20. Dezember

Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet euch! – Der Herr ist nahe! (Wochenspruch, vierter Advent 4.)

Komm mir nicht zu nah!

Das könnte ja das heimliche Motto der Corona-Zeit sein. Überall sollen die AHA-Regeln gelten, deren erstes „A“ für „Abstand halten“ steht. Die allermeisten achten auch darauf. Aber wenn wir an der Kasse im Supermarkt den Atem unseres Hintermannes im Nacken spüren, liegt es uns wieder auf der Zunge oder wird sogar gesagt, etwas freundlicher formuliert wahrscheinlich: „Komm mir nicht zu nah!“

Weihnachten ist ein Frontalangriff auf dieses Lebensmotto. Denn Weihnachten bedeutet: der Himmel kommt uns ganz nah, mitten in diese Welt in einem kleinen Kind. Gott wird Mensch! In einem Weihnachtslied heißt es deshalb (EG 41,1): „Sehet doch da: Gott will so freundlich und nah zu den Verlornen sich kehren.“ Weihnachten ist – eigentlich – unser großes christliches „Stimmungsfest“. Da lassen wir uns die Nähe Gottes gerne gefallen und finden sie ganz positiv. Und genauso positiv wird sie auch im Wochenspruch für diese Weihnachtswoche ausgedrückt: „Freuet euch! Der Herr ist nahe!“

Das ist doch wirklich wunderbar: Gott bleibt uns nicht fern! Er ist bei uns in unserer Freude und unserer Traurigkeit. Er begleitet uns im Gelingen und Scheitern unserer Lebensaufgaben. Er hilft uns darin mit freundlicher Kritik und liebevollem Trost. Er hört nicht nur unsere gesprochenen Gebete, sondern auch die Sehnsüchte unseres Herzens. Näher als Gott kommt uns keiner!

Und da liegt das Problem! Denn je näher mir jemand kommt, desto mehr entdeckt er auch die Flecken auf meiner scheinbar weißen Weste und die dunklen Ecken, die ich so gerne vor allen verstecke. Je näher mir jemand kommt, desto weniger Ausreden fallen mir ein für meine Versäumnisse. Je näher mir jemand kommt, desto verwundbarer fühle ich mich. Deshalb empfinden vielleicht etliche die Nähe Gottes als gar nicht so positiv, weil sie auch unsere wunden Punkte entlarvt. Und dann sagt man auch zu Gott lieber: „Komm mir nicht zu nah!“

Die schlechte Nachricht dabei ist: wenn wir Gott auf Distanz halten, erfahren wir nicht, wieviel mehr Gutes uns die Nähe Gottes bringt als Probleme. Die gute Nachricht: auch wenn wir Gott auf Distanz halten wollen, bleibt Gott uns nah. Weil es ja gerade die dunklen Punkte unseres Lebens sind, derentwegen er sich in Jesus auf den Weg Richtung Erde und unserer Herzen gemacht hat. In dem wohl bekanntesten aller deutschsprachigen Adventslieder wird das so ausgedrückt: „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit; es kommt der Herr der Herrlichkeit, ein König aller Königreich, ein Heiland aller Welt zugleich, der Heil und Leben mit sich bringt; derhalben jauchzt, mit Freuden singt: Gelobet sei mein Gott, mein Schöpfer reich von Rat“ (EG 1,1).

In diesem Sinne: halten Sie Abstand, wo immer es angebracht ist, nur nicht von Gott! Ich wünsche Ihnen einen gesegneten vierten Advent.

Ihr Andreas Koch

PS: Am Ende ein kleines Bekenntnis: dass das Adventskalender-Türchen erst jetzt gefüllt ist, liegt schlicht und einfach daran, dass ich es übersehen hatte. Entschuldigen Sie bitte! – Und noch etwas: Da die Reaktionen auf das Advents-Rätsel der letzten Sonntage sich um 0% herum bewegten, gibt es heute nichts zu raten, sondern stattdessen den oben stehenden Advents-Impuls.