Onlineandachten

Onlineandacht am 29. März 2020


Onlineandacht am 22. März 2020

 

Es ist wirklich eine ziemlich schräge Angelegenheit gewesen. Horrorfilm-Enthusiasten hätte sie vielleicht sogar irgendwie begeistert. Zumindest war es eine ziemlich große Schweinerei. Lesen Sie selbst:

https://www.die-bibel.de/bibelstelle/Markus5,1-20/GNB/

Noch unheimlicher wird das Ganze, wenn man es sich plastisch vor Augen führen lässt:

https://www.youtube.com/watch?v=nV1WNGBqa5w (für Animations-Liebhaber)

https://www.youtube.com/watch?v=WItDTE-a3SM (wer’s realer mag)

Zwei Gedanken gehen mir nach, wenn ich an diesen Heilungsbericht aus Markus 5 denke:

Da ist zum einen dieser Mann, der mit seinen Dämonen kämpft – und diesen Kampf immer und immer wieder verliert. Er ist geradezu die Illustration zu einer Selbsterkenntnis, die den Apostel Paulus im Römerbrief einmal fast verzweifelt ausrufen lässt (Römer 7,19+24): „Ich will eigentlich Gutes tun und tue doch das Schlechte; ich verabscheue das Böse, aber ich tue es dennoch. … Ich unglückseliger Mensch! Wer wird mich jemals aus dieser tödlichen Gefangenschaft befreien?“ Wer kennt das eigentlich nicht? In Trickfilmen wird dieser Kampf gerne etwas niedlich mit Engelchen und Teufelchen auf den Schultern dargestellt, wobei auch dort meist das Teufelchen gewinnt. Wer aber unter seinen Schattenseiten, seinen offenen oder versteckten Leidenschaften, seiner speziellen Sucht, seinem persönlichen „Mr. Hyde“ leidet und einfach nicht aus seiner Haut kann, der fühlt sich mit dem Besessenen aus Markus 5 irgendwie solidarisch: den Kampf gegen unsere persönlichen Dämonen verlieren wir doch immer wieder. Und es geht uns genau wie diesem „Besessenen“: wir schaden damit uns und anderen. Obwohl wir doch genau das eigentlich ganz und gar nicht wollen! Wer hilft jemandem, dem es so geht? Wer ist stärker als unsere Dämonen? – Das ist die gute Nachricht dieses Bibelabschnittes: Jesus ist stärker als sogar eine ganze „Legion“ Dämonen. Jesus ist – damals wie heute – die Hoffnung für alle, die sich selbst so gerne ändern würden, aber nicht wirklich ändern können!

Zum anderen sind da diejenigen, denen diese grandiose Heilung ebenso grandios ihr Geschäft verhagelt. 2000 Schweine hat sie das gekostet! Und deshalb wollen sie Jesus möglichst schnell loswerden. Nicht auszudenken, was dieser Mann möglicherweise sonst noch an Schaden anrichten würde! – Es ist sogar in diesen Tagen manchmal eigenartig, wie oft Heilung und Finanzen in einem Atemzug genannt werden, wie sehr das Geld die Debatten um die Spielpausen im Sport letztendlich doch dominiert. Was ist ein Menschenleben wert? Den Menschen in der Gegend von Gerasa jedenfalls offensichtlich keine 2000 Schweine. Was sind wir Jesus wert? In der Passionszeit denken wir genau an diese Frage. Dass wir frei werden zum Leben ist Jesus sein eigenes Leben wert. Nicht nur hypothetisch, virtuell, sondern ganz real am Kreuz. Da lässt er nicht andere den Preis zahlen, sondern zahlt ihn selbst. Damit hat Jesus den Maßstab gesetzt, welchen Wert jedes Menschenleben hat. Vielleicht bringt uns die momentane Krise ja auch das wieder näher.


