11. Dezember

Das Fest der Wunder

Natürlich war früher alles besser, glauben wir, je älter wir werden: da gab’s Christstollen, Spekulatius, Dominosteine und Printen frühestens im Advent und auch Weihnachtsbäume durften erst Heiligabend gesehen werden, außer auf öffentlichen Plätzen. Man nahm sich noch Zeit für „Dämmerstündchen“ mit Erzählungen und Kerzenschein am Abend. Und … aber nun schlage ich in die gleiche Kerbe wie viele andere, vielleicht weil ich ja mittlerweile auch schon längst zur Generation 55plus gehöre.

Eins aber war früher wirklich anders und – finde ich jedenfalls – besser: wir Kinder erlebten Weihnachten als etwas wunderbar Geheimnisvolles und konnten noch richtig staunen, sogar über unsere Geschenke!

Heute wundern sich viele nur noch, wie man das überhaupt glauben kann, was sie andererseits nach wie vor mit Inbrunst feiern und das Recht darauf in Corona-Zeiten bis auf’s Blut verteidigen: Eine junge Frau, die schwanger wird, und das ohne männliche Einwirkung? Hirten, denen ganze Heerscharen von Engeln erscheinen? Ein Zimmermann (Josef), dem Gott in Träumen rettende Anweisungen gibt? Ebenso wie einer Handvoll Sterndeutern, die sich wegen einer besondere Sternenkonstellation auf einen abenteuerlich langen Weg nach Israel gemacht haben, um dann in dem unbedeutenden Kaff Bethlehem den Retter der Welt zu finden? Weihnachten in der Bibel, das bedeutet Wunder über Wunder. Wer kann so etwas heute noch glauben?

Muss man auch gar nicht! Niemand zwingt uns dazu, an das zu glauben, was wir tagelang trotzdem so ausgiebig genießen – und wehe, die Weihnachtsgeschichte der Bibel würde im Heiligabendgottesdienst fehlen: „Es begab sich aber zu der Zeit …“ usw.! Wir Menschen sind irgendwie eigenartig. Wir meinen, dass etwas nicht real sei, nur weil wir es nicht verstehen oder beweisen können. Aber genau das ist ja das Wesen von Wundern! Sie passieren einfach und kümmern sich überhaupt nicht um Wissenschaftlichkeit und Rationalität. Oder kennen Sie irgendjemanden, der Ihnen wissenschaftlich-rational z. B. das Wesen der Liebe erklären kann? Die ist ja auch ein Wunder, das einfach geschieht und dem wir uns entweder öffnen und hingeben oder eben nicht.

Bei Weihnachten geht es übrigens in erster Linie auch um das Wunder der Liebe. Jesus selbst hat das später einmal so ausgedrückt: „Gott hat diese Welt so sehr geliebt, dass er ihr seinen eigenen Sohn gab, damit alle, die ihr Herz ihm öffnen, nicht mit ihrem Leben scheitern, sondern Leben für alle Ewigkeit gewinnen!“ (nach Johannes 3,16).

Auch wenn wir vieles nicht verstehen und vielleicht kaum glauben können: Weihnachten ist und bleibt das Fest der Wunder, vor allem das des größten Wunders: der Liebe Gottes. Es lohnt sich, auch diesem Wunder sein Herz zu öffnen und sich ihm hinzugeben. Dann wird Weihnachten wieder ein Fest zum Staunen über dieses wunderbare Geheimnis!