag. Das ist eine Situation, die wir – zumindest zu meinen Lebzeiten – in Deutschland so noch nicht hatten.

Alle Kalendereinträge mache ich in dieser Zeit nur unter Vorbehalt. Apropos Vorbehalt: kennen Sie den „jakobäischen Vorbehalt“? Den hat man früher öfter gehört als heute. Wenn Menschen sich verabschiedeten, sagten sie nicht nur „Auf Wiedersehen“, sondern fügten häufig an: „so Gott will und wir leben“. Im Original ist er im Jakobus-Brief in der Bibel zu finden (Kapitel 4,15). Auch wenn Terminkalender zu seiner Zeit noch keine große Rolle spielten, planten die meisten so, als hätten sie ihre Zeit (auch ihre Lebenszeit) voll im Griff. Deshalb mahnte Jakobus zu etwas mehr Demut: „Dagegen solltet ihr sagen: Wenn der Herr will, werden wir leben und dies oder das tun.“ Leben unter Vorbehalt.

Menschen leben ungern freiwillig so. Meist sind es gravierende Lebenskrisen, die uns deutlich machen, wie wenig wir unser Leben und unsere Zukunft letztlich in der Hand haben. Jetzt befinden wir uns mitten in so einer Krise. Viele Kalendereinträge sind nur noch Makulatur und wir planen eher von Tag zu Tag. Das ist auch gut so! Weil unser Leben doch im Grunde schon immer unter diesem jakobäischen Vorbehalt stand. Wir verdrängen das nur allzu gerne. Und jetzt lernen wir es „auf die harte Tour“: Kein Tag ist selbstverständlich, jeder Tag ist ein Geschenk Gottes. Auch dieser Tag! Das klingt ein wenig wie eine etwas angestaubte Kalenderweisheit. Und wenn schon: in vielen Kalendern fand sich von dieser Weisheit einfach nichts mehr. Das könnte jetzt anders werden. Natürlich nur unter dem anderen wichtigen Vorbehalt: dass wir aus unseren Fehlern lernen!

 

Matthäus-Tagesimpuls, 25.03.2020 (Wochenthema: Stichworte)

Stichwort „Angst“

Leider können sich im Moment auch die vielen Kinder nicht treffen, die sonst immer dienstags im LaKrIDS-Club zusammenkommen. Auch gestern blieb es deshalb im Matthäus-Gemeindehaus leider leer und still. Das ist sonst anders. In einem Lied, das die LaKrIDS-Kinder seit unserer Jubiläums-Kinderwoche letztes Jahr aus vollem Hals singen, heißt es: „Sei mutig und stark und fürchte dich nicht!“ Warum die Kinder es so gerne singen? Natürlich auch, weil es ein Ohrwurm ist und die Bewegungen dabei mitreißen. Ich glaube aber, auch weil dieses Lied eines unserer kreatürlichsten Gefühle anspricht: Angst!

Es gibt niemanden, der dieses Gefühl nicht kennt. Mit der allerersten Atemluft nach der Geburt schreien wir unsere Todesangst vor dem Ersticken heraus – und mit dem letzten Atemzug ist oft wieder die Angst vor der Dunkelheit des Todes verbunden. Auch zwischen diesen beiden Atemzügen gibt es kein Leben ohne Angst. Manchmal ist sie weit weg und wir fühlen uns ganz sicher, manchmal kriecht sie uns unter die Haut und ins Herz, so wie jetzt gerade wieder. Unsicherheit erzeugt Angst. Und wir sind angesichts der großen Hilflosigkeit gegenüber Covid-19 sehr verunsichert!

„Sei mutig und stark und fürchte dich nicht!“ Ist das die Lösung? Sich das wie ein Mantra immer wieder vorzusagen oder vorzusingen, bis man es irgendwann glaubt? Das Lied bleibt allerdings nicht beim Appell gegen die Angst stehen, sondern lautet weiter: „denn der Herr, dein Gott, ist bei dir!“ Ich höre förmlich die Vorbehalte, die jetzt manche haben: das ist doch zu naiv, zu einfach, zu kindlich!

Glaube ist tatsächlich irgendwie kindlich und auch viel einfacher, als wir meist denken. Allerdings nicht naiv im negativen Sinn. Glaube hat es nämlich immer mit Vertrauen zu tun. Das können Kinder noch. Erinnern Sie sich, wie Sie sich als Kind mit Ihrer Angst vertrauensvoll zu Ihren Eltern geflüchtet haben? Und dann war alles gut, obwohl der eigentliche Grund für Ihre Angst sich doch gar nicht geändert hatte. Aber die Eltern waren bei Ihnen. Und die Angst war weg. Mit so einem Vertrauen, ganz kindlich und ganz einfach, flüchte ich zu Gott mit meinen Lebensängsten, auch jetzt. Und es tut – mir jedenfalls – sehr gut zu wissen: „denn der Herr, dein Gott, ist bei dir!“ Mit dieser Gewissheit möchte ich auch in diesen Tag starten.