Onlineandacht am 15. März 2020
Plötzlich war es ganz still. Seltsam still. Eine Stille, die genau das Gegenteil von Totenstille war: voller Leben, Hoffnung und Glück. Und trotzdem stand ihnen eine ebenso seltsame Frucht ins Gesicht geschrieben. Sie hatten eigentlich geglaubt, ihn zu kennen. Aber nun flüstern wie einander zu: „Wer ist er eigentlich?“

Gerade noch hatte um sie herum das pure Chaos getobt, das ihnen Todesangst eingejagt hatte. Und dann reichen drei Worte, um aus dem Todeschaos von Sturm und aufgewühlter See diese lebendige Stille zu machen: „Schweig und sei still!“ Nur drei Worte! Und tatsächlich geschieht genau das. „Wer ist er eigentlich? Sogar Wind und Meer gehorchen ihm!“ Die Jünger von Jesus sind ebenso erleichtert wie ratlos.

Es ist eine der bekanntesten Episoden, die sie mit Jesus erlebt haben. Eine besonders plastische Geschichte, die in keiner Kinderbibel fehlt. Nachzulesen zum Beispiel im Markus-Evangelium, mit dem wir uns momentan in unsern Gottesdiensten beschäftigen, hoffentlich möglichst bald wieder auch in der Matthäuskirche (Originaltext: Markus 4,35-41).

Man vergisst diesen Bericht nicht so schnell, hat Bilder vor seinem inneren Auge und kann sich mehr als an anderen Stellen mit den Jesus-Jüngern identifizieren und mitleiden. Möglicherweise deshalb, weil es irgendwie auch unsere Geschichte ist und es uns selbst manchmal wie diesen Männern im Boot geht. Der Tag war lang und anstrengend gewesen. Sie waren müde, wollten eigentlich nur noch kurz über den See Genezareth an eine Stelle fahren, wo sie in Ruhe schlafen konnten. Da wird es plötzlich dunkel, ein Sturm zieht wie aus dem Nichts auf, hohe Wellen werfen das Boot hin und her. Das Wasser, das über die Bordwand schießt, ist nicht schnell genug wieder hinaus zu bekommen. Das Boot droht zu sinken. Und Jesus? So grotesk sich das liest: er liegt hinten im Heck und schläft, während um ihn herum die pure Panik ausbricht.

Solche Zeiten kennen viele von uns. Das Leben ist ohnehin gerade schon anstrengend genug – und dann kommt es „ganz dicke“. Wir versuchen, mit dem Chaos in unserem Leben irgendwie fertig zu werden, haben aber den Eindruck, wir schaffen das nicht. Und irgendwann (warum eigentlich nicht schon eher?) denken wir – wie die Jünger – an Jesus und wenden uns an ihn. Aber unser Gebet ist dann oft ähnlich wie das, was die Jünger damals Jesus vorwerfen: „Meister, interessiert es dich eigentlich gar nicht, dass wir total am Ende sind?“

Irgendwie scheint es, als hätte Jesus nur darauf gewartet, dass seine Leute endlich aufhören, es ohne ihn schaffen zu wollen. Er steht auf, spricht jene drei Worte und bringt Ruhe ins Chaos. – Ich kenne das gut, ja, sogar als Pastor: die Herausforderungen des Lebens allein meistern zu wollen. Meine Erfahrung dabei: das Leben bleibt irgendwie anstrengend, egal wie sehr ich mich bemühe, egal wie viele kluge Ratschläge aus „Simplify your life“ ich umzusetzen versuche.

Aber ich habe eben auch diese andere Erfahrung gemacht: Jesus meine Situation anvertraut, ihm mein Chaos und meine Hilflosigkeit in die Hände gelegt – und dann sehr konkret erlebt, wie Jesus die Dinge ordnend in die Hand nimmt. „Wer ist er eigentlich?“ Die Antwort liegt so sehr auf der Hand: der, der am Anfang der Zeiten mit seinem Wort die Schöpfung ins Leben rief. In Jesus ist Gott uns nah wie nirgends sonst. Nur ein Gebet weit weg. Und kann sogar Stille mitten in unserem Herzen schaffen. Wir brauchen das, wir brauchen ihn, gerade jetzt!