 

Matthäus-Tagesimpuls, 24.03.2020 (Wochenthema: Stichworte)

Stichwort „Zeit“

„Ich habe leider keine Zeit“ ist ein Satz, der fast zu so etwas wie einem Glaubensbekenntnis der hektischen Moderne geworden ist. Wie so vieles in diesen Wochen ist auch dieser Satz nicht mehr in Stein gemeißelt. Virenbedingt ist uns einiges an Freiheiten genommen worden, aber eines ist vielen von uns dafür geschenkt worden: mehr Zeit als sonst.

Zeit, die manche vor die erschreckende Frage stellt: Was fange ich nun eigentlich damit an? Zeit, die aber vor allem eine Chance ist, Dinge anzupacken, die sonst allzu schnell im Alltagstrubel untergehen. Mehr Zeit füreinander zum Beispiel, mehr Zeit für Gespräche und gemeinsames Essen, mehr Zeit für die Kinder usw. usw.

Und natürlich habe auch ich einen konstruktiven Vorschlag, was Sie mit ihrer gewonnenen Zeit tun können. Einen für manche geradezu innovativen Vorschlag: nehmen Sie sich doch einfach einmal Zeit für … Gott! Die bleibt ja sonst wirklich meist auf der Strecke. Aber jetzt wäre doch Zeit dazu. Wie man das macht? Jetzt könnte ich es mir leicht machen und einfach auf Bibel und Beten verweisen (wäre aber auch keine schlechte Idee). Aber es gibt dazu auch jede Menge Hilfen im Internet. Hier sind ein paar, die Sie entdecken könnten:

https://www.erf.de/erf-workshops/18000?ref=top&reset=1 (Online-Workshop mit verschiedenen Themen wie „Das Jesus-Experiment“, „Leben mit Sinn“ und viele andere)

http://www.online-glauben.de/de/ (Grundlagen des christlichen Glaubens neu entdecken)

https://dasbibelprojekt.de (coole animierte Einführungen in biblische Bücher und Themen)

Von einem bin ich jedenfalls überzeugt (vor allem auch aus eigener Erfahrung): Zeit, die Sie sich für’s Nachdenken über Gott nehmen, ist nie falsch investiert! Wenn nicht jetzt, wann dann?!

 

Matthäus-Tagesimpuls, 23.03.2020 (Wochenthema: Stichworte)

Stichwort „Durcheinander“

„Heute gibt es Durcheinander!“ Vielleicht kennt man diese Redewendung ja auch in Hagen, wahrscheinlich ist sie aber vor allem in meiner Heimat Ostwestfalen gebräuchlich. Gemeint ist nicht ein vorhergesagtes großes Chaos zuhause, sondern der angekündigte Eintopf auf dem Mittagstisch.

So ein Durcheinander wäre ja wenigstens schmackhaft. Das Durcheinander, mit dem wir jetzt gerade leben, schmeckt uns dagegen überhaupt nicht: niemand kann sagen, was kommt, wie lange die Krise dauern wird, worauf wir uns einstellen müssen. Hinzu kommen geschmacklose Fake-News im Netz, die oft unsere ohnehin schon wachsenden Ängste mit frei erfundenen Prognosen oder Verschwörungstheorien nur noch befeuern. Wer blickt da noch durch dieses ganze Durcheinander, mit dem wir gerade leben? Wir bleiben mit vielen Gedanken, die wir uns machen, relativ hilflos zurück.

Seit vielen Jahren fällt mir immer dann, wenn ich so ein Gedanken-Durcheinander erlebe, ein Vers aus dem Lieder- und Trostbuch der Bibel, den Psalmen, ein. Weil es mir einen Hinweis gibt, wie ich mit diesem Wirrwarr in Kopf und Herz umgehen kann, ja, wohin ich damit gehen kann: „Liebe Leute, schüttet euer Herz vor ihm aus: Gott ist unsere Zuversicht“ (Psalm 62,9). Dieser Vers ermutigt mich sehr zum Beten, mit oder ohne wohlformulierte Worte. Gott ist die richtige Adresse für mein Durcheinander, sogar für Klagen, Vorwürfe, Zweifel. Denn daran halte ich auch jetzt fest: selbst wenn Politiker, Fachleute, Medienvertreter im Moment keinen Durchblick haben können, Gott hat ihn! Und deshalb ist er auch die richtige Adresse für unsere Hilflosigkeit, die manchmal wie ein heilloses Durcheinander aussieht.